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Die Erzählerinnen

Die Filmbranche ist weiter männlich dominiert. Wie kann Vielfalt vor und hinter der Kamera gefördert werden?

25.04.17 > Beruf

Von Anna Mayrhauser

Im Theaterstück „The Making-of“ der jungen Regisseurin Nora Abdel-Maksoud, das derzeit am Berliner Maxim Gorki Theater zu sehen ist, gibt es viele absurde Szenen. In einer verzweifelt eine junge Schauspielerin, die als Regisseurin und Drehbuchautorin durchstarten möchte, an der Film- und Fernsehbranche. Nachdem sie einst als Teenie-Star von einem Regisseur zu Sexszenen genötigt wurde, will sie nun einen ungezähmten, feministischen Film mit starken Frauenfiguren drehen.

Nach ihrer Tour durch die Redaktionen und Produktionsfirmen kommt aber etwas ganz anderes dabei heraus: ein fader Vorabendfilm mit Nina Hoss in der Hauptrolle. Dann wird der „Schwedensong“ gesungen, eine Ode an die skandinavische Filmindustrie, die alles so viel besser zu machen scheint als die deutschsprachige – mit Frauenquoten, familienfreundlichen Arbeitszeiten und einer TV-Serie wie „Borgen“, bei der eine Politikerin im Mittelpunkt steht.

Nora Abdel-Maksoud nimmt in ihrem Theaterstück die Filmbranche aufs Korn. @ Jan Krattiger

Tatsächlich ist die deutschsprachige Filmbranche immer noch stark männlich dominiert. „Der Tagesspiegel“ hat vor Kurzem alle verfügbaren Daten öffentlicher Filmförderungen in Deutschland erhoben und ausgewertet. Die Bilanz: 2015 wurden 633 Filme von Männern mit 176,1 Millionen Euro gefördert, dagegen 223 Filme von Frauen mit nur 42,5 Millionen Euro. Bei deutschen Kinoproduktionen führen lediglich in 15,7 Prozent aller Fälle Frauen Regie. Der Gender Pay Gap in den Feldern Regie und Dramaturgie beträgt einer Studie des deutschen Kulturrats zufolge satte 36 Prozent.

Allerdings hat sich gerade im Bereich Regie in punkto Genderbewusstsein in den letzten Jahren einiges getan – das ist auch dem 2014 gegründeten Verein Pro Quote Regie zu verdanken, der kontinuierlich in die Filmförderpolitik interveniert. Auch innerhalb der Filmbranche gibt es großen Handlungsbedarf. Gerade die Arbeit von Drehbuchautorinnen bleibt oft unsichtbar, ihre Situation ist weniger transparent, denn viele von ihnen fungieren beim Film in Doppelfunktionen (etwa auch als Regisseurinnen) und sind in sehr prekären Verhältnissen tätig. Eine aktuelle Studie des Vereins Die Filmschaffenden zur Situation der Film- und Fernsehschaffenden geht im Bereich Drehbuch sogar von einem Lohnunterschied von 59 Prozent aus. „Geschlechterdiskriminierung“ wird von den Teilnehmer*innen der Studie als die am weitesten verbreitete Form der Benachteiligung in der Branche genannt. Dabei ist das Geschlechterverhältnis heute ziemlich ausgewogen, vierzig Prozent der Drehbuchautor*innen sind weiblich, bei den Absolvent*innen von Filmhochsch…

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