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May has cum. And so should you

Die Geschichte des Masturbationsmonats zeigt, dass Privates nicht immer privat ausgehandelt werden kann.

04.05.18 > Missyverse

Von Lisa Tracy Michalik

Sich einen runterholen, Taschenbillard spielen, die Palme wedeln, wichsen, fünf gegen eins spielen, hobeln. Die Liste der Masturbationssynonyme ist lang und alle der Ausdrücke haben neben ihrer Albernheit noch etwas gemein: Sie beziehen sich auf die Masturbation bei Menschen mit Penissen, insbesondere auf cis Männer. Die zahlreichen flachsen Synonyme bestätigen nur noch einmal mehr, dass es für cis Männer als sehr viel selbstverständlicher gilt, es sich selbst zu machen, was für Frauen, non-binary Personen und trans Männer dagegen viel stärker mit Scham und Stigma beladen ist. Dabei haben wir es einer Frau zu verdanken, dass der Mai auch der internationale Masturbationsmonat ist, ganz nach dem Motto „May has cum. And so should you“.

© Eva Feuchter

Dr. Joycelyn Elders war die erste Schwarze Frau, die die oberste Gesundheitsbehörde in den USA leitete. Doch nicht nur das. Von Beginn an entzürnte sie Republikaner*innen mit ihren progressiven Aussagen zu reproduktiven Rechten oder der Legalisierung von Drogen. Sie machte auch den Vorschlag, Schüler*innen im Aufklärungsunterricht beizubringen, dass Masturbation völlig okay, normal und gesund ist. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und Elders verlor ihren Job. Ausgerechnet der Mann, der seine Machtposition als Präsident der USA ausnutzte, um mit einer Praktikantin Sex zu haben, drängte sie zur Kündigung. Als Reaktion auf diese Ungerechtigkeit und als Kampfansage gegen geplante Verbote zum Verkauf von Sextoys ernannten die Gründerinnen der queeren feministischen Good-Vibrations-Sexshops aus San Francisco den 28. Mai zum Masturbationstag und wenig später wurde der ganze Mai zum internationalen Monat der Masturbation deklariert.

Ich weiß noch, als ich 18 war, und es zu Geburtstagen immer ein Riesengag war, dem Geburtstagskind einen Dildo oder Vibrator zu schenken. Am besten in besonders kitschigem oder hässlichem Design, ist ja alles nur Spaß. Auf die Frage hin, ob die Beschenkte denn tatsächlich auch schon Spaß mit dem neuen Geschenk gehabt hatte, folgte meist ein „Ihh, nein!“ und rote Wangen. Dass wir alle zusammengelegt haben, um einer Freundin eine Freude zu machen, weil Sextoys ganz schön teuer werden können – unvorstellbar. Warum also nicht einen ganzen Monat zum Gedenken daran, dass Masturbation schön und gesund ist, damit sich 18-Jährige ganz unironisch Sextoys zum Geburtstag schenken können, Masturbation nicht mehr als irgendwie falsch oder schlechter Ersatz für Sex mit einer anderen Person steht und es endlich socially acceptable wird zu sagen: „Sorry für die Verspätung, ich habe noch masturbiert.“


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