Würden Sie noch einmal Mutter werden, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?

Die Studie zu #regrettingmotherhood erscheint jetzt auf Deutsch – und hat immer noch Sprengkraft.

Von Mithu Sanyal

Warum dürfen wir alle möglichen Dinge bereuen – wie niemals Mathematik studiert oder rechtzeitig mit Leichtathletik angefangen zu haben –, bloß nicht eine so unüberschaubare und unwiderrufliche Entscheidung wie das Kinderkriegen? Weil Gefühle eben keineswegs Privatsache sind, sondern kulturell geformt und gelernt werden. Und Bereuen ist eines der moralischen Gefühle, wie Schuld und Scham, und wie diese kommt es mit einem ganzen Set an Normen und Regeln. Allen voran, was wir bereuen sollen – unsere Sünden. Und was wir auf keinen Fall bereuen dürfen. Daher die Sprengkraft von #regrettingmotherhood.

@ Diane Haefner
Die Warnung: Irgendwann bereut ihr die Kinderlosigkeit und eure Katze ist nur ein Kinderersatz. @ Diane Haefner

2015 veröffentlichte die israelische Soziologin Orna Donath ihre qualitative Studie, in der 23 Frauen angaben, keine Kinder zu bekommen, wenn sie die Uhr zurückdrehen und noch einmal wählen könnten. Donath bekam daraufhin Leser*innenbriefe wie: „Diese Frauen nehmen das als Legitimation, ihre Kinder zu vernachlässigen und sie in der Badewanne zu ertränken.“ Ist es nicht das Schlimmste, was einem Kind passieren kann, nicht gewollt zu sein? Dabei stellten Donaths Interviewpartnerinnen direkt am Anfang klar, dass sie ihre Kinder lieben, aber mit der Mutterschaft unglücklich sind. Sicherlich wurde der Hashtag auch deshalb so begeistert aufgenommen, weil es schwierig ist, darüber zu sprechen, manchmal nicht überglücklich zu sein.

Orna Donath
„#regrettingmotherhood. Wenn Mütter bereuen“
Knaus, 272 S., 16,99 Euro.
Die Autorin ist im März auf Lesereise in Deutschland: 13.03. Comedia Theater (Köln), 14.03. Leibnitz-Universität (Hannover), 15.03. Literaturhaus (Stuttgart), 16.03. Radialsystem (Berlin), 18.03. theater.FACT (Leipzig).

Dahinter steckt der Glaube, dass eine Mutter für ihr Kind alles tun und sich etwa auch vor einen fahrenden Zug werfen würde. Was ja im Notfall durchaus sein mag, jedoch nicht 24/7. Doch genau das wird von Müttern erwartet. Nicht nur sollen sie die Bedürfnisse ihres Nachwuchses über ihre eigenen stellen, der Mythos geht noch wei…

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