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Dancing in the Dark

„Wir wollen tanzen aber die Regierung verbietet es. Das Regime erstickt uns.“ Wüstentänzer ist ein Film über die Geschichte des iranischen Tänzers Afshin Ghaffarian und seiner Tanzgruppe von Laura Teheran 2009: Auf den Straßen demonstrieren Menschen für das Wahlrecht. Der junge Kunststudent Afshin, verkörpert von dem arabisch- israelischen Schauspieler Reece Ritchie („Prince of Persia“), und…

29.05.14 > , Film & Serien,

Foto: Senator

Wir wollen tanzen aber die Regierung verbietet es. Das Regime erstickt uns.“ Wüstentänzer ist ein Film über die Geschichte des iranischen Tänzers Afshin Ghaffarian und seiner Tanzgruppe

von Laura

Teheran 2009: Auf den Straßen demonstrieren Menschen für das Wahlrecht. Der junge Kunststudent Afshin, verkörpert von dem arabisch- israelischen Schauspieler Reece Ritchie („Prince of Persia“), und seine FreudInnen möchten eine Tanzgruppe gründen. Ihr einziges Problem: Tanzen ist in der islamischen Republik Iran strikt verboten. Wie leider so ungefähr alles was Spaß machen könnte. Aber Revolution liegt in der Luft und die Gruppe trifft sich trotz des Verbots und der ständigen Gefahr entdeckt zu werden im Geheimen. Bald stößt Elaleh, Freida Pinto, bekannt aus „Slumdog Millionaire“, die Tochter einer ehemals sehr bekannten Balletttänzerin, dazu. Mit Beginn der islamischen Republik war ihre Mutter arbeitslos geworden und schließlich, voller Trauer um den verlorenen Lebenstraum, an einer Überdosis Heroin gestorben. An Elaleh hat sie ihr Wissen weiter gegeben. So beginnt Elaleh die Gruppe junger KunststudentInnen zu unterrichten. Eines Tages will die Tanzgruppe nicht mehr nur für sich tanzen. So beschließen sie, sich Publikum zu suchen: Endlich ein richtiger Auftritt! Interessierte ZuschauerInnen, Vertraute und FreundInnen der Clique, sind schnell gefunden. Aber wo sollen sie tanzen? Der Keller der Uni, in dem sie versteckt üben, kommt als Auftrittsort nicht in Frage. Es darf ja niemand mitkriegen. Denn schließlich laueren überall die selbsternannten ‚Revolutionswächter‘, die für ihre Brutalität berüchtigte Basidschi- Miliz.

Foto: Senator

Neben tollen Tanzszenen wird auch die politische Situation des zerrissenen Landes porträtiert: Die riesigen Underground-Partys Teherans, iranische Hippies und linke KünstlerInnen werden gezeigt. Der Film bietet deshalb eine recht authentische Perspektive auf die Situation vieler junger Menschen im Iran. Die schizophrene Trennung in eine „offizielle Welt“, in der oberflächlich alles nach den islamischen Gesetzen läuft, und der geheimen „inoffiziellen Welt“, in der die Leute versuchen, ihr Leben möglichst frei zu gestalten, zeigt der Film gelungen. Um sich einer möglichst realistischen Abbildung des Lebens von Kreativen im Iran sicher zu sein, hatte der englische Regisseur Richard Raymond extra die iranische Amnesty- Aktivistin Nazanin Boniadi zur Beratung bei den Dreharbeiten gebeten. Diese setzt sich seit Langem gegen die unrechtmäßige Verurteilung von Jugendlichen, Frauen und politischen Gefangenen im Iran ein. Wegen der politischen Umstände musste in Marokko gedreht werden. Casablanca „doubled“ Teheran.

Der Film erfordert eine Menge Hintergrundwissen über den Iran, um viele Szenen richtig einordnen zu können. Denn wie soll die Zuschauerin verstehen, wieso Untergrund-Partys stattfinden können, tanzen in einer Gruppe aber verboten ist? Oder wieso so viele Leute Opium rauchen? Ohne zu wissen, dass dieses im Iran-Irakkrieg eingesetzt wurde um das Leiden der Kriegsverletzten zu hindern und in der Folge tausende Süchtige hinterlassen hat. Und ohne die Information, dass im Iran (fast) alles möglich ist, wenn man nur genug Geld hat. Leider nervt auch die etwas zu schwulstig geratene Liebesgeschichte zwischen Elaleh und Afshin das ein oder andere Mal. Und auch die Drogensucht Elalehs, und ihr kalter Entzug, in dessen Verlauf sie hingebungsvoll von Afshin gepflegt wird, mag der einen oder Anderen zu viel sein. Das kratzt schon an der Schmerzgrenze: Aber Kitsch kann ja auch schön sein! Wer sich auf die wunderbaren Choreographien (des erfolgreichen Choreographen Akram Khan) und die spannenden Einblicke in die KünstlerInnen- Szene Teherans konzentriert, wird trotzdem begeistert sein. So denkt man manchmal im selben Moment: Gott ist das kitschig! Und wischt sich dabei doch die Tränen aus den Augenwinkeln.

 


Starttermin: 3. Juli 2014         

 

Länge: 98 min

 

Genre: Politisches Drama, Musik, Biographie

 

Mit: Reece Ritchie, Freida Pinto, Tom Cullen, Marama Corett, Makram Khoury …

 

Verleiher: Senator Filmverleih