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Fusion Revisited: Karneval der Kulturlosen

Bis in zwei Jahren. Vielleicht auch bis nie.

05.07.16 > Körper

Von Hengameh Yaghoobifarah

Vor zwei Jahren hatte ich mir fest vorgenommen, endlich mal auf die Fusion zu fahren. Die meisten Leute in meinem Umfeld schwärmten von ihr und obwohl ich meistens dort sein will, wo Menschen nicht sind, war ich sehr aufgeregt, als ich bei der Ticketverlosung gezogen wurde. Eine Woche vor dem Event machte ich allerdings den Realitätscheck: Ich war depressiv, zwei Wochen vor meiner Bachelorarbeit-Abgabe und stellte mir die Frage, was gerade schöner wäre, als fünf Tage lang inmitten von Druffis in der Pampa zu Techno zu tanzen. Die Antwort war: so ziemlich alles. Also verkaufte ich mein Ticket und genoss das leere Berlin für einige Tage.

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Ich so im Taxi auf der Hinfahrt. © privat

(Bildbeschreibung: Selfie von der Autorin im Taxi mit aufgemalter Träne und dem Schriftzug „i made it to the cab“.)

Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass die Fusion nichts für mich ist. Weil mein Selbsthass oder einfach der Wunsch, die Welt brennen zu sehen, mich manchmal überschüttet, fuhr ich Sonntagabend in die Wursthaar-Hölle. Ja, ich wusste schon vorher, dass viele weiße Personen mit Filzhaaren das Festival besuchen würden. Schon allein die Fahrt brachte mich an meine Grenzen. In der Regionalbahn begegneten mir zwei weiße Hippies. Der eine war ein Schwede und seine zu Würsten geformten dünnen Haare lösten Mitleidsschauer in mir aus. Die andere kam aus Barcelona und sah aus wie ein Charakter aus „The Tribe“. Über seine schlechten Boxen hörten sie Reggae und fühlten sich wie Freigeister, sprachen über das Reisen und die Schönheit der Welt. Ich beschloss, sie zunächst einmal zu ignorieren und mein Ding zu machen. Als mir meine Freund*innen schrieben, dass ich mir Leute zum Taxi-Teilen suchen sollte, da die Busse nicht mehr fuhren, lachte ich bei der Vorstellung, mit den beiden zu reden, leise in mich hinein.

Der Game-Changer passierte auf dem Weg zum Klo, wo ich einen betrunkenen Nazi traf. Er fragte mich, wo der Snackautomat sei. Ich wies ihn auf die andere Seite des Zuges hin, damit er bloß nicht in meine Richtung kam. Für einen Moment hatte ich vergessen, dass die Fusion in einem Bundesland mit sehr vielen Nazis (leider wie fast alle Bundesländer in Deutschland) stattfindet und dass meine Angst vor dem Glatzkopf mit der 0,2l-Wodka-Flasche berechtigt war. Es war zehn Minuten vor Fahrtende und ich wusste, was ich tun musste.

Ich fragte die Hippies, ob sie auch zur Fusion führen (eher eine rhetorische Frage) und ob wir uns ein Taxi teilen wollten. Sie freuten sich und wollten meinen Namen wissen. Ich stellte mich als Sara (Nachtrag: der erste kulturell mehrdeutige Name, der mir einfiel – die Geschichte des Namens im Kontext Schoah hatte ich in dem Augenblick nicht parat und es tut mir Leid. Ich las den Namen aufgrund meiner eigenen Biografie – die Alternative zu meinem Namen war für meine Eltern „Zahrah“ – einfach als einen Namen, der sowohl muslimisch, als auch jüdisch oder christlich gelesen werden kann und damit eindeutig uneindeutig ist.) vor und tat so, als sei ich schüchtern, um nicht mit ihnen reden zu müssen. Ich beobachtete, wie der Typ sich mitten in der Bahn das Shirt umzog. Ich wurde auch Zeugin ihres sentimentalen Flirt-Moments. Während sie über ihre White Supremacy bondeten, murmelte er ihr zu, dass sie süß sei. Sie lächelte und in Zeitlupe näherte er sich ihr an, beugte sich über sie und ich hörte (sic!) sie rummachen. Ich starrte auf mein Handy, versuchte das Scham-Lächeln in ein „Love is Love“-Lächeln umzuwandeln, um meine Mitfahrgelegenheit zu sichern.

Endlich hielt der Zug in Neustrelitz und ich wäre am liebsten auf Rollschuhen rausgeflogen. Ich trug allerdings ganz normale Sneakers. Wir stiegen aus und trafen weitere Leute, die sich ein Taxi teilen wollten. Einer von ihnen hatte zwei kurze Dreads und ein Chelsea-Smile als Tattoo im Gesicht. Er lehnte sich schon ans Taxifenster und ich ging dazwischen, weil ich ihm nicht die Verantwortung über unsere Fahrt und unser Geld überlassen wollte. Ich machte dem Fahrer ein Angebot, das er nicht abschlagen konnte („Wie viel?“ –“50.“ –“40?“ –“45.“ –“Ok.“) und rief in die Runde: „Ich sitze vorne, mir wird sonst schlecht.“ Das war gelogen. Ich wollte einfach generell Körperkontakt oder Konversationen vermeiden. Der Schwede aus der Bahn wollte auf jeden Fall seine Musik im Taxi anmachen, ich übersetzte es dem Fahrer aber so, dass er wirklich nicht „ja“ sagen müsste. Ihm war es egal, wir waren eh fast da.

In Lärz angekommen ging ich zum vereinbarten Treffpunkt zu meinen Freund*innen. Nun konnte ich meine Feldstudie beginnen. Überraschenderweise musste ich feststellen, dass ich trotz meiner tief verankerten Aversion immer noch erschrocken war über das, was mir dort begegnete. Ja, es war schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Alle behaupten immer, man dürfe Sachen erst scheiße finden, wenn man auch dort war, und ich merkte, dass die Fusion tatsächlich besser bei mir weggekommen wäre, wäre ich zu Hause geblieben.

