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Unter weissen Kitteln

Diskriminierung und Rassismus machen auch im Kreißsaal nicht vor den Betroffenen halt. Eine Reportage.

08.04.19 >

Von Valerie-Siba Rousparast
Fotos: Heide Prange & Mirjam Klessmann

Julia ist zwanzig Jahre alt, als sie ihr Kind zur Welt bringt. Sie ist als Schwarze Frau in Deutschland aufgewachsen und geboren, der Vater ihres Kindes ist nach Berlin geflüchtet. In einem Berliner Krankenhaus werden sie nicht ernst genommen, stattdessen mit Fragen bedrängt, ob der Vater des Kindes sich durch die Elternschaft eine Aufenthaltsgenehmigung sichern wolle. Nach der Geburt bezeichnet die Hebamme bei der Nachsorge Julia und den Vater des Kindes mit dem N-Wort. Zusammenleben kann das Paar nur illegal, denn der Vater hat keine deutschen Papiere. Das Geld ist knapp, da Julia offiziell als alleinerziehend gilt, das Geld in der Realität aber für drei Personen reichen muss. Dann folgen die ersten rassistischen Kommentare über das Aussehen ihres Kindes. „Der Körper meines Kindes war ständig Thema“, erinnert sich Julia. Sie fragt sich nun erstmals, ob die Situation anders wäre, wenn sie weiß wären, nicht-migrantisch und beide mit Papieren in Deutschland leben würden.

Das erzählt mir Julia am Telefon. Die junge Mutter aus Berlin hat sich auf meinen Aufruf auf Instagram gemeldet. Ich suche nach Personen, die Rassismus im Kontext ihrer Schwangerschaft erlebt haben und bereit sind, darüber zu sprechen. Denn ansonsten finde

ich bei meiner Recherche vor allem eines – einen Mangel an Informationen. Auf Englisch beschäftigen sich jede Menge Fachliteratur, Blogeinträge, Posts und journalistische Texte mit diesem Thema – überwiegend von Urheber*innen aus den USA. Auf Deutsch gibt es jedoch so gut wie keine journalistischen Texte zu diesem Problem, geschweige denn harte Fakten in Form von Zahlen und Forschungsergebnissen. Erst viel später in meiner Recherche werden mir von Expert*innen, die ich kontaktiere, Studien empfohlen, die sich mit Diskriminierung während der Schwangerschaft und unter der Geburt beschäftigen.

©Heide Prange

Doch Susan Bagdach kennt das Problem. Die ehemalige Krankenpflegerin leitet das intersektionale Zentrum für Frauen- und Mädchengesundheit Holla in K…


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