Wellenreiterinnen

In Meg Wolitzers neuen Roman trifft eine Second-Wave-Aktivistin auf eine eine ehrgeizige Millenial.

Von Sonja Eismann

Zeiten ändern sich. 2012 ärgerte sich die US-amerikanische Schriftstellerin Meg Wolitzer in der „New York Times“, dass Bücher von Frauen immer noch auf die hinteren Regalplätze – „The Second Shelf“, so der Titel ihres Essays – verbannt würden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die 1959 in Brooklyn geborene Autorin bereits neun Romane veröffentlicht, doch die große Aufmerksamkeit für gesellschaftspolitisch „wirklich“ wichtige Themen bekamen stets die männlichen Kollegen. Texte über Eltern und kleine Kinder, am besten noch vom Verlag mit einem Titelbild à la „flatternde Wäsche auf einer Leine“ garniert? Sentimentaler Frauenkram – es sei denn, Männer schreiben über genau diese Themen und heißen Cormac McCarthy oder J.S. Foer. Vergleiche man die lieblichen „Frauenbücher“ mit den Mitten-ins-Gesicht-Cover männlicher Autoren, die oft aus schlichten geometrischen Formen und erhabenen Jumbo-Lettern bestünden, sei klar, dass damit signalisiert würde: Dieses Buch ist ein Event – und genau dies wurde Wolitzer auch von einer Verlagspressefrau bestätigt.

Doch dann erschien 2013 Wolitzers zehntes Buch „The In-terestings“ über die Lebensläufe von sechs amerikanischen Freund*innen und deren Umgang mit Erfolg und Misserfolg –

und wurde ein krachender Bestseller. Auf dem Cover des Buchs: ab-strakte Streifen und Schrift.

Nun liegt Meg Wolitzers elfter Roman „Das weibliche Prinzip“ vor, der von ihrem Verlag mit noch abstrakteren Streifen und noch größerer Schrift auf dem Titel vermarktet wird. Sein Thema: die Auseinandersetzungen zwischen feministischen Generationen. Was vor wenigen Jahren wohl noch an einen feministischen Special-Interest-Verlag ausgelagert worden wäre, erfährt jetzt, nach von weiblichem Personal dominierten Megasellern wie Elena Ferrantes Tetralogie oder „Die Gabe“ von Naomi Alderman, aber auch #MeToo,Women‘s Marches und „We Should All Be Feminists“-Shirts, eine ungeteilte, nicht mehr nach Gender segregierte Aufmerksamkeit. Zwischen 2012 und 2018 ist viel in Bewegung geraten, aber auch das passiert, was sich in zwei Namen zusammenfassen lässt: Donald Trump und Hillary Clinton.

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