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Erfahrungen aus dem dicken Alltag – Teil I

share tweet  Klamotten kaufen Meine Freundin Susie wollte unbedingt mit mir shoppen gehen. Wir waren in etlichen Geschäften und liefen uns die Füße ab. In jedem einzelnen Geschäft hat sie tausend Sachen anprobiert und gemeckert es würde ihr da an dieser Stelle nicht passen und dort nicht passen (weil es mache ihr einen zu großen Hintern,…

08.12.11 >

ARGE Dicke Weiber

Klamotten kaufen

Meine Freundin Susie wollte unbedingt mit mir shoppen gehen. Wir waren in etlichen Geschäften und liefen uns die Füße ab. In jedem einzelnen Geschäft hat sie tausend Sachen anprobiert und gemeckert es würde ihr da an dieser Stelle nicht passen und dort nicht passen (weil es mache ihr einen zu großen Hintern, zu dicke Oberarme, etc.). Immer wieder forderte sie mich auf, mir doch auch etwas zu suchen. Ich sah mich um und stellte fest, dass die größte Größe, die ich finden konnte eine 44 war. Für mich war das nicht überraschend, jedoch war Susie der vollen Überzeugung eine 44 müsste mir doch passen und als sie dann auch noch eine einzige Bluse in 46 fand, glaubte sie, ich würde ihr einfach nur den Einkauf vermiesen wollen. Doch nein, leider passt mir auch keine 46 – ich habe nun mal Größe 56-60. Ihr zu Liebe versuchte ich dann aber die Bluse anzuprobieren – ich steckte bereits bei den Ärmeln fest – vom Zuknöpfen nicht zu reden.

Die ganze Zeit über stand sie vor dem Probierspiegel und zeigte mir an ihrem Körper die Stellen, die sie angeblich für zu fett hielt. Sie rümpfte die Nase und meinte sie würde sich richtig davor ekeln und es würde widerlich aussehen. Schließlich sagte sie auch oft, dass sie jetzt aber auf Diät sei und diese paar Stellen bald der Geschichte angehören würden. Ich fragte mich was sie in mir sieht? Ob sie begreift wie dick ich bin und wie sie sich gerade negativ über das Dicksein ausspricht? Also auch über mein Dicksein. Es muss ihr nicht an ihrem Körper gefallen oder an anderen, aber dieser prinzipielle Unterton, dieses abfällige Reden hat mich sehr traurig gemacht. Ich habe versucht, nicht vor ihr zu weinen – weil ich festgestellt habe, dass sie mich eigentlich nicht sieht bzw. mich nicht so akzeptiert wie ich bin, dass sie mich nicht versteht – meine Probleme. Sie hat nicht verstanden, dass ich kein einziges Kleidungsstück fand – weil es meine Größe in den herkömmlichen Geschäften einfach nicht gibt. Sie meinte wohl ich wäre zu geizig, zu pingelig. Sie hat gar nicht verstanden, dass auch eine 46 – angebliche Übergröße – nicht jeder passt.

Im Café

Nachdem ich mit meiner Freundin Susie den ganzen Tag in den verschiedensten Modeläden unterwegs war, wollte sie sich unbedingt zum Ausruhen in ein kleines Café setzen. Ich war erleichtert, denn nachdem ich für mich selbst nichts kaufen konnte, durfte ich ihr beim Tragen ihrer vielen Einkaufstaschen helfen und diese wollte ich einmal abstellen. Sie wählte einen Tisch ganz hinten im Eck aus und wir mussten uns durch das gesamte mit Tischen und Stühlen vollgestellte Kaffeehaus drängen. Für sie vielleicht kein Problem, aber durch viele Engstellen bin ich einfach nicht durchgekommen – und musste mir einen anderen Weg suchen – dabei habe ich wohl viele Gäste im Lokal angerempelt und ein paar Gläser fast umgestoßen. Ich kam mir vor wie ein Elefant im Porzellanladen. Ich fragte mich, ob Susie das wohl absichtlich machte – ob sie mich bloß stellen wollte oder ob sie einfach unaufmerksam wäre gegenüber meiner Körperfülle und meinen Bedürfnissen? Endlich angekommen, stellte ich die Taschen ab und versuchte mich in den viel zu engen Sitz zu zwängen, dabei hatte ich immer Angst, der Stuhl würde unter mir zusammenbrechen. Er hielt mein Gewicht zum Glück aus – dennoch saß ich sehr unbequem – die Sitzlehnen an der Seite bohrten sich direkt in mein Fleisch. Ich ignorierte den Schmerz und ließ mir nichts anmerken.

