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„Es geht um uns“

Der Romnja* Power Month 2019 geht zuende. Wir haben gefragt, was er für die Community bedeutet.

09.04.19 > Aktivismus

Von Maja Bogojević

Einmal jährlich vom feministischen Kampftag, am 08. März, bis zum Internationalen Tag der Rom*nja, am 08. April, findet der Romnja* Power Month statt – in diesem Jahr bereits zum vierten Mal in Berlin und erstmalig bundesweit. Den ganzen Monat über gibt es kostenfreie Veranstaltungen in Form von Lesungen, Konzerten und Performances. Die Roma Parade stellt hierbei das Ende des kämpferischen Monats dar, bei welchem sowohl Rom*nja und Sint*izzi als auch Gadjé und Verbündete teilnehmen.
Ähnlich wie auch der Black History Month oder der Asian Pacific Heritage Month ist diese Veranstaltung ein wichtiger Bestandteil des Kampfs um racial equality. Es geht um Empowerment, Sichtbarkeit und Austausch. Es geht zudem um Gewalt, Repressionen und Unsichtbarmachung der weißen Mehrheitsgesellschaft.
Da die Erfahrungen der Community genauso facettenreich sind wie ihre Mitglieder, werden im Folgenden verschiedene Statements präsentiert. Die Befragten engagieren sich in verschiedener Form gegen Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zzi und für die Rechte von sich und ihrer Community.

Sonja Kosche und Laszlo Farkas ©Collage/Missy Magazine/privat (2)

Wir kämpfen online für die Anerkennung der Gleichwertigkeit von Rom*nja und Sinti*zzi und gegen den politischen Rechtsruck. Der Romnja* Power Month ist wichtig für uns, da wir bei der Onlinerecherche, oft auch in Hate Storms, alleine da stehen. Die Verbindung mit Betroffenen und Aktiven gibt Kraft für gemeinsame Ziele. Aus einer Facebookgruppe und einem Bündnis heraus versuchen wir, auf Klischees, Vorurteile und rassistisch abwertende Begriffe, wie auf die noch heute leider vielerorts prekäre Situation von Roma in Europa, aufmerksam zu machen und dem entgegenzuwirken. Rassistische Ressentiments gegen Sinti*zzi und Rom*nja reichen von der Mitte der Gesellschaft bis hin zu antirassistischen Organisationen. Jüngst mussten Roma bei pogromartig gewaltsamen Übergriffen in Frankreich und Italien erleben, was das Verbreiten von Fake News und Hass im Netz anrichten kann. Menschen starben und kaum jemand schien es zu interessieren.
Sonja Kosche betreibt Medienmonitoring und dokumentiert die Berichterstattung und Diskussionen gegen Sinti*zzi und Rom*nja im Netz

Wenn ich als queere Roma Person homophobe Situationen in meinem Leben erlebe, erkenne ich wiederholt, dass diese in der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verwurzelt sind. Verachtung, Mitleid, Spott, mir ins Gesicht lachen – dies erlebe ich, wenn mein Feminismus in einer Geste, in meinem Lachen oder durch meine Kleidung an die Oberfläche dringt/erkannt wird. In diesen Momenten merke ich, dass unser Schicksal sich mit dem der Romnja Frauen ähnelt. Ihre Sichtbarkeit ist essenziell für uns LGBTQI Personen. Opre Rom*nja!
Laszlo Farkas alias ‘gypsyrobot’ ist DJ und Künstler

Riah Knight und Gabi Zekić ©Collage/Missy Magazine/privat (2)

Als eine britische Romni ist mir die Sichtbarkeit von Rom*nja Künstlern und besonders die der Romni Frauen sehr wichtig. Deswegen sind Veranstaltungen wie der Romnja* Power Month so schön und ich bin sehr glücklich darüber, Teil davon zu sein. Ich war Teil des Hilton 437 und habe außerdem im feministischen Hauptquartier von Berlin – Romani Phen – singen dürfen. Auch das Stück „Roma Armee“ bedeutet mir viel aufgrund der Aussagen, welches es über meine Community macht. Ich habe dieses Jahr ein Projekt namens „Romnja Jazz“ gegründet, welches Rom*nja und Sinti*zzi, die Musik in Berlin machen, stärken soll. Dieses Projekt ist nur eines von vielen Beispielen von Frauen, die in den Vordergrund treten in Form von Romnja und Sintezza Kunst und Aktivismus. We are many, and we will continue to rise.
Riah Knight ist eine Singer/Songwriterin, arbeitet im Maxim Gorki Theater in Berlin und ist Teil von „Roma Armee“

Mir ist der Monat wichtig, weil wir Rom*nija und auch andere Leute die Chance haben, uns wieder zu sammeln, um uns zu sehen und neue Menschen kennenzulernen. Wir haben auch die Chance, sowohl unsere Arbeit zu zeigen, als auch die Arbeit von anderen zu sehen. Jedes Jahr lerne ich was Neues vom Rom*nja Power Month und es motiviert mich immer.
Gabi Zekić ist Betreuerin bei der Mädchengruppe RomaniPhen. Sie macht ihre Ausbildung in einer OSZ-Schule und schreibt Gedichte

Estera Iordan und Estera Stan©Collage/Missy Magazine/privat (2)

Ich finde, dass diese Ansammlung von Ereignissen, die die Diskriminierung an Sinti und Roma aufklären, wichtig für die Gesellschaft sind, da es zu wenig Wissen in den Schulen und in der Öffentlichkeit über den an unseren Menschen begangenen Genozid gibt.
Estera Iordan ist Teil des feministischen Rom*nja Archivs RomaniPhen

Ich bin eine Romni und bin stolz darauf! Der Romnja* Power Month ist für mich sehr notwendig. Dadurch fühle ich mich gestärkt und habe mehr Mut. Die Leute sollen ein für allemal verstehen, dass wir nicht diskriminiert werden wollen und dass schreckliche Gedanken unter dem Z-Wort auftauchen.
Estera Stan ist Teil des feministischen Archiv RomaniPhen

Hajdi Barz und Marie Presecan©Collage/Missy Magazine/privat (2)

Mir ist der Romnja* Power Month total wichtig, weil bevor es ihn gab, die komplette Repräsentation von Rom*nja die von Bettelnden, Armen, Benachteiligten und Diskriminierten war. Und das nervt mich tierisch! Weil ich mich da nicht repräsentiert fühle und weil ich auch finde, dass das ein altes Klischee ist, das man immer wieder hervorholt, um uns anders zu machen. Beim Romnja* Power Month geht es um Selbstrepräsentation, Stärke, Kraft und Schönheit. Und das brauche ich auch manchmal. Außerdem hilft es uns als Community, unsere Komplexität besser zu verstehen mit all der Heterogenität, aber auch der Welt. Aber in erster Linie geht es mir um uns.
Hajdi Barz ist Teil der IniRomnja

Der Romnja* Power Month bedeutet Sichtbarkeit. Wir wollen in der Gesellschaft sichtbarer werden mit unseren Geschichten. Er bedeutet aber auch zu kämpfen, denn es gibt noch sehr viel für uns zu tun (wie für alle marginalisierten Menschen), auf dem Weg zu politischer, ökonomischer und sozialer Gerechtigkeit. Letztendlich bedeutet er aber auch, dass wir uns feiern. Unsere Identitäten und uns bei den Treffen gegenseitig bestärken. Das ist ein großer Teil unserer Community-Bildung.
Marie Presecan ist Fotografin, Künstlerin und Aktivistin

Die Einnahmen des Artikels gehen an das feministische Rom*nja Archiv RomaniPhen.

 


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