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Why don’t you talk to me?

Mit Rechten reden? Ein subjektiver Rückblick auf eine ­folgenreiche Debatte.

30.01.19 > Inland

Von Hannah Schultes

Am Anfang war das Reden über das Reden. „Wir müssen wieder stärker über wirtschaftliche und soziale Fragen reden. Zuletzt lag aus meiner Sicht der Fokus sehr auf Minderheiten- und Feminismusthemen“, kritisierte im September 2018 der Sozialdemokrat Nils Heisterhagen in „Die Welt“. Viele Beiträge aus der Linken rund um die Frage nach den Ursachen des Rechtsrucks und des Erfolgs der AfD schlugen in den letzten drei Jahren einen ähnlichen Ton an. In den Argumentationen der Wortführer der Debatte gab es natürlich auch Unterschiede und es wurde Unterschiedliches daraus geschlossen. Fragwürdig daran war aber bereits die häufige Konstruktion einer Mehrheit, die angeblich rein ökonomische Anliegen besitzt, und einer Minderheit, deren Anliegen rein kulturell seien. Unter letzteren Begriff fielen auch feministische Positionen.

Viele Linke verstanden das Rechtswählen in erster Linie – oder ausschließlich – als Reaktion auf Deklassierungserfahrungen. Das traf sich mit dem generellen – und richtigen – Anliegen, den Klassenwiderspruch in die linke Debatte zurückzuholen. Die Forderung, mit deklassierten AfD-Wähler*innen zu reden, wurde dabei oft als Kritik an einer Linken formuliert, die, als mittlerweile mehrheitlich aus der Mittelklasse stammende politische

Kraft, keine lebensweltlichen Bezugspunkte mehr zur Arbeiter*innenklasse aufweise.

Was passiert aber nun, wenn man mit Rechten redet? Ein Freund von mir hat das neulich im Internet getan. Gesprächsanlass waren Beschimpfungen von rechter Seite. Der westdeutsche Mann, der das sprach, war außerdem der Meinung: „Wir können nicht jeden aufnehmen, das endet sonst blutig.“ Der Mann war mit Fürsorgearbeit für Verwandte überlastet, äußerte Angst und Wut auf Merkel. Über die „richtig guten“ Argumente, die ihm ausnahmsweise einmal von linker Seite entgegengebracht worden seien, wolle er nun nachdenken. Seine täglichen rassistischen und misogynen Posts auf seinem Social-Media-Profil stellte er nicht ein, was in der Debatte ums Reden mit Rechten oft außen vor blieb. Ein punktuelles „Mit Rechten reden“ ist alles, aber kein politisches Programm gegen rechts, wenn es auf der Ebene der Organisierung keine Entsprechung besitzt.

Die neue, r…

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