Neben weißen Dreadlocks, Federschmuck, Bindis und Pluderhosen ist auch dieser Hut im "I can trace my wealth back to slavery"-Starter-Pack.
Neben weißen Dreadlocks, Federschmuck, Bindis und Pluderhosen ist auch dieser Hut im „I can trace my wealth back to slavery“-Starter-Pack.

(Bildbeschreibung: Foto eines Tropenhelms, der auf einem großen Reiserucksack steht.)

Wo fange ich an? Vielleicht bei der hohen Quote von weißen Personen mit Wursthaaren. Natürlich hatte ich damit gerechnet, dass es ihre Hochburg sein würde, jedoch nicht damit, dass sie die Mehrzahl abbilden würden. Kurz dachte ich, ich sei auf einer „White Dreadlocks“-Convention gelandet. Ich fragte mich, wie viele weiße Personen mit Filzhaaren aus Deutschland eigentlich nicht zur Fusion gefahren sind. Zwei Infos hätten zum Thema weißsein und Dreadlocks weiter verbreitet werden müssen: dass es eine kolonialrassistische Praxis ist und zusätzlich einfach scheiße aussieht. Aber kann man nichts machen, fürchte ich.

Mir war klar, dass die Fusion sehr weiß sein würde. Aber so weiß? Das Verhältnis zwischen weißen und rassifizierten Personen stellte ich mir bei 80 zu 20 vor. Nicht 99 zu 1, wie es in der Realität dann war. Hinzu kam, dass ich fast alle People of Color, die mir begegneten, persönlich kannte. Diejenigen, die seit Anfang des Festivals vor Ort waren, bewegten sich emotional irgendwo zwischen Lebenskrise und Nervenzusammenbruch. „Ein Schauplatz der White Supremacy“, murmelte ein*e Freund*in und zog von einem Holzrührstab für Kaffee Ketamin, während wir nebeneinander am Lagerfeuer saßen. Vielleicht waren vor Sonntagabend noch mehr dort gewesen und zu meiner Ankunft bereits abgereist. Mehrere Tausend werden es aber mit Sicherheit nicht gewesen sein.

Warum macht er so? © privat
Warum macht er so? © privat

(Bildbeschreibung: Mehrere Personen warten vor dem Zaun auf die Shuttle-Busse. Eine weiße Person trägt ein Warbonnet.)

Ob ihre Abwesenheit wohl der Anlass dafür war, dass weiße Leute Personen of Color cosplayten? Ihre stereotypen, rassistischen Kostüme waren jedenfalls überall. Neben den Dreadlocks trugen weiße Menschen Kimonos, Kegelhüte, Oberteile mit random chinesischen Zeichen, Bindis, Saris, Federkopfschmuck, Tunnel, Turbane, Sharwals oder einzelne Federn im Haar (gerne einfach ins verfilzte Haar gesteckt). Wie Karneval der Kulturen in Berlin, nur ohne Kulturen. Wir schreiben das Jahr 2016 und bei der Mehrheit der Festivalbesucher*innen ist nicht angekommen, dass Red-, Black-, Brown- und Yellow-Facing unterste Schublade in der Garderobenwahl sind. Selbst bei Noise ist die Info bekannt. Warum ist es für so viele Leute so schwierig, ein Outfit zu finden, ohne andere damit anzugreifen? Wie wäre es mit einer Jeans und einem Shirt? Einem Blümchenkleid? Einem karierten Rock? Oder, wenn es dich glücklich macht, einem Einhornkostüm?

Ich fragte eine meiner Freundinnen, wie denn das Essensangebot so sei. Sie antwortete mit einer Gegenfrage: „Was hat die Fusion eigentlich gegen Gewürze?“ Ein Rundgang auf dem Marktplatz mit den Imbissständen bot Ansätze für Theorien: Die meisten (fast alle) Stände wurden von weißen Personen betrieben und der Geschmack war nach dem deutschen Gaumen ausgerichtet. Was an sich ja in Ordnung wäre, würden sie nicht den Exotikfaktor erzwingen. Stichwort: Black and brown food served by white people.

Exotisch können wir selber. © privat
Exotisch können wir selber. © privat

(Bildbeschreibung: Eine Hand hält einen Granatapfel.)

Während meiner Suche nach einem Snack blieb ich ungläubig vor dem Stand stehen, der laut eigenem Schild „Indianisches (sic!) Essen“ verkaufte. Wenn die Fusion wirklich so auf links und kritisch macht, warum gibt es null Sensibilität in puncto Rassismus? Wo ist hier der Unterschied zu einem Stadtfest in einer nordostdeutschen, bürgerlichen Provinz? Wahrscheinlich darin, dass die Besucher*innen des Stadtfests wenigstens ehrlich zu sich sind und gar nicht erst behaupten, antirassistisch zu sein.

Aus irgendeinem Grund hatte ich mir den Ort auch queerer vorgestellt. Zumindest zu einem gewissen Grad. Aber auch hier war ich in meiner Vorstellung über das Festival zu wohlwollend. Das lag wahrscheinlich daran, dass die meisten meiner Bekannten, die hinreisten, überwiegend queer oder of Color – oder sogar beides – waren. Stattdessen waren einfach ganz, ganz viele Cistypen dort. Auch einige von der bedrängenden Sorte. Ein Typ tänzelte über zwei Stunden um uns herum, obwohl wir ihm sagten, dass wir weder mit ihm kuscheln oder reden wollten, noch in seinem Zeichenblock seine Eindrücke vom Drogentrip anschauen wollten. „Schön … scheiße!“, schrieb er auf ein Stück Papier und hielt es vor mein Gesicht. Ich zuckte mit den Schultern und konnte mich nicht an einen Zeitpunkt erinnern, an dem mir die Gefühle eines weißen Typen egaler waren. Mit seinen zwei kurzen Dreads, der Feder in seinem Haar und seiner Teetasse aus Metall versuchte er es noch ein paar Mal, bis er endlich ging.

