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Webkunst 2.0: queer, nicht westlich, of Color

Nach dem Call for Entries für Web Residencies sind jetzt vier interessante Projekte entstanden.

18.09.18 > Kunst

Von Lisa Tracy Michalik

Im Juli haben wir den Call for Web Residencies by  Solitude & ZKM „Refiguring the Feminist Future“, kuratiert von Moreshin Allahyari, präsentiert. Das Besondere hierbei war, einen neuen feministischen Fokus in der Webkunstszene zu legen: queer, nicht westlich, of Color.

© Umber Majeed, In the Name of Hypersurface of the Present

Nun sind bei der Web Residency vier spannende Projekte von vier interessanten Künstler*innen mit unterschiedlichem Background entstanden: Luiza Prado, Rasheedah Phillips, Umber Majeed und Tesia Kosmalski. Die Künstler*innen hatten freie Hand, von verschiedenen Formen der Netzkunst über Onlineinteraktionen oder Webskulpturen war alles möglich, solange die Arbeit bestehende Narrative und Historien durch Storytelling und Gegennarrative hinterfragt. 

Kolonialisierten Menschen wird ständig Exzess unterstellt: Es gäbe zu viele von ihnen, sie seien zu sexuell, zu fruchtbar. Diese eurozentristischen Konzepte von Körper, Wissen, Subjektivität und Gemeinschaft prägen den Diskurs um den vermeintlichen Exzess von Menschen aus dem globalen Süden. Mit „All Directions At Once“ hat Luiza Prado aus Brasilien ein GIF-Essay geschaffen, welches sich mit der Hierarchisierung von Körpern durch weiße, westliche und heteropatriarchale Strukturen befasst und erkundet, wie Solidarität und Widerstand gegen ebenjene Strukturen Gestalt annehmen können.

Wie können positive Zukunftkonzepte und nachhaltige Technologien entwickelt werden, von denen insbesondere einkommensschwache, schutzlose und marginalisierte Schwarze Communities profitieren und die die negativen Technologien wie Big Data und Überwachung ersetzen können? Bei diesen Fragen nimmt Rasheedah Phillips in ihrem Projekt „The Future(s) Are Black Quantum Womanist“ besonders die einzigartigen, intersektionalen Erfahrungen von Schwarzen Mädchen und Frauen in Betracht: wie sie aktiv von der linear erzählten Zukunft der USA gelöscht werden. Das Projekt ist ein interaktives, afrofuturistisches, open-access Archiv, angelegt als nicht lineare Timescape, temporäre Karte und „Werkzeugkasten“ und ausgestattet mit den temporären Technologien, die Schwarze Frauen und Mädchen entwickelt haben. Dazu zählt Phillips beispielsweise das Schreiben, die Musik und die Kunst Schwarzer Mädchen und Frauen. 

Grünes Licht, explodierende Blumen, ein phallischer Kegel und Poesie auf Urdu – das alles verbindet Umber Majeed in einer Animation. Es ist eine spekulative Fiktion über die feministische Historisierung Pakistans als der erste „muslimische Nuklearstaat“. Für das vielschichtige Projekt „In the Name of Hypersurface of the Present“ wurde Fotomaterial aus dem Archiv von Majeeds Großvater mit Material aus staatlichen Archiven, Symbolen und Narrationen des patriarchalen Staats miteinander verbunden. 

Wie könnte eine synthetischere biologische Welt aussehen? Dieser Frage geht Tesia Kosmalski in dem Projekt „Chronicles of a Moss Woman“ nach. Der medizinische Diskurs ist stets auf den cis-männlichen Körper ausgerichtet. Das führt dazu, dass gesundheitliche Probleme und Schmerzen von Frauen im medizinischen Kontext oft nicht ernst genommen werden. „Chronicles of a Moss Woman“ zeigt anhand von Fotomontagen, Collagen, Gedichten und GIFS die Reise einer Frau zu einer von mit Moos bedeckten vulkanischen Insel in der Hoffnung, dort mithilfe des Mooses eine schmerzhafte Skelettkrankheit heilen zu können.

Taucht auf den einzelnen Projektwebseiten in die Webkunst ein und lasst euch inspirieren. Wer jetzt direkt Bock hat, selbst tätig zu werden, kann sich freuen: Das gemeinsame Projekt von Akademie Schloss Solitude, Stuttgart und ZKM | Zentrum für Kunst und Medien ruft drei Mal im Jahr Web Residencies aus und die nächste ist schon in den Startlöchern!

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