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Liebe Schüler und Studenten! Liebe Leser und Konsumenten!

share tweet  Im letzten Semester an einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen: Ich war mit meiner Schwester an einer uns bis dahin unbekannten Uni unterwegs. Wir suchten das Studierendensekretariat. Wir fragten nach dem Studierendensekretariat. Die angesprochene Frau antwortete wirsch „Das heißt Studentensekretariat“, und erklärte uns den Weg. Tatsächlich, da stand es schwarz auf fast weißem Beton: „Studentensekretariat“. Das…

16.03.11 >

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Im letzten Semester an einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen: Ich war mit meiner Schwester an einer uns bis dahin unbekannten Uni unterwegs. Wir suchten das Studierendensekretariat. Wir fragten nach dem Studierendensekretariat. Die angesprochene Frau antwortete wirsch „Das heißt Studentensekretariat“, und erklärte uns den Weg. Tatsächlich, da stand es schwarz auf fast weißem Beton: „Studentensekretariat“.

Das hat mich genervt. Also habe ich dem Gleichstellungsbüro der Uni eine E-Mail geschrieben und vorgeschlagen, dass das Studentensekretariat künftig Studierendensekretariat heißen könnte. Zwei Wochen lang passierte gar nichts. Nach zwei Wochen kam eine E-Mail zurück in welcher sich die Gleichstellungsbeauftragte für die Anmerkung bedankte. Sie habe einen Antrag auf Namensänderung eingereicht. Passiert ist aber nichts, wie ich soeben festgestellt habe. Das besagte Studierendensekretariat der besagten Hochschule heißt immer noch Studentensekretariat.

Warum mich das immer noch nervt? „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, sagte einst Ludwig Wittgenstein. Und nein, der hatte damit sicher nicht in erster Linie gendergerechte Sprache im Sinn (,wahrscheinlich auch nicht in zweiter Linie). Aber es ist ja offenkundig noch heute so, dass Frauen eben nicht immer mitgesprochen und -geschrieben werden (von allen, die sich zwischen den zwei Polen männlich/weiblich bewegen im wahrsten Sinne des Wortes ganz zu schweigen).

Das so genannte generische Maskulinum reiche ja aus und Frauen seien immer mitgemeint. Aber wenn ich Arzt sage, hat mein Gegenüber eben keine Frau im Kopf und wenn ich Fußballspieler schreibe, denkst Du nicht an eine Frau. In der Regel jedenfalls.

Und umgekehrt? Wenn ein Mann Krankenschwester werden will, wird er Krankenpfleger und wenn ein Mann Hebamme werden will, wird er Geburtshelfer und wenn ein Mann Putzfrau werden will, wird er Raumpfleger und wenn ein Mann Politesse werden will, wird er Hilfspolizist und wenn ein Mann Prostituierte sein will, ist er Callboy.

Exkurs: Noch so eine spannende Sprach-Sache ist das Phänomen der Pejorisierung (Bedeutungsverschlechterung). So meinte das mittelhochdeutsche „wîp“ schlichtweg „Frau“. Heute wird „Weib“ nur noch abwertend benutzt. Ähnliche Abwärtsbewegungen nahmen die Worte mittelhochdeutsch „vrouwe“ für „Adelige“, heute „nur noch“ „Frau“ und mittelhochdeutsch „dierne“ für Mädchen, heute „Dirne“ für „Prostituierte“ (mit der Pejorisierung geht hier sogar noch eine Sexualisierung einher). Meliorisierungen (Bedeutungsverbesserungen) dagegen kommen bezeichnenderweise vor allem bei Worten vor, welche den Mann betreffen.

Fazit: Die deutsche Sprache scheint einfach keine faire Sache zu sein. Bisher jedenfalls. Es gibt ja auch positive Entwicklungen. Zum Beispiel werde ich nicht mehr Fräulein genannt, weil ich nicht verheiratet bin, sondern „Frau“. In Zeitschriften werde ich grundsätzlich als „Leserin“ begrüßt. Und an meiner Uni darf ich zum Studierendensekretariat gehen.

Trotzdem hilft es nichts. Sprache muss reflektiert werden. Eingeschliffenes muss durchdacht werden. Auch und gerade an den Universitäten wie in Bonn, Tübingen , Göttingen, Chemnitz, Trier…, wo Student_innen immer noch zum Studentensekretariat gehen müssen.

Die Sprachwissenschaftlerinnen Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz machen sich zu gerechter Sprache schon lange Gedanken. Lesen kannst Du diese Gedanken zum Beispiel hier (Leider ist die Homepage nicht sonderlich aktuell. Der Aufsatz ist dennoch lesenswert.).