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Feminismus, Mental Health und Technologie

Anxiety durch soziale Medien, Sorgearbeit durch Bots und Körpertechnologien: Was ging auf dem 3hd Festival?

15.01.18 > Kunst

Von Emilie Engbirk

Vom 22. bis zum 25. November fand in Berlin das dritte 3hd Festival statt. Das Festival, das durch Podiumsdiskussionen, Performances, Konzerte und Installationen die Intersektionen zwischen unseren Online- und unseren Real-Life-Präsenzen, der Bedeutung von Gemeinschaft und Feminismus und Fragen nach Gesundheit untersucht, ist ein Projekt des Berliner Kunst- und Klangkollektivs Creamcake. Motto des Festivals dieses Jahr: „Whatever you thought, think again“. Damit rückten das Nochmaldenken, das Überdenken, das Infragestellen, das Klarstellen und Richtigstellen in den Fokus. Dieser Prozess ist häufig sehr schwierig und vermutlich nie ganz beendet. Die „korrekte“ Sicht auf Gegebenheiten wird schließlich häufig von den Gewinner*innen der Geschichte bestimmt. Was die eigene Sicht zu überdenken und für die Wahrnehmung der eigenen Wahrnehmung zu kämpfen umso wichtiger macht.

Die Installation der Emotional Labor Queen im HAU @Aiko Okamoto & Kai Yoshizawa/3hd Festival

Wir leben in einer Zeit, in der wir immer mehr unserer Zeit online verbringen. Aufbau und Pflege unserer digitalen Identität sind zusehends losgelöster von unserem Sein in der analogen Welt. Einerseits bedeutet das Freiheit und Selbstbestimmung. Aber auch diese Versprechung wollten Künstler*innen des Festivals hinterfragen: Die Studie „Tell Us How You Really Feel“, gezeigt in der Gruppenausstellung im HAU2, eine Zusammenarbeit zwischen Veranstalter*innen des Festivals und der Ärztin Anna Willert, widmete sich den Auswirkungen von modernen Technologien auf unsere mentale Gesundheit. An einem Computer konnten Besucher*innen mitmachen und die Fragen beantworten und angeben, wie es ihnen wirklich geht. Die Studie kontextualisierte mentale Gesundheit – oft als persönliches Problem geframed – als sozialen Akt. Als Politikum.

Genau darum ging es auch in der nachfolgenden Podiumsdiskussion. Missys Hengameh Yaghoobifarah moderierte und diskutierte zusammen mit der Ärztin Anna Willert, der Schriftstellerin Cleo Kempe Towers (aka Emotional Labor Queen) und der Politikwissenschaftlerin Anna Stiede darüber. Technologischer Fortschritt macht das Leben leichter, klar. Aber er kann auch zum Hindernis werden. Etwa, wenn uns die Suche nach Bestätigung auf sozialen Netzwerken in Anxiety versetzt. Oder die ständige Konfrontation mit unsensiblen Menschen uns belastet. Weil sich unsere Kommunikation online von unserer Körperlichkeit löst, kann es schwer sein, mit sich selbst im Kontakt zu bleiben, auf sich selbst aufzupassen. Anna Willert sprach außerdem darüber, dass viele Social-Media-Plattformen uns ermutigen, uns immer makellos zu präsentieren. Raum für Unperfektion bleibt kaum, als negativ empfundene Emotionen können hier oft nicht ausgelebt werden. Als sie das sagt, nicken viele der Zuhörer*innen anerkennend.

Emotional Labor Queen, Anna Stiede, Hengameh Yaghoobifarah, Anna Willert (v.l.n.r.) © Aiko Okamoto & Kai Yoshizawa/3hd Festival

Besonders für die queere Community ist das Internet jedoch wichtig. Es kann eine Plattform für den Austausch über Gedanken und Erfahrungen sein, ein Ort, um Rat und Unterstützung zu suchen, ein Safe Space, wie ihn physische Orte für viele Menschen nur selten bieten können. Auch digital bleiben allerdings Macht- und Ungleichverhältnisse erhalten. Die emotionale Arbeit, die in unserer Gesellschaft von Frauen und Femmes immer noch erwartet wird, verlagert sich jetzt auf online. Auch hier, fordert die Emotional Labor Queen: Emotionale Arbeit muss als Arbeit anerkannt werden.

Im nachfolgenden Panel „Body, Technology, Politics“ ging es um kontroverse Themen wie Geschlechter-, Macht- und Körperstrukturen in unserer Gesellschaft. Hier lag der Fokus mehr auf Körperlichkeit und Entkörperung im digitalen Zeitalter. Was bedeutet es z. B., wenn Kinder in Zukunft unabhängig von weiblichen Körpern „produziert“ werden?

Beantwortet wurden auf dem 3hd Festival nur wenige Fragen. Das war auch gar nicht das Ziel. Wenn das Festival eines schaffte, dann war es, Fragen aufzuwerfen, zu zeigen, wie wenig wir eigentlich wissen über die Bedeutung unseres Lebens online. Stattdessen regte es uns dazu an, noch einmal nachzudenken. Whatever we thought.

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