Eine Toilette ist eine Toilette ist eine Toilette ist eine Toilette?

share tweet  Neulich ging ein Aufschrei durch das Germanistische Institut in Münster. „Wer darf denn nun diese Toilette benutzen?”, hieß es da, als das Institut in ein ehemaliges Gymnasium umgezogen war. Im Keller gibt es da einen Toilettenraum, der zunächst nicht beschildert war. Studenten, wie Studentinnen standen jetzt also davor und rätselten. Wem es zu dringend…

24.03.11 > Uncategorized

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Neulich ging ein Aufschrei durch das Germanistische Institut in Münster. „Wer darf denn nun diese Toilette benutzen?”, hieß es da, als das Institut in ein ehemaliges Gymnasium umgezogen war. Im Keller gibt es da einen Toilettenraum, der zunächst nicht beschildert war. Studenten, wie Studentinnen standen jetzt also davor und rätselten. Wem es zu dringend wurde, ging einfach rein (oder eben eine Etage nach oben, wo alles “normal” ist). Mann, wie Frau. Das hat sich dann auch so durchgesetzt. Inzwischen ist es offiziell ein Unisex-Klo, mit Schildchen für beide Geschlechter.

Behinderte Menschen sind übrigens grundsätzlich geschlechtslos. Auf diese Idee kann man wenigstens kommen, wenn man sich die Toiletten für Behinderte anschaut. Da gibt es kein Zeichen für Männer und keines für Frauen, einfach eines für Rollstuhlfahrer_innen. Da ist eben noch Nachholbedarf, könnte man jetzt denken. Vielleicht aber auch grade nicht. Vielleicht haben die Toiletten für Behinderte auch eine Vorreiterfunktion.

Inzwischen wird in vielen AZs auf geschlechtergetrennte Toiletten verzichtet, weil die künstliche Gender-Trennung in männlich/weiblich auch auf dem Klo unnötig ist. Und schaut man sich die Argumente an, die zum Beispiel eine Initiative an der HU Berlin hervorbringt, leuchtet das auch ein. Da ist für jede_n das passende Argument dabei. Väter können ihre Kinder nicht wickeln, ohne doof angeschaut zu werden, weil die Wickeltische häufig noch in den Toilettenräumen für Frauen untergebracht sind, Kosten werden eingespart, weil nur ein Toilettenraum instand gehalten werden muss und darüber, dass alle gleichbehandelt werden sollen (Mann, Frau, Transgender), sind wir uns ja ohnehin alle einig. Klappt bei euch zuhause und im Zug auch.

Jede_r Mensch, der sich irgendwie „dazwischen” fühlt, ist bis dato immer noch ausgegrenzt. Da geht unter anderem das Café Garbo/Programmkino Cinema, ebenfalls in Münster, einen Schritt weiter. Hier gibt es seit geraumer Zeit ein Transgender-Klo.

Thomas vom Cinema hat mir dazu ein paar Fragen beantwortet:

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Transgender-Toilette zu installieren?

Es waren zwei Anregungen. Die eine war in einem Soziologie-Seminar zu Gender. Und in diesen werden ja immer gerne als Beispiel die klassischen Toilettenschilder (Frau mit Rock und schmalen Schulter, Mann breitbeinig mit Hose) diskutiert. Die andere ist der Film “Das verordnete Geschlecht” von Oliver Tolmein, den wir gezeigt hatten. In dem Film geht es um Zwitter und eben nicht die eindeutige geschlechtliche Zuordnung.

Warum ist eine Transgender-Toilette wichtig?

Eigentlich hätten wir ja insgesamt lieber Steh- und Sitztoiletten – vollkommen unabhängig von der geschlechtlichen Identität. Das ist aber a) noch verboten und b) sind wir gesellschaftlich noch nicht so weit – so muss die Transgender-Toilette halt noch ein Politikum sein.

Wie sehen die Reaktionen auf die Toilette aus?

Viele trauen sich nicht rein. Sie können sich vielleicht auch nicht vorstellen, was die Toilette soll. Wir müssen aber auch mal eine Erklärung dazu schreiben.

Bei Ally McBeal gibt es die Unisex-Toiletten schon lange:

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