Grenzenlos glücklich?

share tweet  Jedes Liebespaar muss sich irgendwann Gedanken machen, wo es auf der Welt leben möchte. Viele Überlegungen beeinflussen diese Entscheidung: wo leben die Eltern, wo findet man Arbeit, wo ist die Lebensqualität am höchsten, wo möchte man eine Familie gründen? Ist man jung, flexibel, hat Zeit und Geld, spielen viele dieser Überlegungen vielleicht noch gar…

05.06.12 > Uncategorized

Jedes Liebespaar muss sich irgendwann Gedanken machen, wo es auf der Welt leben möchte. Viele Überlegungen beeinflussen diese Entscheidung: wo leben die Eltern, wo findet man Arbeit, wo ist die Lebensqualität am höchsten, wo möchte man eine Familie gründen? Ist man jung, flexibel, hat Zeit und Geld, spielen viele dieser Überlegungen vielleicht noch gar keine Rolle, aber spätestens der letzte Punkt wird oft ausschlaggebend für das zukünftige Domizil und muss daher gut überlegt sein.

In einer binationalen Partnerschaft ist die Suche nach dem gemeinsamen Zuhause nicht nur der allererste, sondern oft auch der schwierigste Schritt. Persönliche Überlegungen sind dabei nur zum Teil relevant. Ob man in eins der jeweiligen Heimatländer oder in ein Drittland zieht, hängt eben leider nicht nur davon ab, wo das Wetter schöner ist. Es hängt davon ab, ob überhaupt beide Partner in diesen Ländern leben dürfen.

Innerhalb der EU ist das noch kein so großes Problem. EU-BürgerInnen dürfen sich hier immerhin frei bewegen, ungeachtet ihrer Nationalität, und bis auf wenige Ausnahmen dürfen sie auch einer Arbeit nachgehen. Sobald aber einer der Partner keinen EU-Pass besitzt, muss ein Aufenthaltsvisum her, das schon lange nicht jede erteilt bekommt. Um weiterhin zusammenbleiben zu können, bleibt vielen Paaren daher oft nur die Eheschließung. Dass dieser Trend noch ganz viele rechtliche Fragen nach sich zieht, hat die EU immerhin schon zur Kenntnis genommen und z.B. das Scheidungs- und Güterrecht vereinfacht.

So weit, so gut, doch kann es wirklich Sinn und Zweck sein, zwei Menschen zu einer Ehe zu nötigen, die sie normalerweise vielleicht nicht eingehen würden? Schließlich entsteht so auch eine Abhängigkeit des ausländischen zu dem einheimischen Partner, die man auch in Betracht ziehen sollte. So werden sich zum Beispiel MigrantInnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, nur sehr schwer von ihrem Partner lösen können, der ihnen als einziger den Aufenthalt sichern kann. Des Weiteren besteht auch überhaupt keine Garantie, dass Verwitwete nach dem Tod ihrer Partner weiter das Recht darauf haben, in dem Land zu verbleiben, in dem sie schon seit Jahren leben.

Von der rechtlichen Lage mal abgesehen, bedeuten diese Umstände für das Paar selbst oft eine Menge Stress, Bürokratie und Frustration bis hin zur Verzweiflung. Bei all den Gesetzen (und ihrer oft willkürlichen Anwendung) wird oft vergessen, dass sie das Leben von Menschen radikal beeinflussen und verändern.

Lange und ungenaue Wartezeiten bei der Visumsvergabe führen dazu, dass die Betroffenen in der Zwischenzeit kaum wichtige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen können. Entweder dürfen sie das Land, in dem sie sich “bewerben” (ja, so fühlt es sich an) nicht verlassen, oder gar nicht erst einreisen. Viele Menschen bestimmter Nationalitäten, zum Beispiel aus Teilen Afrikas, bekommen nicht einmal ein Besuchervisum ausgestellt, können daher ihren Partner nicht in Deutschland, sondern nur im Heimatland heiraten. Danach können die Frischvermählten einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen, allerdings gibt es auch dafür keine Garantie, denn es kann bereits am Sprachtest scheitern.

Hinzu kommt der finanzielle Druck, denn Heiraten ist teuer und ohne das entsprechende Visum können die Nicht-EU-Bürger legal auch keiner Arbeit nachgehen.

Wenn dieser Text sehr gesetzeslastig daher kommt, dann liegt das daran, dass eine binationale Partnerschaft von Anfang an von diesen Gesetzen abhängig ist und bestimmt wird. Insgesamt wird deutlich, dass das System danach ausgerichtet zu sein scheint, Paare in jeglicher Hinsicht zu demotivieren und die Einwanderung zu beschränken. An jedem Einzelschicksal hängt aber nicht nur eine Beziehung, sondern auch eine Familie. So ist es zum Beispiel gar nicht so einfach, eher traditionell eingestellten Eltern (oder auch nur sich selbst) erklären zu müssen, dass der neue Freund auch schon bald der Ehemann ist, und zwar vor allem aus praktischen Gründen. Oder den Großeltern mitteilen zu müssen, dass man sie leider nicht besuchen kann, da das Besuchervisum nicht genehmigt wird.

Kein Wunder also, dass binationale Beziehungen in kürzester Zeit einem enormen Druck ausgesetzt sind. Dass sich viele diesem Stress dennoch aussetzen, und das oft über Jahre hinweg, zeigt doch nur, wie stark diese Beziehungen sind, auch über alle Grenzen hinweg.

Davon mal abgesehen ist die Ehe jedoch noch lange nicht für jedes Paar eine Option, aber darüber berichte ich ein anderes Mal.