Seitennavigation Katze , Theater
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Alle Augen sehen Dich

Nein, die Theaterbühne ist kein Safer Space.

15.02.19 > , Theater

Von Paula Perschke

Luise Miller wird in Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ von ihrem besitzergreifenden Geliebten Ferdinand mit Limonade vergiftet. Die arme Marie wird von crazy Ex-Lover Woyzeck in Georg Büchners gleichnami- gem Drama im Eifersuchtswahn erstochen. Und auch Ödön von Horváths Frauenfiguren müssen einiges erleiden, um in dessen hochdramatischen Kammerspielen überhaupt mitreden zu dürfen. Denn eigentlich reden die Männer die meiste Zeit über jene „Fräuleins“. Besser noch, Väter und po- tenzielle Ehemänner vereinbaren einen Deal, und los geht’s auf die Höllenfahrt der chronischen Verzweiflung.
Für die Frauenfigur im klassischen Theatertext (aka Schullektüre) ist Selbstmord ein beliebter Ausweg aus der Handlungsunfähigkeit. Ein emanzipatorischer Akt, für den sie allerdings selten gefeiert wird.

Über solche Erzählstoffe schütteln theaterliebende Feminist*innen heute längst die Köpfe. Allerdings werden jene bereits tausendfach gespielten, altbewährten Texte noch immer als unverzichtbare Grundlage für junge Schauspielschüler*innen verstanden. Leiden muss die Frau, bestraft soll sie werden, vor allem wenn sie liebt oder (schlimmer noch) wenn sie sich der heterosexuellen Liebe entzieht. Da Gewalt also großer Bestandteil zahlreicher (auch aktueller) Bühnentexte ist, liegt es nahe, dass diese regelmäßig in theatral inszenierter Form zu sehen ist. Erinnern wir uns jüngst an Björn SC Deigners „In Stanniolpapier“ am Deutschen Theater Berlin in der Regie von Sebastian Hartmann, in dem sexualisierte Gewalt auf der Bühne stark ästhetisiert dargestellt wird.

Schauspielerinnen sind es gewöhnt, auf der Bühne möglichst schön zu sterben und nur selten das letzte Wort zu haben. Das große Drama wird als hohe Kunst verkauft, das (männliche) Genie kann schließlich nur im Wahnsinn richtig aufgehen. Sich in Rage zu spielen wird von Kolleg*innen befeuert, es soll ja möglichst authentisch aussehen. Siehe Klaus Kinski, der bis heute nahezu kultisch verehrt wird. Daran änderte auch die 2013 erschienene Autobiografie seiner Tochter, der Schauspielerin Pola Kinski, nur wenig, in der sie den jahrelangen sexuellen Missbrauch durch ihren Vater schildert.

©Vlah Dumitru

Ein Abend in Berlin. Die Schauspieler*innen Emma* und Mona* erzählen von den gewaltvollen Übergriffen, die sie in ihrem Arbeitsalltag erlebt haben. Emma berichtet von einem aktuellen Vorfall: Sie un…

Du kannst nicht genug bekommen? Unser Print-Abo versorgt Dich mit dem Neuesten in Sachen Politik, Pop, Debatten und Veranstaltungen! 6 Hefte für 30 Euro direkt zu Dir nach Hause. Hier geht´s zum Missy-Abo.

Beitragsnavigation