„Meine Lächelzeit ist vorbei“

Meinungsstarke Frauen gelten oft als wütend. Wieso eigentlich? ­Erkundung eines flammenden Gefühls.

Von Anna Mayrhauser

Bahareh Sharifi und Lisa Scheibner sitzen in einem gemütlichen, ruhigen Café in Kreuzberg und sprechen über die Wut. Sharifi ist Kuratorin und organisiert Projekte im Kulturbereich, Scheibner ist Schauspielerin und Kulturwissenschaftlerin. Beide sind politisch aktiv. Gemeinsam organisierten sie mit dem Verein Bühnenwatch Interventionen gegen die rassistische Theaterpraxis des Blackfacing und diskutierten mit den Theatermacher*innen großer, institutioneller Theaterhäuser darüber. Dabei haben sie auch etwas über die Wut erfahren. Über die eigene und über die, die von außen zugeschrieben wird.

Das „Vernetzt euch!“-Team mit Bahareh Sharifi (Mitte) und Lisa Scheibner (rechts). © Kornelia Kugler

Als Aktivistin würde man von anderen oft als sehr wütend und aggressiv wahrgenommen werden, erzählt Scheibner und erklärt: „Natürlich macht es eine*n wütend, wenn rassistische Praktiken angewendet werden. Aber auch, wenn man nicht in einem wütenden Ton spricht und das Problem ruhig erklärt, hat die kritisierte Seite oft das Gefühl, angeschrien zu werden.“ Die rassistische Bühnenpraxis Blackfacing würde dann als weniger aggressiv wahrgenommen als die Kritik daran. Sharifi ergänzt: „Immer wieder kam in Gesprächen die Frage auf: ‚Warum bist du jetzt so emotional?‘“

Im letzten Jahr organisierten Sharifi und Scheibner gemeinsam mit ihrem Team die Konferenz „Vernetzt euch!“. Sie wollten nicht mehr nur über Ausschlüsse reden, sondern darüber, wie sich Aktivist*innen trotzdem im Kulturbereich organisieren und inhaltlich arbeiten. Den Impuls dafür gaben ihre Erfahrungen während ihrer Interventionen.

Die Dokumentation zur Konferenz „Vernetzt euch“ gibt es hier zu sehen.

Dass Kritik von Frauen emotionalisiert wird, ist nichts Neues. Die Vorwürfe lauten dann: hysterisch, beleidigt, wütend. Oder, dass man zu unsachlich sei, weil man persönlich betroffen ist. Solche Kategorisierungen ermöglichen es, Kritik wegzuschieben. Als wütend bezeichnet zu werden, kann diskreditierend sein – wenn sich die so bezeichnete Person in eine Rolle gedrängt fühlt, wenn sie vielleicht gar nicht wütend ist oder sich als wütend…

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