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Ausblick auf der gemütlichen Zugfahrt nach Berlin © privat

(Bildbeschreibung: Überfüllte Regionalbahn, in der selbst auf dem Boden kein Platz mehr ist.)

Wenigstens gegen Sexismus leitete die Orga einige Maßnahmen ein. Das „No shirt, no service“-Schild am Infopoint feierte ich sehr. Ich wünschte nur, dass oberkörperfreie Cistypen nicht als einzige Form der Rücksichtslosigkeit verstanden würden. Cool war auch, dass es kostenloses Trinkwasser gab. Allerdings aus permanent aufgedrehten Wasserschläuchen, die niemanden zum Zudrehen animieren zu schienen. Wir haben’s ja.

Ungefähr 15 Stunden später sitze ich mit meinen Freund*innen im Shuttle-Bus nach Neustrelitz. „Wir sehen uns in zwei Jahren“, hörte ich Leute beim Einsteigen rufen. (Nächstes Jahr setzt die Fusion aus, 2018 geht es weiter.) An meiner Schulter lehnt eine meiner dösenden Freundinnen und auf meiner Nase ein leichter Sonnenbrand. Ich fahre mit der Hand über mein Gesicht und spüre auf der Wange schon die ersten Stresspickel. I went to Fusion and all I got was bad skin.

  • alex

    „Niemand muss Bulle sein“ war eine Parole auf der letzten Fusion, leider findet hier das Gegenteil statt. Aufgeklärte, kulturell durchmischte Veranstaltungen findet man woanders. Das nicht alle ein Race- and Gender Studies Diplom haben ist nicht ihre Schuld: sie wollen ja frei sein und einen Urlaub vom Kapitalismus machen, tanzen und Musik hören, warum soll man sie dafür bestrafen? Waren sie wirklich rassistisch, oder unaufgeklärt? Vermute letzteres.

  • pooh

    Ein interessanter Ansatz das Festival zu betrachten, aber mir scheint dass die Autorin sicherlich mit keiner unvoreingenommener Perspektive in ihre Beobachtung gestartet ist. Ich finde Gäste in „Indianer“-Kostümen etc. auch mehr als fragwürdig in ihrer Intention. Interessant wäre daher gewesen, die kritisierten Personen direkt darauf anzusprechen um mehr darüber zu erfahren und Raum für Reflexionen zu schaffen bzw. diese direkt auf ihre Hohlköpfigkeit hinzuweisen.

    Eine Grenze, optisch keine kultur-rassistischen oder postkolonialen Klischees zu bedienen, ist glaube ich manchmal schwer definierbar. Scheint dies bei diversen äußeren Merkmalen, wie bestimmten Frisuren, Schmuck usw. leicht angreifbar ( wobei ich persönlich finde, dass man den Einzelfall differenzieren sollte), müssten jegliche musikalischen Elemente demnach ja ebenfalls kritisiert werden, sofern sie von „Weißen“ oder nicht der marginalisierten Gruppe von Menschen entstammen (z.b. Jazzmusik). Bis zu welchen Punkt aber ist diese Kritik zielführend?

    Unabhängig von dem berechtigten kritischen Text find ich es etwas gewagt, alle (insbesondere unbeteiligte) Personen unverpixelt fotografisch abzubilden.

  • Dee

    „rassifizierten Personen“?! Das soll wohl ein Witz sein? Racial awareness, und auch Bewusstsein über etwaige Privilegien sind gut und wichtig. Hier wurde allerdings SO sehr übertrieben, dass es weh tut. Ich gehe mal davon aus, dass Persons of Colour, sprich Menschen die nicht weiß sind, gemeint wurden. Mir ist bei der Ausdrucksweise ganz anders geworden.
    Ehrlich gesagt ist mir beim lesen des gesamten Berichts anders geworden. Wir haben verstanden: Die Fusion is scheiße, die Leute die dort hingehen sind ignorant, die Person die den Bericht geschrieben hat ist besser als alle anderen…

    (P.S. Ich bin Jamaikanischer Herkunft. Ich kenne die Problematik um Dreadlocks, aber mal ehrlich: Habt ihr keine anderen Sorgen?)

  • Redundanzmaschine

    Danke für diesen Einblick und der berechtigten Kritik. Trotzdem eine White Supremacy über alles und jeden zu stülpen geht mir etwas zu weit.

  • Es wäre bestimmt besser für das Verständnis eines solchen Artikels gewesen, wenn klarer argumentiert werden würde, was das Problem mit ‚weißen‘, nackten Männeroberkörpern oder dem Mischungsverhältnis von Menschengruppen auf Festivals an sich ist – Bonuspunkte wenn man auch noch etwas über die Musik erfahren würde.

    So, betrachte ich das lesen dieses Artikels als verschwendete Zeit, da der Informationsgehalt dünn ist & Frau Heng gar keine Lust hatte diesen Artikel zu schreiben, geschweige denn auf dieses Festival zu fahren.

