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Team Videospiele: Yes, I’m a Girl and I play World of Warcraft

share tweet  Aloha! Ich will euch heute an meinen Erfahrungen und Beobachtungen aus World of Warcraft teilhaben lassen. Yes, I’m a girl and I play World of Warcraft. So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Gruppen auf Facebook. Auch ich bin oder war Mitglied einer solchen Gruppe. Als die Gruppenflut mein Facebookprofil überschwemmte, verlor ich leider …

06.04.11 > ,

Aloha! Ich will euch heute an meinen Erfahrungen und Beobachtungen aus World of Warcraft teilhaben lassen.

Yes, I’m a girl and I play World of Warcraft. So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Gruppen auf Facebook. Auch ich bin oder war Mitglied einer solchen Gruppe. Als die Gruppenflut mein Facebookprofil überschwemmte, verlor ich leider den Überblick über meine ganzen Gruppen. Beigetreten bin ich dieser Gruppe vor längerer Zeit. Auslöser war eine Unterhaltung mit einem Bekannten, der meinte, es gäbe nicht besonders viele „echte“ Frauen in World of Warcraft. Worauf spiele ich an, wenn ich von „echten“ Frauen spreche? Dahinter steckt keine hochphilosophische Überlegung, was denn nun eine echte Frau sein soll und wer sie erfunden hat. Ich meine mit der „echten“ Frau die biologische Person hinter der World-of-Warcraft-Figur. Ja, es gibt Frauen, die World of Warcraft spielen und ja, es soll auch vorkommen, dass sie sich eine weibliche Spielfigur zusammenbasteln.

Wie im richtigen Leben MUSS der Spieler oder die Spielerin zu Beginn der Charaktererstellung zwischen zwei Geschlechtern, zwischen männlich und weiblich, wählen. Anders als im richtigen Leben (von Spielern/Spielerinnen kurz RL, also real life genannt) existieren im Spiel keine geschlechtsneutralen, androgynen oder anderen Formen ausserhalb der zweigeschlechtlichen Ordnung. Interessant ist jedoch die Tatsache, dass neben Fraktions- und Volkswechsel auch ein Geschlechtswechsel möglich ist. Dafür muss der Spieler/die Spielerin jedoch reales Geld bezahlen.

Unter Spielern/Spielerinnen gilt es als offenes Geheimnis, dass man als weiblicher Charakter im Spiel ab und zu gewisse Vorzüge geniesst. Männliche Charaktere, hinter denen sich auch im RL ein männlicher Spieler verbirgt, freunden sich gerne mit weiblichen Charakteren an. In Gilden oder unter Spielfreunden wird häufig ein Teil der realen Identität preisgegeben, so auch das Geschlecht. Man möchte ja schliesslich wissen, mit wem man befreundet ist, zumal die Gesprächsthemen auch ins Persönliche gehen können. Dabei geht man mit Freunden des gleichen Geschlechts z.B. im Chat anders um als mit Angehörigen des anderen Geschlechts. Ein Mann kann für sich entscheiden, ob er sich einer Frau gegenüber im Chat respektvoll oder herablassend zeigen will. Er kann baggern oder auch neutral z.B. über Filme oder Musik reden. Man kann nicht von einem bestimmten Typ Mann sprechen, denn das Verhalten im Spiel hängt immer auch mit dem Verhalten und der Sozialisation im RL ab. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Anonymität im Spiel einige Männer zu besonders plumpem, herablassendem und sexistischem Verhalten verführt. Ich habe in dieser Hinsicht selbst bisher aber kaum negative Erfahrungen gemacht.

Ein netter Effekt des Frauseins im Spiel ist, dass man besonders von männlichen Mitspielern Geschenke bekommt oder beim Kauf von Gegenständen einen besseren Preis aushandeln kann als ein männlicher Mitspieler. Auch die Hilfsbereitschaft anderer männlicher Spieler ist wesentlich grösser einer Frau gegenüber. Während ein Mann an einem anderen männlichen Spieler, der kurz vorm Sterben ist, eher vorbeireitet, so wird derselbe Mann bei einer weiblichen Figur in derselben Situation eher vom Mount absteigen und ihr zu Hilfe eilen. Auch das „Wegschnappen von Mobs“, also das „Vor-der Nase-weg-Töten“ von Kreaturen, die für eine Aufgabe benötigt werden, passiert einem weiblichen Spieler seltener, da ihnen gegenüber eher Rücksicht und Solidarität gezeigt wird.

Diese kleinen Extras verleiten Männer gelegentlich dazu, sich auch einen weiblichen Charakter zu basteln. Solange das Thema Geschlecht im Chat nicht explizit angesprochen wird, hat der Spieler mit seinem weiblichen Charakter nicht viel zu befürchten und seine Strategie geht auf. Wird jedoch sein reales Geschlecht thematisiert, so muss er sich entscheiden, ob er zugunsten der Extras lügt, oder ob er die Wahrheit sagt und damit riskiert, dass ihm der Mitspieler keine Vergünstigungen mehr zukommen lässt.

Sicher bringt es im Spiel gewisse Vorteile, eine Frau zu sein oder eine darzustellen. Doch, so lässt sich nur vermuten, steckt dahinter in so einigen Fällen wohl auch die unter männlichen Spielern verbreitete Ansicht, Frauen seien das schwächere Geschlecht und daher eher Hilfe angewiesen. Frauen sollen sich nicht abmühen und seltene Gegenstände mühsam suchen oder viel Geld dafür ausgeben – dafür haben sie im Spiel ja die netten Männer, die ihnen die kleinen Extras gerne zukommen lassen.

Doch was erwarten männliche Spieler dafür? Zuneigung? Freundschaft? Meist besteht ein gewisses freundschaftliches Verhältnis schon, bevor es zu irgendwelchen Geschenkchen kommt. Fühlen sich Männer durch ihre gesellschaftliche Rolle vielleicht verpflichtet, ihren weiblichen Spielkolleginnen ab und an Aufmerksamkeiten zukommen zu lassen? Ich will an dieser Stelle keinem meiner Spielkollegen eine absichtlich sexistische Absicht unterstellen. Die im Spiel gezeigten Verhaltensweisen lassen jedoch darauf schliessen, in welchem realen Umfeld die Spieler sozialisiert sind. Dies scheint ein Umfeld zu sein, in dem Frauen als das schwächere Geschlecht gelten und man ihnen daher mit einer gewissen Höflichkeit begegnen muss. Diesem Verhalten wird vielleicht die Bezeichnung „Gentleman Sexism“ in gewisser Weise gerecht, welche Frauen durch eine „galante“ Behandlung implizit als das schwächere Geschlecht abstempelt. Es ist jedoch nicht immer einfach zu sagen, ob eine Hilfeleistung hier und ein Geschenk da nun als Ausdruck dieses „Gentleman Sexism“ gesehen werden können, oder ob sich der Spieler einfach freut, wenn er seiner Mitspielerin eine Freude machen kann. Man sollte nicht jeder netten oder anständigen Handlung automatisch einen bewussten oder auch unbewussten sexistischen Hintergedanken unterstellen. Schliesslich mache auch ich (als Spielerin) gelegentlich einem männlichen Kollegen eine Freude oder eile ihm zur Hilfe.

Das war’s für heute von mir. Silvergirl_X verabschiedet sich mit einem fröhlichen „Für die Horde!“


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