Wir Monster

Im Außenseiter*innen-Drama „Border“ erkundet der iranisch-schwedische Regisseur Ali Abbasi Grenzziehungen.

11.04.19 > Film & Serien

Von Vina Yun

Tina lässt sich wenig anmerken, als sie im Supermarkt angestarrt wird – ist es doch nicht das erste Mal, dass sie die Blicke der Menschen auf sich zieht. Indes verbirgt sich hinter der stoischen Fassade tiefer Schmerz: Schon immer habe sie sich hässlich und deformiert gefühlt, sagt Tina, die ihre groben Gesichtszüge und ihre klobige Gestalt auf einen vermeintlichen Gendefekt zurückführt. Bis sie sich in den Worten ihres Liebhabers und späteren Antagonisten Vore wiedererkennen kann, muss sie ihr früheres Leben – die alte Ordnung –erst noch abstreifen: „Du bist perfekt.“ Zurückgezogen lebt Tina (toll: Eva Melander) zusammen mit ihrem Freund Roland in einem Häuschen im Wald. Dass er sich mehr für seine Zuchthunde als für Tina interessiert, kümmert sie nicht weiter – Rückhalt findet sie ohnehin nicht bei Menschen. Trost schenken ihr allein die Natur und magische Begegnungen mit den Tieren des Waldes. Wundersam mutet auch Tinas Sinnesvermögen an: Sie kann die Gefühle von Menschen – etwa Scham, Schuld oder Wut

– riechen. Eine Begabung, die ihr in ihrem Job als Zollbeamtin in einem schwedischen Grenzhafen zugutekommt, wenn sie zielsicher Alkoholschmuggler und Besitzer von Kinderpornos überführt. Als eines Tages der geheimnisvolle Vore (Eero Milonoff) vor ihr steht, der ihr nicht nur im Aussehen frappant ähnelt, erwachen in Tina Zweifel: an ihrer Herkunft und an einer Gesellschaft, die für sie nur den Platz einer Außenseiterin vorgesehen hat.

©Wild Bunch Germany

Das Drehbuch basiert auf einer Kurzgeschichte von John Ajvide Lindqvist, der schon mit seiner Vorlage zum Vampirfilm „Låt den rätte komma in“ („So finster die Nacht“) eine famose Mischung aus Fantasy-Horror, Teenager*innen- Romanze und Sozialdrama lieferte. Auch „Border“ (Originaltitel: „Grä…

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