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Lafawndah konfiguriert Pop neu. Ihr Debütalbum „Ancestor Boy“ reibt sich an Geschichte, Gesellschaft und herkömmlichen Gewohnheiten.

22.03.19 > Musik

Von Nadine Schildhauer
Fotos: Mathilde Agius

Pop ist nicht gleich Pop. Die Produzentin Yasmine Dubois schafft sich als Lafawndah seit vier Jahren ihre eigene Nische mit einem Sound, der Publikum und Label gleichermaßen herausfordert. „Ich hätte auch einen einfacheren Weg gehen können, aber ich bin wirklich enthusiastisch, etwas von Grund auf neu zu bauen, das mehr Zeit braucht“, erzählt Dubois im Gespräch mit Missy. Im Zuge ihres Labeleintritts bei Warp und der Veröffentlichung ihrer zweiten EP „Tan“ vor zwei Jahren wurde die in Teheran geborene Dubois von der Musikpresse als eine der vielversprechendsten Nachwuchskünstlerinnen gehandelt. Auch soundtechnisch war „Tan“ ein Riesensprung im Vergleich zur 2014 erschienenen selbstbetitelten Debüt-EP, die Dubois auf der französisch-karibischen Insel Guadeloupe mit dem Zouk-Pionier Jean-Claude Bichara und ihrer guten Freundin, der Singer-Songwriterin Emily King, aufgenommen hatte. Damals manipulierte sie die Sounds und Beats des tempogeladenen kreolischen Zouk und schuf so eine psychedelische Mischung aus Summen, elektronischen Beats und effektgeladenen Vocals.

Mit „Tan“ hingegen legte Dubois den Grundstein für ihren vom Beat her gedachten Sound, in den sie ihre Stimme gleichberechtigt einflicht. Diese changiert mühelos zwischen sanftem Alt-Pop, bedacht intoniertem Stakkato-Sprechgesang und leidenschaftlich gehetzten Shout-artigen Gesangsparts. Dubois’ Stimme agiert zuweilen funktional wie ein Instrument, an anderer Stelle überrascht glasklarer Gesang über poppigen Beats.
Ihr Debütalbum „Ancestor Boy“, das nun erscheint, hat Dubois mit ihren

Freunden Nick Weiss von Teengirl Fantasy, dem Mitgründer des Londoner Labels Night Slugs James Connolly alias L-Vis 1990 sowie dem auf dem multidisziplinären Musiklabel PAN gesignten Aaron David Ross aufgenommen. Wie bei „Tan“ begannen die Vorarbeiten zum Album auf Fire Island vor der Küste New Yorks, einem Ort, an dem die wohlhabendere LGBTIQ-Community den Sommer verbringt. „Der Kern, die akustische DNA, entstand innerhalb eines sehr kompakten Zeitraums von etwa drei Wochen, in denen ich 14 Stunden täglich im Studio arbeitete“, erinnert sich Dubois.

Diese Aufnahmepraxis spiegelt sich auch in Lafawndahs Sound wider, in dem popkulturelle Einflüsse nur noch zu erahnen sind. Diverse Genrebezüge fließen ineinander zu einer kohärenten voluminösen Soundkulisse aus traditioneller Folklore, Percussions, Handtrommeln und elektronischen Beats, Cello, Bässen, Trompeten, R’n’B-Anleihen und Dubois’ sinnlichem Gesang. Dieser erhält zudem Unterstützung von Sänger*innen wie Bonnie Banane, Julie Byrne, Kelsey Lu…

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