  • Christopher Schreiber

    Dein Kommentar ist ja wohl noch unterirdischer…

  • Anna / Springstoff

    Sehen wir anders als die Autorin. Ja, wir wünschten uns, wir hätten Flyer zum Thema „Cultural Appropriation“ dabei gehabt und uns nicht jedes Mal den Mund fusselig reden müssen, aber nirgends sonst sind die Menschen so aufgeschlossen für Aufklärung und politische Bildung wie auf der Fusion. Ja, es gab viele unpassende Verkleidungen und Bemalungen, aber es gab auch verdammt viele gute Gespräche dazu. Menschen, die bereit waren für einen Dialog. Die es einfach nicht besser wussten. Die aber auch bereit waren, sich auf für sie neue Perspektiven einzulassen. Die Fusion ist eins der queersten Festivals in Deutschland. Aber wenn 80.000 Menschen aufeinander treffen, sind definitiv nicht alle cool. Es ist viel Scheiße passiert, aber auch viel aufgegriffen und thematisiert worden. Und: Wenn wir nicht auf der Fusion mit den Menschen reden, wo dann?

  • dnlbrnds

    Ich hoffe sehr, dass die Urheberin dieses Textes über die Ressourcen verfügt, über die 99% Bodenlosigkeiten hier hinwegzusehen, um den Rest sachlicher Kommentare wahrzunehmen. Falls dem nicht so sein sollte, könnte ich es selbstsorgetechnisch nicht verübeln. Ich möchte mich für den Text bedanken. Denn er formuliert aus, wie sich eine sicherlich hohe Dunkelziffer Menschen von sozialer Teilhabe ausgeschlossen fühlen. Ich komme aber nicht um die ketzerische Feststellung umhin, dass diese Mechanismen vielleicht nicht durchweg struktureller, sondern auch individueller (=psychischer) Natur sind – was erstere wohlgemerkt nicht wegdiskutieren soll. Würde man diese Determinationslogik durchziehen, wäre ja auch der „weiße cistyp“ wie jeder andere von ethischer Verantwortung entbunden. Dem man wiederum, um einen weiteren, schon angesprochenen Punkt zu nennen, diese Zuschreibung nicht einfach so zufügen sollte. Die (speziell sexuelle) Identität einer Persönlichkeit aus äußerer Erscheinung abzuleiten ist ein kleiner Gewaltakt, sorry. Man könnte zum Beispiel äußern, dass x soundso „performt“, oder so ähnlich. Allgemein finde ich es problematisch, in just dieser zeitgeschichtlichen Situation den CW-Aspekt zu betonen, denn damit spielt man der identitären Querfront in die Karten. Das ist genau das, was sie gerade wollen. (Aber das bezieht sich weniger auf den Artikel als das größere Bild.)

  • gast121212

    Ich möchte an diesem Artikel die Sprache kritisieren. Ich hinterfrage mich selbst gerne, reflektiere viel, aber hier wird ja anhand der Sprache einiges an Büchern vorrausgesetzt (wtf ist zum Beispiel bonden? was soll rassifiziert für ein Begriff sein?). Nichts für mich, als kleinen Menschen von der Straße, aber die Akademisierung ist ja allgemein ein Problem der deutschen Linken, da verwundert es nicht, wenn Nicht-Akademiker*innen da nur den Kopf schütteln.

  • medidinanana

    Love Missy, hate criticizing critical critics. Mich regt es wirklich auf, wenn Menschen aus jedem Anlass einen Grund um zu meckern machen mussen, um den Spaß zu delegitimieren und vor allem um sich als Menschen die es alles besser wisen, besser vestehen oder besser reflektieren darzustellen. Ich bin nicht weiß, ich komme nicht aus Europa und genieße auch nicht eine Teilnahme bei der White Supremacy Club. Jedoch sieht man es mir nicht an, dass ich Ausländerin bin, weil meine Herkunft sich nicht einfach auf der Farbe meines Hauts beschränkt; diesen Artikel stellt einfach fest, dass deine Wahrnehmung von komplexen Menschen viel zu oberfläschig ist. Es mag natürlich ein paar Menschen geben, die nicht über ihres Verhalten reflektieren, aber bevor du diese Vorwürfe über Ethnizität oder Sexualität machst, warum trittst du nict aus deinem Blasen aus und fragst den Menschen tatsächlich, was ihnen zur Fusion bringt? Wenn ich mich mal eine Feder in die Haare flechten lassen möchte oder gerne Filzhaaren habe und es nicht als cultural appropriation wahrnehme, heißt das nicht, dass ich eine Menschenverachtene Position vertrete. Wir leben in eine Globalisierte Welt und Vielfalt und Kulturmischung ist einfach unvermeidbar, deal with it. Indem du für Menschen anderer kulturen sprechen möchtest und sagst, dass das Verhalten von Fusionist*Innnen ihnen gegenüber angreifend ist, delegitimierst du per se die Stimmen von dieselben Menschen (die sich vielleicht darüber überhaupt keine Gedanken machen). Wirklich Schade, dass du die Festival nicht genießen konntest, weil deine kritische Kritik deinen Blickwinkel beschränkt hat. Außerdem hast du dich ein schlechter Tag ausgewählt um hinzugehen, am Sonntag trifft man immer die meisten, die nur für einen Tag da sind und drei Tage Drogen und Feiern nachholen wollen, was dazu führt, dass die Fusion nciht die geschützte traumhafte atmosphäre von den ersten drei tagen behält sondern tatsächlich ein bisschen mehr einen Straßenfest ähnelt. Nächstes mal, wenn du eine wohlgemeinte Kritik schreiben möchstest, erlebe doch lieber das ganze Festival und spreche mit den Menschen um gut begrundete Aussagen machen zu könnnen. Ein bisschen mehr Interesse zu zeigen hilft immer um für etwas zu sein als einfach nur „gegen“, „anti“ und „kritisch“.

