Hammerbraut

Sonita ist ein afghanisches Mädchen, das Rapperin werden möchte. Eine Filmemacherin begleitet ihren Kampf.

27.05.16 > Film & Serien

Von Leyla Yernice

Teheran, Iran. In einer sozialen Einrichtung für traumatisierte Geflüchtete steht eine junge Afghanin vor einer Gruppe kleiner Mädchen und hält einen großen metallenen Kochlöffel in der Hand. Er ist das Mikro, mit dem Sonita vor ihren Zuhörerinnen rappt: „Hast keine Hoffnung und willst mir Mut machen. Was weißt du denn von meinem Schicksal“, während ihr die Kinder jubelnd zurufen. In der nächsten Szene folgt eine feuchte Fensterscheibe, die Sonita gerade abwischt, denn das Schicksal, über das sie rappt, ist ihr eigenes und alles andere als einfach.

DIY-Starschnitt: Sonitas Gesicht auf Lil‘ Kims Körper © Behrouz Alizadeh

Als kleines Kind ist die 16-Jährige gemeinsam mit ihrer Familie vor den Taliban aus Afghanistan in den Iran geflohen. Während ihre Mutter und Brüder wieder in der Heimat sind, lebt Sonita weiter mit ihrer Schwester und deren kleiner Tochter im Iran am Existenzminimum. Die Miete können sie sich gerade so leisten, einen Teil davon verdient Sonita als Reinigungskraft in der Einrichtung, in der sie gleichzeitig mit Pädagoginnen über ihre Fluchttraumata spricht. Es klingt wie ein hartes Los, aber Sonita ist unerschütterlich. Trotz der Erlebnisse, die sie durchmacht, hat sie einen Entschluss gefasst; sie möchte Rapperin werden. Das Problem: Ihre Familie plant, sie zurückzuholen, um sie an einen Mann zu verkaufen und zu verheiraten.

Doch Sonita lehnt sich auf. Nicht nur, weil sie als Teenager keine Lust hat, Ehefrau eines unbekannten Mannes zu werden, sondern vor allem, weil sie nicht verstehen kann, dass sie als Ware behandelt wird. Das Bemerkenswerte an ihrer Person ist ihr ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit. Dabei wirkt Sonita nie wie eine aufgesetzte oder dramaturgisch inszenierte Phönix-aus-der-Asche-Figur, sondern ehrlich, tiefgründig und auf unglaubliche Art rebellisch. Ihre oft müde erscheinende Stimme und Augen zeigen eine Person, die gekerbt ist von einer zutiefst patriarchalischen Gesellschaft, aber doch mutig genug, aus dieser auszubrechen.

Dabei stellt sie nicht nur das Rollenbild der Frau in der afghanischen Gesellschaft infrage, sondern tritt auch in einen Generationskonflikt mit ihrer Mutter. Diese möchte den Verkauf ihrer Tochter nicht verhindern, da sie sozioökonomische Zwänge über Sonitas Wünsche stellt. Nicht zuletzt benötigt sie das Geld aus dem Verkauf ihrer Tochter für den Kauf der Braut ihres eigenen Sohns. Ein Teuf…

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

Beitragsnavigation