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Die Kunstgeschichte justieren

Die Künstlerin Natalie Häusler im Interview.

18.09.18 > Kunst

Interview: Lena Völkening

Als Inspiration für deine Ausstellung hat u. a. der „Rosenroman“ aus dem 13. Jahrhundert gedient. Wie Frauen darin dargestellt werden, hat eine Debatte ausgelöst. Wie kamst du auf das Thema?
Natalie Häusler: Der „Roman de la Rose“ ist ein langes Gedicht aus dem Mittelalter, das in die Kunst der Liebe einführen sollte. Dieser Text hat die Schriftstellerin und Philosophin Christine de Pizan dazu veranlasst, bereits 1399 eine der ersten Formen feministischer Literaturkritik zu formulieren – in Gedichtform und mit einem eigenen Buch. Ich mag diese Art der produktiven Interaktion mit den Texten anderer. Ich habe die Verwendung von Personifikationen aus dem „Roman de la Rose“ in einem Environment aufgegriffen, das sich aus weiblicher Perspektive mit verschiedenen Geisteszuständen auseinandersetzt.

Collage Missy Magazine/Ivo Faber

Eine andere Kunstinstallation bezieht sich auf die Geschichte von Batseba. Was ist deine neue Version dieser Geschichte?
Diese Geschichte aus dem Alten Testament wurde oft in der Kunstgeschichte dargestellt. Im biblischen Originaltext hat Batseba eine betont passive Rolle, ihre Figur jedoch führt zu radikalen Veränderungen in der Geschichte. Ich habe eine Art Fantasy/Sci-fi-Version geschrieben, in der sich Batseba, statt eine Affäre mit König David zu beginnen, dafür entscheidet, zum Grund des Pools zu tauchen, in dem sie badet. Während König David am Rand des Pools wartet, taucht sie unter und findet sich auf unerklärliche Weise in der Orangerie in Paris wieder, einem speziell für die Ausstellung der Seerosen von Monet angepassten Museums. Batseba taucht auf und ab zwischen Pool und Museum.

Warum hast du die Geschichte neu erzählt?
Es ist für mich eine Art, an der scheinbaren Kontinuität der Kunstgeschichte zu justieren, historisch immer wieder auftauchende Motive aufzugreifen und in genau diese bereits festgesetzte Erzählung erneut einzugreifen. Dieser Rückgriff verstärkt durch die merkbare Veränderungen der Konventionen im Laufe der Zeit den Kontrast zur Gegenwart. Das hilft mir dabei, differenzierter über aktuelle Fragestellungen nachzudenken.

Deine Ausstellung ist thematisch sehr vielfältig. Was ist der Grundgedanke?
Ich habe den ummauerten Garten als Motiv und imaginären Ort gewählt, um verschiedene eigenständige Arbeiten gedanklich und räumlich miteinander zu verbinden. Ich verwende das Environment als Medium, um einen organischen Austausch zwischen einer Vielzahl an Erzählsträngen und formalen Entscheidungen herzustellen. Die*der Betrachter*in bringt die einzelnen Arbeiten dann gedanklich und körperlich selbst in Beziehung zueinander, indem sie*er sich in diesem Raum bewegt.

Wie kamst du auf den Ausstellungsort?
Die Kuratorin Anna-Lena Rößner hat mich kontaktiert und wir haben uns zuerst in meinem Atelier in Berlin getroffen. Wenig später habe ich erstmals die besondere Architektur des KIT in Düsseldorf gesehen. Der 800 m2 große unterirdische Tunnel neben dem Rhein hat mich sofort fasziniert.

Natalie Häusler, „Honey“ bis 23.09., Düsseldorf, KIT – Kunst im Tunnel.
Mehr Infos  und Einblicke in die Arbeit der Künstlerin gibt es auf nataliehaeusler.de.

Die Ausstellung ist in Düsseldorf, aber du bist Berlinerin. Wie viel Berlin steckt in der Ausstellung?
Ich bin in München geboren, im Allgäu aufgewachsen und lebe schon seit einigen Jahren in Berlin. Berlin ist deshalb die Basis vieler meiner Arbeiten, ich entwickele jedoch vieles auf Reisen. Vor einem Jahr habe ich in Kanada begonnen, an der Ausstellung „Honey“ zu arbeiten, und große Teile in Los Angeles entwickelt. Die Produktion der Skulpturen fand in Berlin, Bielefeld und im Allgäu statt. Somit sind viele Orte mit der Ausstellung verknüpft.

 Warum heißt die Ausstellung „Honey“?
„Honey“ öffnet verschiedene Assoziationen. Zugleich Kosename und Symbol mit Bezug zu Natur und Ökologie verbindet dieses Wort viele in der Ausstellung verwendete Thematiken. Ich habe es zuerst in einer Anekdote von Lacan gefunden, in der er von der Erfahrung des Honigessens im Bett spricht: „Honey is either very hard or very fluid. If it’s hard, it is difficult to cut, since there are no natural breaks. If it’s very liquid, it is suddenly all over the place – I assume that you are all familiar with the experience of eating honey in bed at breakfast time.“

Das Interview wurde schriftlich geführt.

 

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