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Reiseführerin Sarajevo mit Adela Jušić

Die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina hat eine fantastische Lage inmitten von 2000 Meter hohen Bergen.

13.05.19 >

Fotos: Jeanne Frank

Zu Sarajevo fallen den meisten Leuten drei einschneidende historische Ereignisse ein: die Ermordung von Franz Ferdinand 1914, die Olympischen Winterspiele 1984 im sozialistischen Jugoslawien und die Belagerung während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995. Doch auch wenn die Spuren der Vergangenheit, vor allem die des letzten Kriegs, noch in der ganzen Stadt präsent sind, hat sich hier seitdem eine lebhafte Kulturszene entwickelt, von der die feministische Künstlerin Adela Jušićein aktiver Teil ist.

Kunst und Kultur
Das History Museum of Bosnia and Herzegovina ist ein guter Startpunkt, um sich über Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und des Sozialismus zu informieren. Seine Besieged Sarajevo Collection vermittelt Wissen zur Belagerung der Stadt von 1992 bis 1995.Die Direktorin des Museums ist eine engagierte Feministin, sodass regelmäßig

entsprechende Events stattfinden. Das jüngste Museum der Stadt, das War Childhood Museum, zeigt persönliche Gegenstände wie Fotos und Zeichnungen, die Zeugnis von den Lebensumständen bosnischer Kinder in den 1990er- Jahren ablegen. Die tolle Sammlung zeitgenössischer Kunst Ars Aevi wurde während des Kriegs ins Leben gerufen, als eine Gruppe rund um Enver Hadžiomerspahić Künstler*innen aus aller Welt aufforderte, aus Solidarität mit der besetzten Stadt Werke zu spenden. Neben anderen Museen wie der National Gallery of Bosnia and Herzegovina gibt es einige unabhängige Galerien und Art Spaces. Die älteste von ihnen ist Gallery and Cafe Zvono. Der Künstler Jusuf Hadžifejzović führt die Charlama Contemporary Art Gallery, die Gallery Brodac wird von jungen Kunststudis gemacht, und zwei neue Spaces, ODRON und SKLOP, werden hauptsächlich von Frauen organisiert.

©Jeanne Frank

Lesen und Schauen
Die Boris Smoje Gallery zeigt zwar Kunst, funktioniert aber eher als Bar. Hier treffen sich Kreative aller Generationen, um sich auszutauschen. Gegenüber befindet sich Buybook, einer der wichtigsten Buchläden und Verlage. Hier geht man hin, um zu lesen, Autor*innen zu treffen oder eine der vielen Literaturveranstaltungen wie das internationale Festival Bookstan zu besuchen. Eine wichtige Zeitschrift für feministische Theorie und Kunst ist „BONA“, die vierteljährlich erscheint. Meeting Point ist ein Kino mit Bar, das Kinofestivals und andere Events hostet, wie z. B. das jährliche Human Rights Film Festival, das größte Dokumentarfilmfestival in Südosteuropa. Ich selbst war in die Organisation von PitchWise involviert, ein feministisches Festival, das 2006 startete und bis heute internationale Künstler*innen, Kollektive, Musiker*innen und Aktivist*innen einlädt. Im Winter besuchen wir das Merlinka Festival und schauen dort Dokus zu LGBTIQ-Themen.

©Jeanne Frank

Musik und Party
Rock und Metal kann man in Bars wie Marki, Jazzbina und AG hören. Aber auch die elektronische Musikszene, die direkt nach dem Krieg mit dem Festival Futura durchstartete, ist sehr präsent. Das Silver and Smoke ist einer der wenigen Clubs, der von einer Frau geführt wird, und der beste Spot, um die ganze Nacht zum Sound von inter- nationalen DJs aufzubleiben.

©Jeanne Frank

Natur und Sport
Die olympischen Berge sind nur dreißig Minuten entfernt und perfekt, um während der Sommerhitze zu chillen oder Sport zu treiben – oder um im Winter dem Nebel zu entkommen und in der Sonne zu baden.

Adela Jušić wurde 1982 in Sarajevo geboren und arbeitet als bildende Künstlerin zu historischer Gewalt gegen Frauen, Antifaschismus und dem sozialistischen Jugoslawien. Sie ist Mitinitiatorin der Kunst- und Kulturinitiative Crvena, für die sie ein Onlinearchiv schuf.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 02/19.


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