Auf der anderen Seite

In ihrem Film erzählt Mila Turajlić nicht nur die Geschichte ihrer Familie, sondern auch die Serbiens.

15.11.18 > Film & Serien

Von Elisa Aseva

Es ist ein eindringliches wie zärtliches Filmporträt der Regisseurin Mila Turajlić über ihre Mutter, die serbische Aktivistin und Mathematikprofessorin Srbijanka Turajlić. Darin gibt sich das Politische im Privaten und das Persönliche im Politischen zu erkennen.

© JIP Film & Verleih

Die Erzählung nimmt ihren Ausgang mit einer verschlossenen Türe in der Belgrader Wohnung der Familie Turajlić – ein Ergebnis der Teilung der einst großbürgerlichen Räumlichkeiten kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch die machtübernehmende kommunistische Partei unter Tito. Dem Prinzip einer Babuschka folgend, jedoch in umgekehrter Richtung, entfaltet der Film sodann aus der verzweigten familiären Biografie der Turajlićs heraus ein Panorama der jugoslawischen und postjugoslawischen Historie des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Die andere Seite von allem – Eine politische Geistergeschichte
RS/FR/QA 2017. Regie: Mila Turajlić, 104 Min., Kinostart: 15.11.

Srbijanka Turajlić richtet einen wehmütigen, aber auch schonungslosen Blick auf den Zerfall der ehemaligen Sozialistischen Förderativen Republik Jugoslawien, die zivilisationszersetzenden Jahre unter dem autoritären Machteinfluss von Serbodan Milošević und ihren eigenen politischen Kampf innerhalb der demokratischen Widerstandsbewegung. Der Krieg mag vorbei sein, so konstatiert sie bitter, doch von der Realität einer progressiven demokratischen Moderne sei der Nachfolgestaat Serbien weit entfernt.

Am Ende wird die verschlossene Türe nach siebzig Jahren erstmals geöffnet werden – ein stiller Moment und zugleich eine Erinnerung, dass allein der Glaube an die Offenheit alles Zukünftigen uns durch die Geschichte zu tragen vermag.

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