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Ein supergutes Team

Zwei Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem alleinerziehenden Elternteil zusammen. Eine Reportage.

14.06.17 > Arbeit, Inland

Von Mareice Kaiser

Es ist morgens um viertel vor fünf, in den angrenzenden Häusern sind alle Fenster schwarz. Wenn der Wecker von Ines Little klingelt, ist es noch dunkel. Der Stadtteil Köln-Kalk schläft noch, während Ines um kurz vor fünf den Kaffee neben den Computer auf ihren Schreibtisch stellt und diesen einschaltet. Dann beginnt Ines’ Arbeitstag im Wohnzimmer, das in die Wohnküche übergeht.

Aleinerziehende Familien sind die einzig wachsende Familienform in Deutschland. © Mirjam Klessmann

„Von hier aus habe ich alles im Blick“, sagt die 41-Jährige. Mit „alles“ meint sie ihre vier Kinder. Sophia, Sonia, Sarah und Felix werden von ihrer Mutter zwischendurch geweckt. Die Zeit, die sie dafür braucht, kann Ines später wieder aufholen oder an ihre Arbeitszeit dranhängen. „Das ist kein Problem, solange ich die Abgabetermine einhalte“, erklärt sie. Ihre Arbeitszeiten kann sie als Redakteurin für ein großes Medienunternehmen einigermaßen flexibel gestalten. Fünf Stunden pro Tag schreibt sie englischsprachige Texte, überarbeitet Artikel und bereitet sie für die Kund*innen des Unternehmens auf. Nachdem Felix, ihr jüngstes Kind, zur Welt gekommen war, machte Ines eine Ausbildung als Übersetzerin und begann diesen Job – allerdings anfangs noch (zu anderen Konditionen) im Büro. Diese zwei Jahre beschreibt sie heute als „heillose Katastrophe“.

Um vier Uhr aufstehen, der Fahrtweg zum Büro und – nach der Trennung vom Vater der Kinder – keine Kinderbetreuung nach dem Aufstehen. „Erst hat er sich noch morgens um die Kinder gekümmert“, erzählt Ines, „aber nachdem er mir ein blaues Auge verpasst hat, habe ich einen Schlussstrich gezogen.“ Sie belegte einen Frauen-Selbstverteidigungskurs und beantragte eine Kinderbetreuung für die Morgenstunden. Vergeblich. „In der Theorie ist das möglich, in der Praxis aber nicht“, sagt Ines aus Erfahrung.

Von den zertifizierten Betreuer*innen gab es in der Stadt Köln zu wenige – und Arbeitszeiten von fünf bis acht Uhr sind nicht gerade beliebt. Auch das „Wohnen für Hilfe“-Programm hat die Familie Little in Anspruch genommen. Bei diesem Projekt wohnen Student*innen in den Familien, die sie in der Kinderbetreuung unterstützen. „Die Kinder sind ins große Zimmer gezogen, ich ins kleine und das andere Zimmer haben wir frei gemacht“, beschreibt Ines die Kompromisse dieser Zeit. So richtig gepasst hat es nie – und die Kinder waren noch nicht alt genug, um morgens alleine zu sein. „Das haben wir ein paar Mal probiert, aber es ging immer schief“, seufzt Ines. Ihr ist es wichtig, dass ihre Kinder nicht zu viel Verantwortung übernehmen müssen. Sophia und Sonia, ihre beiden großen Töchter, sollen auch einfach pubertierende Teenager sein dürfen, statt sich darum zu kümmern, dass ihr zehnjähriger Bruder pünktlich zur Schule kommt.

Als letzte Möglichkeit schlug Ines ihrem Arbeitgeber das Homeoffice vor, in dem sie nun seit fünf Jahren arbeitet. Bis zehn Uhr, dann fährt sie zur Technischen Universität Köln, an der sie Online-Redaktion studiert. Nachdem sie ihr erstes Studium nicht beenden konnte, weil sie schwanger wurde, erfüllt sie sich nun einen Wunsch: ein abgeschlossenes Studium. Insgesamt zwei Semester trennen sie noch von ihrem Abschluss – inklusive Praxissemester. „Ich hoffe, dass ich dafür eine Ausnahmeregelung bekomme, weil ich ja nicht einfach aufhören kann zu arbeiten. Ein Vollzeitpraktikum ist für mich nicht machbar, ich muss ja weiter für unseren Lebensunterhalt sorgen“, sagt Ines.

Ines Little (MItte) und ihre Familie. © Heide Prange

Vereinbarkeit, die Herausforderung für alle Eltern, potenziert sich…

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