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Lucrecia Dalt: Haut und Heliopause

Auf ihrem Album „Anticlines“ durchdringt die Avantgardemusikerin physische Grenzen und galaktische Phänomene.

20.06.18 > Musik

Von Liz Weidinger

Bevor Lucrecia Dalt in Berlin vielschichtige Kunst produzierte, arbeitete sie als Ingenieurin der Geotechnik in Kolumbien. Ihre Faszination für Gesteinsschichten und Erdgeschichte nutzt sie inzwischen als kraftvolle Metaphern, um über die Grenzen des Menschlichen nachzudenken.

© Regina de Miguel

Der Titel ihres Album „Anticlines“ ist der geologische Name für eine besondere Art von Bodenfalte, bei der die älteste und tiefste Gesteinsschicht in der Mitte der Bodenwölbung liegt und so manchmal nach oben dringt und sichtbar wird. Dalt sagt dazu in der Mai-Ausgabe des Magazins „Wire“: „Ich habe gelesen, dass Bewusstsein durch mehrfaches Falten entsteht, bis das Innere zum Äußeren wird. Das bringt für mich diese zwei Themen zusammen.“

So heterogen und assoziationsfreudig wie die Gedanken zum Titel ist auch der Rest ihres sechsten Albums. Dalt macht nicht nur Musik, sondern führt die Soundexperimente in Theorie, Lyrik, Artwork und Live-Performance fort. Die neuen Tracks komponierte sie mit einem virtuell-analogen Synthesizer, für den sie viele neue Patches programmierte, mit Effektpedalen und ihrer Stimme. Auf etwa der Hälfte der Tracks spricht sie konzentriert und bestimmt z. B. über Haut, sich auflösende Grenzen oder die Heliopause, während es im Hintergrund aufgeregt piepst, unheimlich flirrt oder verschwörerisch brodelt. Dalts Begeisterung für Gedanken und Gehirne führt dazu, dass das Video zur ersten Single „Tar“ zu einer Internetart-Interpretation von Tropfsteinen wird.

Lucrecia Dalt „Anticlines“
(RVNG Intl./Cargo)

Das Mitlesen der Lyrics ist im beiliegenden Booklet möglich, dessen Texte in Zusammenarbeit mit dem australischen Künstler Henry Andersen entstanden sind. Die Fotos stammen von der spanischen Künstlerin Regina de Miguel, mit der Dalt schon häufiger an der Schnittstelle von Natur, Wissenschaft und Technik gearbeitet hat. Das kann auch witzig und romantisch sein: etwa wenn sie in „Edge“ zum Monster einer kolumbianischen Legende wird, das menschliche Körper aussaugt und anschließend als riesige Luftballons in den Himmel steigen lässt – um sich so vorzustellen, wie es ist, mit einer anderen Person zu verschmelzen.

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