Wellness für untenrum

Besser als Sauna – das Mösendampfbad.

Von Laura Méritt

Wenn Hollywood „Lady Steaming“ oder „Wellness für untenrum“ anbietet und dies mit der unvermeidbaren Blume als Symbol für den Intimbereich bebildert, ist eine uralte Methode zur Erbauung der Möse im Mainstream angekommen. Diese kostet jetzt 50 US-Dollar, dauert 30 Minuten und dient vor allem: der Reinigung. Damit passt das „vaginale Dampfbad“ in das von der Industrie marktwirksam als defizitär, stinkend, angespannt und nervös konstruierte Bild der Möse und letztendlich ihrer Trägerin. Diese sitzt nun auf einer Vorrichtung über einer Schüssel mit heißem Wasser, aus der Kräuterdüfte emporsteigen. Das soll den Intimbereich und die Gebärmutter reinigen, Hormone ins Gleichgewicht bringen und Nerven beruhigen.

© Stephanie Franziska Scholz

Die sogenannten Pelvic Spas sind keine Neuerfindung, sondern die Wiederentdeckung von Therapiemethoden, die jahrhundertelang angewandt wurden, um die „Erkrankung“ der Hysterie zu behandeln, ein Sammelbegriff für weibliche „Dysfunktionen“. Dazu zählte etwa, nicht auf die vorgeschriebene Art der cisnormativen heterosexuellen Penetrationspraktik zum Orgasmus zu kommen. „Hysterie“ wurde auf eine Störung der Gebärmutter (hysteria, griechisch Gebärmutter) zurückgeführt und mit Stimulation des Genitalbereichs oder eben Kräuterdampfbädern behandelt.

In der Renaissance praktizierte man etwa die „Subfumigation“: Die Patientin saß über einem Stövchen, aus dem je nach Diagnose an- oder abregende Düfte strömten. Außerdem wurde ein gelöcherter Dildo eingeführt. Im 18. Jahrhundert war man der Meinung, besser nichts einzuführen, da dies das Leiden verstärken würde. Man empfahl stundenlanges Reiten oder heftige Beckenbewegungen in einem Schaukelstuhl. Lange Reisen in der Kutsche und später im Zug mit bewusst holprigen Routen wurden eigens für die Frauenleiden ausgearbeitet und verschrieben. Im 19. Jahrhundert war Hydrotherapie angesagt, zu der Frauen in den berühmten Thermalbädern auf den Düsen saßen, sich
lokal „irrigierten“ und so ihren Hormonhaushalt in Ordnung bringen ließen. Auch heute noch lässt sich an den strahlenden Gesichtern der Frauen erkennen, wo sich die Düsen in den Bädern befinden …

Weiter zurück in der Geschichte wird das Orakel von Delphi von der Priesterin über einer heißen Spalte verkündet, aus der spezielle Düfte …

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