Susie bestellte eine heiße Schokolade und ein Stück Sachertorte für uns beide und meinte, sie würde heute eine Ausnahme von der Diät machen. Als die heiße Schokolade und die Sachertorte kamen – und ich meinen ersten Bissen gerade in den Mund stecken wollte – drehte sich doch glatt eine Frau am Nebentisch zu uns und meinte, mir würde es nicht schaden, das jetzt nicht zu essen. Ich kann es nicht glauben und bin total geschockt, irgendeine Wildfremde sagt das ausgerechnet in diesem Moment zu mir. Susie beginnt sich mit dieser Frau zu unterhalten und erzählt ihr, dass es eine Ausnahme bei ihr sei – dabei war Susie nicht einmal gemeint, aber sie entschuldigt sich gleich für uns beide. Auch andere Gäste blicken mich angewidert an. Hinter uns beginnen zwei junge Männer über mich zu lästern: »Die Dicke da frisst wie ein Schwein.« Dabei habe ich das Stückchen Sachertorte auf meiner Gabel noch immer nicht in den Mund geschoben.

Susie und die fremde Frau unterhalten sich plötzlich über gute und schlechte Ernährung, über Diätpläne, über Abnehmen, Fitness und Fitnesscenter und denken, sie könnten mich damit belehren. Ich sitze nur da und lasse es über mich ergehen. Am liebsten wäre ich nicht hier, am liebsten wäre ich ganz woanders. Susie trinkt ihre heiße Schokolade und isst ihr Stück Sachertorte – jedoch lässt sie die Hälfte über, denn sie muss ja auf ihre Figur achten. Ich trinke meine heiße Schokolade und esse mein Stück Sachertorte – aber auch nur zur Hälfte um ja nicht noch ein weiteres Gespräch über mich ergehen lassen zu müssen – von irgendjemandem, der mich nicht einmal kennt.

Susie redet ganz überschwänglich wie toll es nicht war mit mir zu shoppen und wie super der Tag nicht lief. Ich bin nur froh, dass dieser Tag hinter mir liegt. Er hat mich mehr traurig als glücklich gemacht. Dann verabschieden wir uns.

Öffentliche Toiletten

Vor dem Weggehen verschwinde ich noch schnell auf die Toilette. Aus dem Stuhl zu kommen war schon ein Abenteuer, doch dann muss ich feststellen, dass die Türen der Toiletten nach innen aufgehen und sie wahnsinnig eng sind. Ich komme fast nicht hinein und falle fast über die Toilettenschüssel – zum Glück bin ich sehr gelenkig und so stelle ich mich breitbeinig über die Toilettenschüssel – die Schüssel zwischen meinen Beinen – so kann ich die Türe schließen, das gleiche mache ich um wieder aus der Toilette heraus zu kommen. Dabei muss ich auch den Bauch einziehen, dennoch reibt sich die Tür an meinem Körper bevor sie zu und wieder offen ist. Ich freue mich nur, dass nicht auch noch ein Mistkübel im WC an der Seite angebracht ist – obwohl ich sie als sehr praktisch empfinde – sind sie leider immer so angebracht, dass sie das WC noch enger machen und ich fast immer mit dem Mistkübel in Berührung komme – entweder wird es mir dadurch unmöglich ins WC hinein zu kommen oder ich stoße beim über der Schüssel hocken mit meinen Oberschenkeln an ihnen an. Endlich aus dem WC draußen packe ich mich zusammen und zwänge mich durch das Café nach draußen.

U-Bahn fahren

Auf dem Nachhauseweg nehme ich die U-Bahn. Da kommt eine Gruppe von Menschen auf mich zu und beginnt mich heftig mit »Fette Sau«, »Fettes Monster«, »Schwabbelige, ekelige, blade Sau« zu beschimpfen und meint, ich solle ihnen nicht soviel Platz weg nehmen. Die Frauen in der Gruppe lachen gehässig und die Männer beginnen mit Drohgebärden auf mich los zu gehen, sie stoßen und rempeln mich in jede Richtung. Ich bekomme Angst. Die anderen Leute schauen nur zu. Ich bin ganz allein auf mich gestellt.

Teil II folgt …

Text: Malena (ARGE Dicke Weiber)