Seitennavigation Katze , Theater
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Grabsteine aus Pappe

„Aids Follies“ laden das oft als zu leicht geschmähte Genre der Revue mit politischen Inhalten auf.

20.07.18 > , Theater

Von Toby Ashraf

Der Begriff der „Follies“ lässt sich wörtlich mit „Torheiten“, „Unsinn“ oder vielleicht sogar „Schabernack“ übersetzen. Im Theaterkontext waren die „Ziegfeld Follies“ am New Yorker Broadway zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausladend inszenierte Nummernrevuen mit Tanzeinlagen, hohem Unterhaltungswert und geringem politischen Anspruch. Johannes Müller und Philine Rinnert arbeiten seit 2010 eng zusammen und haben ihr neues gemeinsames Stück zum Thema HIV nun „Aids Follies“ betitelt und es als „Virus-Panorama“ bezeichnet. Um Unsinn geht es dabei nicht und von geringem politischen Anspruch kann auch keine Rede sein. Warum also diese Form?

Müller sieht die Revue als eine Form der Collage, ein Prinzip, nach dem die Zusammenarbeit von ihm und Philine Rinnert funktioniert. „Wir sammeln und collagieren eine große Menge an Material zu einem Thema, das uns interessiert, und stellen daraus eine revuehafte Abfolge zusammen aus verschiedenen Nummern, Musiken, Texten und Bewegungen“, erklärt er im Gespräch. Das Stück ist eine Mischung aus Auftritten und Lectures. Auf der Bühne: Popsängerin und Performerin Valerie Renay, Vokalartistin Sirje Viise, Bariton und Drag-Performer Shlomi Wagner und Schauspieler Hauke Heumann.

Natürlich habe das etwas „Polit-Theater-Mäßiges“, wenn man sein Stück „Aids Follies“ nennt, sagt Müller auf die Frage, ob ihr Projekt in der Tradition vom Aids-Aktivismus der

Transen und Tunten stehe. Ein Stück über Aids sei eben zwangsläufig immer auch politisch.   

©Philine Rinnert

Philine Rinnert erklärt in ihrem Atelier anhand eines Miniatur-Modells das Bühnenbild. Sie spricht von verschiedenen Versatzstücken und Bausteinen und versteht ihre Arbeit als „anti-dekorativ“. Nicht illustrativ, sondern diskursiv. Schwarz ist der Raum, weiß und schematisch sind die unterschiedlichen Objekte darin. Grell neonfarben hingegen das Bodenraster, das den Spielraum in den Sophiensælen absteckt. Die 1980er-Jahre sind hier visuell zurück und mit ihnen der Ausbruch des HI-Virus. „Klinisch“ und „white“ nennt Johannes…

Du kannst nicht genug bekommen? Unser Print-Abo versorgt Dich mit dem Neuesten in Sachen Politik, Pop, Debatten und Veranstaltungen! 6 Hefte für 30 Euro direkt zu Dir nach Hause. Hier geht´s zum Missy-Abo.

Beitragsnavigation