  • Dorothee Indrasch

    Nach dem Lesen dieses Artikels, fühle ich mich als heterosexuelle Weiße als die politische Inkorrektheit in Person. Abgesehen davon, dass man Herkunft, Einstellung und Sexualität nicht am Aussehen fest machen kann, sollen die weißen Cismenschen in Zukunft lieber zu Hause bleiben, damit dein Verhältnis wieder stimmt? Sicherlich sind einige deiner Gedanken im Grundsatz richtig, aber du hast hier eine wunderbar subjektive, voreingenommene Wahrnehmung eines Festivals festgehalten.
    Ich bin dieses Festival in den 5 Tagen, die ich völlig drogenfrei dort war, übrigens nicht an einem offenen Wasserhahn vorbeigekommen. Aber vielleicht hat mich meine heterosexuelle Weißheit auch zu sehr geblendet…

  • dnlbrnds

    pardon?

  • Chris Cross

    Ganz ehrlich Leute: die Kommentare und die Literweise Scheiße, die ihr ohne Not über der Autorin ausschüttet, da sie lediglich, wie oft genug festgestellt, eine sehr subjektive Sichtweise auf das Festival schildert, sind schockierend, wirklich unangemessen böse und zum Teil zutiefst ekelerregend. Jeder Person steht es frei, jedweder Zeitung/ Blog und whatever die eigene Schilderung in Textform anzubieten.

  • Meryem B.

    Es tut mir sehr leid, dass die schreibende person hier einen so schlechten Sonntag hatte. Aber das schien sie ja nicht wirklich zu überraschen. Sei ihrer ohnehin bereits negativen erwartungshaltung und dem zwanghaften drang diesen erfüllt zu bekommen geschuldet oder vielleicht hat das auch etwas mit statistischen wahrscheinlichkeiten zu tun. es wird rein wohl noch ein bisschen dauern, bis ein kleiner ort in mecklenburg vorpommern eine gleichmäßige verteilung von menschen und culturen aller coleur aufweisen wird. gibt diesem kleinen landstrich etwas zeit. oder vielleicht machst du ja vorschläge, wie das zu beschleunigen sei. vielleicht eine ticketausgabe nach herkunftskontext?
    es gibt sehr viele festivals, unter anderen das Electronic Music Festival in Accra (https://www.facebook.com/events/502313559938631/), auf dem deine Erwatungen vielleicht schon rein statistisch gesehen nicht enttäuscht werden und die dir vielleicht dazu verhelfen könnten, eine angenehmeren Sonntag zu verbringen. Obwohl ich mir in puncto queer factor da nicht so sicher bin. ich fnde es immer schwierig einen menschen da richtig einzuschätzen, ohne mit ihm gesprochen zu haben und anhand bloßer beobachtungen und äußerlichkeiten zu mutmaßen.
    ich war am sonntag jedenfalls auch da und die fusion ist wohl für vieles zu kritisieren, das mehr sinn meiner meinung nach machen würde.

  • hummel

    liebe fusion-liebhaber_innen,
    gerade von euch hätte ich einen shitstorm mit so beleidigenden hasskommentaren tatsächlich eher nicht erwartet. die fusion möchte doch eher so ein solidarisches und respektvolles miteinander praktizieren und irgendwie dachte ich, dass leute, die sowas gut finden, nicht auf die idee kommen, solche ekelhaften sachen zu schreiben.
    wisst ihr, auch wenn es nach boomerang-logik scheint, als wäre das, was hengameh da oben schreibt „rassistisch gegen weiße“ ist es das nicht. denn so etwas gibt es nicht.
    rassismus ist eine herrschaftsstruktur (genau, wie zB. sexismus im übrigen auch), bei der es eine gruppe von menschen gibt, die gegenüber anderen strukturell und systematisch priviligiert sind. das heißt, dass sie zB. leichter an jobs kommen, wenn sie solche haben, besser bezahlt werden. das sie, wenn ihnen etwas passiert leichter an medizinische hilfe kommen, dass sie leichter an bildungsmöglichkeiten kommen etc etc. also: sie genießen die vorteile, die dieses system bereitstellt. gestützt werden solche systeme durch vorurteile gegenüber diskriminierten (d.h. alle, die diese vorurteile nicht einfach so genießen können).
    in diesem system, bzw. quasi überall auf der welt sind weiße menschen diejenigen, die solche privilegien haben. people of color (auch wenn sie nicht „die minderheit“ sind) sind diejenigen, für die es deutlich mehr barrieren in einer rassistischen gesellschaft gibt.
    ergo: rassistisch ist, was dieses herrschaftssystem reproduziert und verstärkt. somit zählen vorurteile, beleidigungen etc. etc. von people of color dazu, vorurteile und beleidigungen weißer menschen ABER EBEN NICHT.

    trotzdem kann es gemein oder nicht nett sein, weiße menschen zu beleidigen oder ähnliches. aber nicht rassistisch.
    wenn ihr das nicht glaubt, bitte befragt doch eine suchmaschine eurer wahl.

    zu cultural appropriation:
    praxis der kolonialist_innen kulturen, die sie primitiviert, ausgebeutet und um land und lebensgrundlage beraubt haben, teile ihrer kultursymbole zu nehmen, ohne sie zu verstehen, sie umzudeuten und selbst für die eigene erscheinung anzueignen.
    auch hier: der mechanismus funktioniert so, dass kulturen einerseits unterdrückt werden, andererseits teile ihre symbolik abgefeiert wird (ohne, dass sie so geachtet wird, wie es ursprünglich gemeint war). deshalb kann mensch sich zB. einen herrenanzug nicht kulturell aneignen.
    in der weißen hippieszene wird viel aus der indischen kultur entwendet, ohne dessen tatsächliche hintergründe zu kennen. das ist nicht böse oder gewaltvoll gemeint und trotzdem so wirken.

