Die Strasse auf dem Laufsteg

High Fashion wird nicht mehr von oben diktiert. Nun kommen auch die ehemaligen Underdogs zu Wort. Oder nicht?

29.11.18 > Mode & Beauty

Von Sonja Eismann

Mode, dieser elitäre Luxusdampfer, ist in den letzten Jahren ein Musterbeispiel an Demokratie geworden. So wirkt es zumindest: Denn was im Zeitalter der Industriellen Revolution begann, als erstmals größere Mengen an Konfektionsware maschinell produziert werden konnten, und sich dann mit dem Siegeszug der Pop- und Konsumkultur ab den 1950er-Jahren mit massengefertigter Kaufhaus- und Supermarktmode über den gesamten Globus verbreitete, hat nun im Zeitalter von Social-Media-Influencer*innen und Fast Fashion scheinbar seine Vollendung gefunden. Aktuelle Mode ist hier für (fast) alle Menschen ständig verfügbar. Sie ist nicht mehr nur einer reichen Elite, die sich die neuesten Modelle für teures Geld schneidern lassen kann, vorbehalten. Auch das distinktive Wissen über neue Trends, das früher nur begrenzt zirkulierte und von Expert*inneninstanzen wie einflussreichen Moderedakteur*innen kontrolliert wurde, ist heute im Netz mit einem Fingerschnippen abrufbar – und modellierbar von Influencer*innen, die jenseits etablierter Modemedien arbeiten.

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Diese Entgrenzung verändert auch die – nach wie vor milliardenschwere – Luxusmodeindustrie. Wenn immer mehr Menschen Zugang zum Modegeschehen haben

und dieses kommentieren, bleibt es nicht aus, dass sie sich auch repräsentiert sehen wollen. Daher gab es in der bis dato nicht gerade für vielfältige Körperbilder bekannten Branche in den letzten Jahren bekanntlich einen Diversitätsboom, bei dem nun auch z. B. vermehrt People of Color, ältere Menschen, nicht-binäre Personen, dicke Menschen oder welche mit sichtbaren BeHinderungen als (Role) Models ins Rampenlicht traten. Einen Artikel darüber, wie Soziale Medien den Elitismus der Modeindustrie dekonstruiert haben, lässt die südafrikanische Unternehmerin Zoe Msutwana mit dem Fazit enden, nun hätten auch „normale“ Leute ihren rechtmäßigen Platz in den Mode gefunden. „Dank Social Media ist die Welt der Mode nun ein glücklicher, zugänglicher und inklusiver Ort. Plötzlich fühlt sich Mode wie zu Hause an.“

Dass Mode, die in der Vergangenheit regelmäßig für ihre Abgehobenheit kritisiert wurde, nun näher an die Masse ihrer potenziellen Träger*innen gerüc…

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