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Der Prophet ist lesbisch

Ein neuer Dokumentarfilm über die Punk-Rapperin Silvana Imam gibt einen Einblick in ihr feministisches Leben.

13.09.18 > Musik

Von Hengameh Yaghoobifarah

Der Schweiß tropft von der Decke, als Silvana Imam bei ihrem Konzert in Berlin-Kreuzberg diesen Frühling ins Mikro schreit. Rechts von ihr nieselt es auf die Spree, vor ihr bewegt sich die Menge zu ihrer Musik. Auf dem Line-up des Abends standen drei Acts, doch sie ist die, die die Energie des Raums zum Kippen bringt. Höchstens ein Drittel des Publikums versteht ihre schwedischen Texte und trotzdem geht von ihrer Botschaft nichts verloren. Dass Zeilen wie „Gott sei Dank, dass ich homo bin“ oder „Geh dein verficktes Hakenkreuz küssen“ auf feministischen und antifaschistischen Protestschildern stehen könnten, ist kein Zufall: Schwedens Celesbian (Celebrity + Lesbian) Nummer eins ist keine bürgerliche Vertreterin leerer Symbolpolitik, sondern radikal queer, antirassistisch und antifaschistisch.

© Paulina Torbjörnsen

Wer Silvana Imams Arbeit zu erklären versucht, läuft Gefahr, ihre Persönlichkeit zu vereinfachen. Ihre Kampfansagen an Nazis, aber auch ihre Wertschätzung für Mode und Glamour, ihre politischen Analysen, ihr Humor sowie ihre Sanftheit, die Silvanas Vater in

einem Brief an sie mit einer Jasminblüte vergleicht, machen sie aus. Die Rapperin vielschichtig darzustellen ist den drei Filmemacherinnen Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis gelungen. Diese begleiteten die Musikerin von 2014, als sie noch als Undergroundkünstlerin galt, bis ins Jahr 2016.

Nun läuft die Dokumentation, die ihren Namen trägt, auch in Deutschland und gibt einen komplexen Einblick in das Leben der feministischen Punk-Rapperin. Anstatt auf die Illusion eines vermeintlichen Dialogs zwischen reaktionären Gesellschaftsteilen und Marginalisierten zu setzen, weigert sie sich, mit Menschen zu sprechen, die nicht einmal ihre Existenz respektieren. „Mir gaben andere Leute sehr früh zu verstehen, dass ich nicht normal sei oder nicht dazugehöre“, erzählt sie mir beim Soundcheck, einige Stunden vor dem Konzert, für ein Interview. „Diese Erfahrungen prägen auch meine Texte. Jedoch habe ich eines ge…

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