    andererseits: die punk.szene (oder die punk.kultur?) bedeutet eine absage an herrschende systeme und damit auch die herrschende kultur. es bedeutet zu sagen: ich finde das alles scheiße, ich finde die spießerkultur scheiße, ich finde den kapitalismus scheiße und ich finde andere herrschaftssysteme scheiße. ich finde eure normen scheiße. ich mach da nicht mehr mit. (natürlich funktioniert das nicht vollständig. niemensch kann einfach aus einem gesellschaftssystem aussteigen, wir bewegen uns nach wie vor in ihm, ob wir wollen oder nicht) und das symbolisiere ich dadurch, dass ich mich anders kleide, andere frisuren trage, andere musik höre und anders rede. (etc…). vielleicht auch, dass ich bewusst so aussehe, wie es so weit, wie möglich gegen eure normen geht, mir also zB. nicht die haare kämme.
    mit der hippieszene ist es ähnlich (wenn auch nicht so rotzig?)

    und hier kommt es dann zum konflikt zwischen dem, was ich aussagen will und dem, was ich aussage, ohne es zu wollen. denn bestimmte symboliken, die weiße punks_hippies benutzen, um ihre ablehnung gegen das system zu zeigen, kommen ursprünglich aus anderen kulturen und wurden von weißen entwendet und für ihre eigenen zwecke gebraucht…
    weiter schreibe ich später. so viel erstmal.

  • roarli

    ich stimme dir in dem was du schreibst fast komplett zu! allerdings hat der hier publizierte artikel mit dem inhalt der critical whiteness/whiteness studies bzw. cultural appropiation nur sehr fadenscheinig etwas zu tun.
    die autorin verneint jede dialogbereitschaft oder versucht in keiner weise leute aufzuklären, die gerade bei diesem festival sehr wahrscheinlich viel eher dazu bereit wären, als anderswo. was sie verbreitet ist vorallem intoleranz, oberflächlichkeit und hass und das kann nun wirklich keine anti-rassistische botschaft sein und wird auch niemand dazu bringen einmal selber kritisch über seine eigenen privilegien nachzudenken.

  • hummel

    chris, dein pegida-slang ist ekelhaft. du verdrehst tatsachen und stilisierst privigierte zu opfern. und „linke“, die nicht bereit sind, dass system in dem sie sich befinden und damit auch ihre eigenen handlungen zu reflektieren, würde ich nicht als solche einordnen.

  • hummel

    beeindruckend, dass du dir extra um deine hetze hier abzulassen die mühe gemacht hast, einen account anzulegen.

  • hummel

    jep, auch cis-typen stehen an oberster stelle der sexistischen hackordnung, demnach würde ich die parallele auch ziehen.
    die art und weise, wie hengameh schreibt ist natürlich nicht nett. warum dieser artikel so formuliert wurde, will ich mir gar nicht anmaßen zu analysieren: ob nun wut, taktik, beides… bla, egal. zu was er allerdings führt (und zu was die unzähligen freundlichen artikel zu diesem leider häufig nicht führen) ist aufmerksamkeit auf das thema: und zwar auch soweit, dass auch weiße menschen mal anfangen, darüber zu diskutieren. und das finde ich schon sehr viel wert.
    und das paradoxe ist: wir diskutieren hier alle, beziehungsweise kommentieren hier alle… und gleichzeitig sagt ihr, dass das ganze unwichtig und nebensächlich ist und mensch sich ja auch eigentlich mit was anderem beschäftigen sollte… und trotzdem nehmt ihr euch zeit, hier zu schreiben. yeah! vielleicht doch nicht so unwichtig?
    und -ich finde es eher immer schwierig, diskurse als unwichtig abzustempeln- aber ist es wichtiger sich darüber aufzuregen, als weiße person mal einen vor den latz bekommen zu haben und jetzt beleidigt rumzustänkern?

  • hummel

    sauber und sachlich, lol. mit beleidigungen um sich schmeißen ist nicht sauber und sachlich.
    sorry – ich hab tatsächlich nicht recherchiert, wie lange du deinen account schon hast.

  • Lou Zucker

    hallo weiße shitstormer: abgefahren, wie viel Hass und Gewalt ihr mobilisieren könnt, wenn eine Person of Color es wagt, Rassismus und Cultural Appropriation auf eurem Lieblingsfestival anzusprechen. Ich frage mich, was ihr mit der Energie alles hättet machen können. Stellt euch mal vor, ihr hättet alle eure Wut nicht gegen Hengameh sondern gegen den Rassismus in unserer Gesellschaft gewendet. Stellt euch mal vor, ihr hättet die Zeit, die ihr mit Hasskommentare schreiben verbracht habt, dazu genutzt euch gegen diesen Rassismus einzusetzen. Oder zumindest „the uses of anger“ von Audre Lorde zu lesen.
    Jedes Mal, wenn eine PoC wütend auf uns ist, bedeutet das 1. dass wir uns wahrscheinlich scheisse verhalten haben und 2. dass wir die Chance haben, etwas wichtiges zu lernen! Aber wenn ihr lieber nichts gegen Rassismus tun wollt (inklusive euren eigenen), dann hört wenigstens auf, diejenigen fertig zu machen, die etwas dagegen tun.

    https://www.facebook.com/sheclaim/posts/1874666709427516

  • bonus_bonus

    @AutorIn: Die angeblich antirassistische Rassenkunde, die Du hier verbreitest, lässt mich echt staunen. : D

    Vogelfedern im Haar und Dreads gibt und gab es im Übrigen überall auf der Welt auch wo Deine sogenannten „Weißen“ ihre Wurzeln haben.

    Du tust ja geradezu so, als hätten bestimmte Kulturen einen alleinigen Anspruch auf einen bestimmten Kleidungsstil oder bestimmte Kulturgüter.

    Wie wäre es mal damit die Menschheit als eine große Kultur zu sehen, in der alle gleichwertig sind?

    Also ich empfinde das alles als einen ziemlich verpeilten, rassistischen und faschistoiden Text. Dazu noch diskriminierend, menschenfeindlich, zynisch und in vielen Punkten unethisch.

