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Illegal Gender Magic

Alles New-Age-Freaks, außer Bibi? Zu Besuch bei drei Queers.

31.03.16 > DIY

„Warum werden selbstbewusste, starke Frauen immer Hexen genannt?“, fragte Lisa Simpson einst und brachte mal wieder kritische Gesellschaftsanalysen auf den Punkt. Jahrhunderte nach den mitteleuropäischen Hexenverbrennungen werden Frauen noch heute als Hexe verteufelt, wenn sie klug, laut, ermächtigt und unabhängig sind und womöglich weiß-männliche Autorität hinterfragen. Und manche, nun ja, manche sind wirklich welche.

Katze und Besen sind nicht ohne Grund Klischees von Hexenbildern © Verena Brüning

„Meine Vorstellung von Hexe ist eher europäisch geprägt“, erzählt die Heilpraktikerin und Hexe Theresa Anneken mit ruhiger Stimme. „Für mich sind das Kräuterfrauen, die auch in Kontakt mit den Heilkräften von Pflanzen gehen können. Menschen, die ein Verständnis für die Anderswelt haben, die ein Gefühl dafür haben, dass alles beseelt ist und die mit diesen unterschiedlichen Wesenheiten in Kontakt treten können. Hexenkunst hat für mich auch ganz viel damit zu tun, in die Selbst­ermächtigung zu gehen. Eine Hexe ist in dem Bewusstsein, sich ihr Leben kreieren zu können.“

Queering Hexenkunst
Wenn sie nicht gerade bei der offenen lesbischen Initiative „Rad und Tat“ berät, arbeitet Anneken in ihrer Praxis unter anderem gesprächstherapeutisch und besucht im fünften Jahr die Hexenschule. Sie ist eine von sechzehn Schülerinnen in einer reinen Frauenklasse, die von Lehrerin Tania Maria Niermeier unterschiedliche Einweihungen erfährt und Rituale erlernt. Einige überschneiden sich mit (trauma-)therapeutischen Methoden, zum Beispiel die Heilung des inneren Kindes oder das Psychodrama, das vergleichbar ist mit Aufstellungsarbeiten mithilfe von Tarotkarten. Beides dient der Bestandsaufnahme, wie der Aufarbeitung von Verletzungen.

Theresa unter hängenden Kristallen in ihrer Wohnung © Verena Brüning

An der Tür zu Annekens Friedrichshainer Wohnung klebt eine kleine Hexe auf einem Besen. Beim Betreten des Flurs begegnen mir eine graue Katze und der Geruch von geräuchertem Salbei. Mit kurzen blonden Haaren und einem warmen Lächeln steht Theresa vor mir. Hinter ihr fällt sofort der große Strohbesen in den Blick. Er lehnt im sonst ordentlichen Gang an der Ecke – sichtbar und durchdacht. Später erzählt sie mir, dass sie den Besen für Rituale nutzt, die in der Natur stattfinden. Ihre Spezialgebiete sind Geisterhausreinigungen und das Channeling, bei dem sie sich als Medium mit Geistern verbinden kann. Sie ist dann quasi eine Dolmetscherin für unerlöste Wesenheiten. Während sie mir von ihren Fähigkeiten erzählt, sitzen wir bei Milchkaffee und Nussecken an ihrem Küchentisch. Ab und zu springt ihre Katze neben die Teller und läuft auf die Fensterbank zwischen die Pflanzentöpfe und Kristalle.

Zu ihrem alltäglichen Dresscode gehören schwarze Kleidung – „eine starke Farbe“ –, ihre Armbänder und etwas Unlebendiges. Mal trägt sie etwas Totenhaar im Haar, mal einen Knochen in der Tasche, um auf dem Radar der „niedrigschwingenden Wesenheiten“ unsichtbar zu bleiben. Um ihr Handgelenk trägt sie drei Bänder, eines davon mit Mookait-Steinen.

Anneken bezeichnet sich als queer-feministische Hexe. Die Hetero­normativität, die ihr zum Beispiel im Tarot begegnen kann, codiert sie um. So sieht sie auf der Karte der Liebenden kein heterosexuelles Paar, sondern das Innere einer einzigen Person, die sowohl Maskulinität als auch Femininität in sich trägt. Eine Eigenschaft, der sehr viele nicht-binär verortete Queers Raum geben. So auch Apo.

In Konversation mit den Orishas
Als Kind von politischen Geflüchteten war seine*ihre Erziehung nicht besonders religiös. Seine*ihre Oma, Uroma und Ururoma allerdings waren Heilerinnen. Er*sie selbst gehört der afro-kubanischen Santería-Re…

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