Eltern ABC #13: M wie Musik

Sohn Jasper, 1, scheint sich wahllos für jede Musik zu begeistern. Einige Kinderalben findet der Chefredakteur der „Groove“ aber selbst gar nicht schlecht.

17.07.15 > Uncategorized

Sohn Jasper, 1, scheint sich wahllos für jede Musik zu begeistern. Einige Kinderalben findet der Chefredakteur der „Groove“ aber selbst gar nicht schlecht.

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Jasper klatscht. Das tut er immer, wenn er Musik hört. Sobald das Radio angemacht, eine Schallplatte aufgelegt oder der iPod eingeschaltet wird, fängt unser Sohn an, begeistert die Hände zusammenzuschlagen. Noch können wir ihn nicht fragen, aber es scheint, als würde er unvoreingenommen jede Art von Musik gut finden. Egal ob 40 Jahre alte afrokaribische Aufnahmen, zu denen ich mit ihm
auf dem Arm tanze, das letzte Panda-Bear-Album oder Mahler-Sinfonien – die Reaktion ist immer die Gleiche: Jasper klatscht. Bis zu seiner Geburt war die einzige dezidierte Kinderplatte, die sich in meiner Sammlung fand, „Soothing Sounds For Baby“: eine Platte des Komponisten Raymond Scott aus den frühen 1960ern, die ursprünglich als auditives Spielzeug gedacht war, aber als erstes
Ambient-Album in die Musikgeschichte einging. Sie wurde der Soundtrack zu meinen Wickel-Sessions mit Jasper in den ersten Monaten und ich bildete mir ein, sie würde ihn beruhigen. Aber eine Spieluhr, die „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ vor sich her leiert, hätte vermutlich den gleichen Effekt gehabt. FreundInnen und Verwandte schenkten dann weitere Kinderplatten. Die Amazon-Top-Ten der Kleinkindmusik – Nena und Rolf Zuckowski – waren glücklicherweise nicht dabei, dafür die grenzdebile Scheußlichkeit „Topfklopfer-Techno“ des angeblich in Süddeutschland populären Duos Sternschnuppe. Doch es waren auch tolle Entdeckungen darunter: Die Kinderlieder der Folk-Sängerin Ella Jenkins oder des Blues-Gitarristen Lead Belly etwa. Und auch von Ella Fitzgerald, Johnny Cash oder gar Ricardo Villalobos gibt es Kindermusik, bei der man sich als auf diesem Gebiet empfindsamer Erwachsener nicht mit Grauen abwendet. „Music Has The Right To Children“ heißt eine meiner Lieblingsplatten des schottischen Projekts Boards of Canada. Der Titel ist eine Anspielung an die Kindheitserinnerungen, die die Brüder Michael und Marcus Sandison auf dem Album reflektieren.
Jasper hat sie auch schon gehört. Er hat geklatscht.
Von Heiko Hoffmann