  • bonus_bonus

    Tim bewundert heimlich Deine Sachlichkeit und Dein positives Sozialverhalten gegenüber einer Person, die eine andere Meinung hat als Du. Tim selbst ist wohl nicht so geschickt darin sachlich zu diskutieren und wertet Dein positives Verhalten durch sarkastische Ironie ab um selbst nicht schlechter als Du dazustehen.

    Tim muss noch einiges lernen, Du aber auch.

    (Und ich erst recht ^^)

  • bonus_bonus

    Sehe ich auch so.

  • Letisha

    Wie bitte, was? Dein schwarz-weiß-Denken mit deinen absurden, rassistischen Zuschreibungen sind wirklich perfide. Wie kommst du dazu, einfach zu unterstellen, dass die Menschen, die Kritik an dem Artikel äußern, weiß sind? Wie kommst du dazu jegliche Kritik an Äußerungen von POC’s zu delegitimieren? Warum stellst du den Anspruch sich selbst zu reflektieren nur an weiße und nicht an alle Menschen, sondern schreibst POCs pauschal zu, immer richtig zu handeln und zu urteilen? Auch POCs können sich scheiße verhalten und durch Kritik die Chance nutzen, etwas wichtiges zu lernen. Ich bin selbst POC, wie mein Vater und er ist ein krasser Rassist. Etwas gegen Rassismus zu tun heißt eben nicht, selbst rassistische Standards an den Tag zu legen, indem man sich nämlich nicht ernsthaft und das bedeutet nun mal auch kritisch mit Äußerungen von Menschen auseinandersetzt, die selbst potentiell von Rassismus betroffen sind.
    Die Autorin macht sehr wahrscheinlich selbst Menschen fertig, „die etwas gegen Rassismus tun“, wenn sie bspw. allen weißen Dreadlockträger*innen „cultural appropriation“ vorwirft. Statt sich auch nur ansatzweise selbst zu reflektieren, wird hier einfach mit Rassismusvorwürfen usw. um sich geworfen. Die Autorin kann hier einfach falsche Behauptungen (z.B.bezüglich der Herkunft von Dreadlocks) aufstellen und wenn Menschen diese Propaganda kritisieren, wird dies einfach abgewehrt und werden selbst beschuldigt. Der Wahrheitsgehalt und die Problematik einiger Äußerungen der Autorin werden einfach ausgeblendet und ignoriert + die Autorin wird, da POC, viktimisiert. Es darf lediglich Kritik am Rassismus der weißen Bevölkerung geäußert werden, Kritik an diskriminierenden, vereinfachenden oder schlichtweg falschen Behauptung nicht noch andere Probleme und Diskriminierungsformen in unserer Gesellschaft gibt, als ob POC nicht Teil unserer Gesellschaft wären und nicht einfach Opfer sind, sondern zum Teil auch Strukturen reproduzieren, die es zu kritisieren gilt bzw. selbst reaktionäre Bewegungen ins Leben rufen können.

    Kartoffeln, die es lustig finden, im Warbonnet rumzulaufen gehören durchaus kritisiert, aber es als rassistisch anzuprangern, dass das Essen nicht würzig genug ist, ist nun mal äußerst dämlich und relativiert tatsächlich rassistische Praktiken. Aber eurer Logik nach bin ich ein richtig schlimmer Mensch, weil ich ein geweitetes Ohrloch hab und dieser Art der Körpermodifikation nicht aus dem mir zugehörigen Kulturkreis stammt. Welcher ist das eigentlich? Der des Herkunftslandes meines Vaters oder meiner Großmutter mütterlicherseits oder muss ich mir vielmehr eine bayrische Tracht zulegen, weil mein Opa aus Regensburg stammt? Bitte klärt mich auf!

  • Letisha

    Dass Rassismus in Machtverhältnisse eingebettet ist, ist durchaus richtig. Das heißt aber nicht, dass es nur „gemein oder nicht nett“ ist, wenn Menschen (die potentiell selbst von Rassismus betroffen sind) anderen Menschen pauschal das Recht absprechen, Elemente aus Kulturen zu verwenden oder zu leben, die nicht ihrem angeblichen Kulturkreis entstammen. Die Logik ist genau so diskriminierend, wie rassistische Zuschreibungen und Vorschriften der Mehrheitsgesellschaft gegenüber POCs und gehört genauso kritisiert.

    Ich habe (bzw. musste) schon genügend ‚Hippies‘ kennenlernen, die ständig in Indien waren und sich durchaus über die Bedeutung indischer Symbole usw., die sie verwenden, bewusst sind (vielleicht sogar mehr als manche gebürtige Inder*innen).
    Übrigens habe ich mit dre Fusion nichts am Hut.

  • Letisha

    Und noch was: Die Autorin bezeichnet ihr Gebashe selbst als „reversed racism“. Das kann meinetwegen in manchen Situationen ein angebrachtes Mittel sein, um polemisch auf Rassismus aufmerksam zu machen oder Rassist*innen/unreflektierte Privilegierte auf diskriminierende Verhältnisse aufmerksam zu machen, aber in dem Fall geht es weit darüber hinaus und ist eine widerliche, menschenfeindliche Ideologie, die nun mal nicht dadurch legitim wird, dass sie sich gegen Menschen richtet, die einer privilegierten Gruppe angehören.

  • Letisha

    Ja, ich habe mich auch schon gefragt, ob ihre kulturelle Herkunft sie dazu berechtigt, ein Septum zu tragen und ob sie sich über die Bedeutung oder den Kontext dieses Schmucks bewusst ist. Aber das scheint sie nicht beantworten zu wollen.

  • Letisha

    Verpiss dich mal, du Schwanz!

