Wenn die Scheiße real ist

Der neue Comic von Aisha Franz erzählt die Geschichte einer persönlichen Krise als surrealen Sci-Fi-Thriller.

Von Jana Sotzko

Selma träumt schlecht: verstoßen, verwirrt, von Freund und bester Freundin verlassen, irrt sie durch eine Wüstenlandschaft, in der niemand mehr per Smartwatch erreichbar ist. Aufzuwachen ist keine Erleichterung, denn die Protagonistin von Aisha Franz‘ neuer Graphic Novel „Shit is real“ ist tatsächlich neuerdings Single, arbeitslos und umgezogen. So beginnt die Geschichte einer persönlichen Krise, fantasie- und lustvoll als surrealer Sci-Fi-Thriller erzählt.

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© Aisha Franz/Reprodukt

In Selmas perfekt durchdigitalisierter Umgebung ist für eine Depression kein Platz, sodass sie zur Grenzgängerin zwischen komplex ineinander verschachtelten Welten wird. Durch Scheiben, Spiegel und Löcher drängt sie sich in virtuelle Realitäten, an imaginierte Orte und in fremde Leben hinein. Aber auch in ihrem Alltag geht es irgendwie weiter: Der stille Zoohändler Anders heißt nicht nur so, sondern unterscheidet sich sichtlich von den fremd gewordenen Freund*innen.

shitisreal_coverAisha Franz
„Shit is real“ Reprodukt, 288 S., 24 Euro.

Für Selma wird er zum Neuanfang und Ausweg aus Isolation und Orientierungslosigkeit. Über all dem schwebt stets Saturn, Hüter der Schwelle und strengster Planet. Selmas zunehmende Leidenschaft für den Himmelskörper wird im Comic als Verweis auf historische Versuche, Trauer und Chaos astrologisch zu erklären, erzählt. Überhaupt haben auch Übersinnliches und Mythologisches ihren Platz in dieser an Ideenreichtum überquellenden Geschichte – Selmas Sinnsuche ist eben allumfassend und bei aller Traurigkeit auch immer von Neugierde motiviert. Es ist eine Freude, ihr fünf Kapitel lang dabei zu folgen und sich zwischen den Grenzen der Panel und darüber hinaus lesend zu verlieren.

Am 12. und 13. März gibt Aisha  Franz einen Comic-Workshop in Berlin. Mehr dazu erfahrt ihr auf ihrer Webseite.