  • Letisha

    Kein Anlass legitimiert sexistische Beldeidigungen! Das ist einfach nur sau daneben und ein Armutszeugnis.

  • Letisha

    Nicht wundern, wenn dein Account gesperrt wird. ;)

  • Frollein Morchen

    Liebe Hengameh,

    also mal ganz ab von dem ganzen Rassismuskram ,hätte ich dir schon vor zwei drei Jahren sagen können das so ein Festival von „Möchtegern“ Toleranz und Co nur so sprüht. Wie so viele andere große oder groß gewordene Festivals.

    Die Menschen die da hingehen, gehen da nicht hin um liberal und weltoffen zu feiern, sondern einfach um zu feiern, und Drogen jeglichen Couleur zu nehmen. Die machen sich keine Gedanken über das worüber du dir Gedanken machst.
    Passt du nicht in ihren kleinen Feierkosmos dann passt du nicht rein.

    Also ich will jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, aber ich denke
    ein Großteil von denen, weil so pauschalisieren finde ich auch immer so
    ööööhm…

    Einzig den Absatz mit dem Schweden fand ich nicht so nice, wenn auch bestimmt als Aufhänger gedacht und somit ein Stilmittel genutzt. Ich hätte mir gewünscht dass du mit den Personen versuchst ein Gespräch zu beginnen bevor du dir ein solches Urteil bildest. So stellst du dich ein bisschen auf die Stufe, derer die du kritisierst und das finde ich schwierig.

  • seecamel

    Zu den Kommentaren: Wenn Weiße als Weiße identifiziert werden, was sie gar nicht gut vertragen (wie man hier nachverfolgen kann) und die Kommentarspalte vollheulen. Geht nach Hause, backt euch ein Eis und lest vielleicht mal nach was white supremacy bedeutet, bevor ihr euch hier geistig entblößt.

    Zum Artikel: Die Polemik hat ganz offensichtlich bei vielen gezündet! Hätte ruhig noch ein Zacken schärfer sein können, auch wenn dann hier mehr Moderator*innen zum Löschen von strafrechtlichen Inhalten benötigt werden.

  • MarleyMarx

    Dieser Artikel liest sich wie eine seltsame Mischung aus spätpubertärer. infantil-spießiger Moralkeule und pseudo-aufgeklärtem Investigativreport. Ich selbst kann mit dem beschriebenem Fusion-Publikum sehr wenig anfangen, aber diese kindlich-frigide, Minderwertigkeitskomplexe-andeutende, pseudo-politaktivistische Interpretationsweise, welche sich prinzipiell gegen alles richtet, was nicht mindestens bisexuell oder eben „of colour“ ist, finde ich schon sehr realitätsfremd. Und das sage ich als „of colour“ Mann.

    Vielleicht speist sich deine starke Abneigung gegen das Fusion-Umfeld eben gerade aus der Dissonanz zwischen deiner Gender-Studies-Echokammer & LBGT-Filter Bubble einerseits und der gesellschaftlichen Realität andererseits? Ja, in der Gesamtgesellschaft (also dem Teil der Gesellschaft, welcher die 99,9% außerhalb deiner LBGT / Gender Studies Peer Group ausmacht) gibt es Menschen (auch Menschen die sich selbst als links oder progressiv identifizieren würden) denen das Bewusstsein dafür fehlt, warum ein Stand mit „indianischem Essen“ möglicherweise deplatziert sein könnte oder warum ein kolonialistischer Tropenhut bei Nachkommen von kolonialistisch terrorisierten durchaus vergleichbare Assoziationen wie ein SS-Stahlhelm hervorrufen könnte. Ja, es gibt weiße Deutsche und Schweden, die ihr Haar verfilzen lassen und sich deswegen in der Tradition von Bob Marley wähnen. Ja, nicht alle feierwütigen, Fusion-Chemoopfer besitzen die intellektuellen Kapazitäten solche Phänomene kritisch zu hinterfragen. Alles keine Neuigkeit!

    Aber in deinen Ausführungen wirkst auf mich selbst wie eine biodeutsche Blockwärtin, die mit der Absicht zur Fusion reist, um dort nachzuschauen ob dort alles mit rechten Dingen zugeht – nämlich entsprechend deiner sektiererischen LBGT / Gender Studies Ersatzreligion. Das ist einfach nur lächerlich und außerhalb deines kleinen elitären, weltfremden Paralleluniversums ließen sich solche Wahnvorstellungen wohl auch nicht dauerhaft aufrecht erhalten.

    Komme bitte kognitiv wieder in die Realität zurück, damit wir uns den tatsächlichen Angelegenheiten widmen können, wenn’s sein muss auch gemeinsam mit schwedischen Filzhaarträgern, denn die werden mir angesichts der Björn Hockes und Thilo Sarrazins dieser Welt richtiggehend sympathisch.

  • Ле Ларш

    Viele der Gefühle der Autorin kann ich teilen und spüre Gleiches auf LGBTI Partys, in Cafés oder Bars, wenn dort heterosexuelle open Mind sich abknutschen und ihre Sexualität zur Schau stellen. Es gibt genügend Räume, wo sich Heten treffen können, sie brauchen nicht unsere Räume zu sprengen. Allerdings spüre ich das Problem der kulturellen Aneignung vor allem bei türkischen Geschäftsleuten, die dann Restaurants wie Girasol, Frida Kahlo etc gründen. Maisfladen mit Huhn und Dosenmais für mexikanisches Nationalessen verkaufen wollen und noch nie mehr als 6 Wörter spanisch hintereinander gesprochen haben….

  • sdewiwosldnruehfbkcn

    Zum Artikel: Weiße Menschen mit Rastas oder Multikulti-Essen ist rassistisch? Was geht denn hier ab? Ey wir alle wollen das gleiche. Nimm deinen Stock aus dem Arsch und komme im 21. Jahrhundert an!


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