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Ein guter Platz für „Lebenschützer“

Für ungewollt Schwangere ist es nicht einfach, im Netz an verlässliche Informationen zu Abtreibung zu kommen.

05.07.19 > Körper

Von Tina Reis

Jeden Monat wird auf Google durchschnittlich 33.100 Mal nach „Abtreibung“ und 18.100 Mal nach „Schwangerschaftsabbruch“ gesucht. Verwandte Suchbegriffe erreichen ebenfalls ein hohes Suchvolumen, wie „Abtreibung Kosten“ mit 12.100 und „Abtreibungspille“ mit 8100. Google ist eine wichtige Anlaufstelle, wenn es um Informationen über Schwangerschaftsabbrüche geht. Denn wen können ungewollt Schwangere sonst fragen? Über den eigenen Schwangerschaftsabbruch zu sprechen, ist tabuisiert und schambesetzt, oft auch im eigenen Freund*innenkreis. Viele Ärzt*innen bieten keine Abbrüche an – und denjenigen, die es tun, verbietet § 219a, vollumfassend über den Eingriff zu informieren. Letztendlich ist für viele Menschen, die abtreiben wollen, vermutlich eines besonders wichtig: Es muss schnell gehen. Eine Google-Suche führt innerhalb eines Sekundenbruchteils zu einer Vielzahl an Webseiten, die alle Fragen beantworten – scheinbar.

© Julia Kluge

Wenn man sich die Webseiten genauer anschaut, die in den Suchergebnissen ganz oben stehen, ist es jedoch zweifelhaft, ob eine Google- Suche wirklich immer verlässliche Informationen liefert. Studien zeigen, dass über achtzig Prozent der Nutzer*innen auf die

ersten fünf Ergebnisse in der Liste klicken und dem Rest eher wenig Beachtung schenken. Eine Momentaufnahme: Die Suche nach „Abtreibung“ zeigt auf dem ersten Platz „Spiegel Online“ an, mit Informationen zu Methoden und Rechtslage in Deutschland, allerdings mit wenig Konkretem zu Ablauf und Kosten. Genauso wenig hilfreich ist der Wikipedia-Artikel, der darauf folgt. Auf dem dritten Platz dann bereits eine Seite von radikalen Abtreibungsgegner*innen, den selbst ernannten „Lebensschützern“. Diese spricht zwar an keiner Stelle davon, Schwangerschaftsabbrüche abzulehnen, gibt sich jedoch alle Mühe, die Entscheidung für einenAbbruch als moralisch verwerflich darzustellen. Danach kommt der „Stern“ mit persönlichen Erfahrungsberichten, und auf Platz fünf findet sich schon die nächste „Lebensschutz“-Seite. Der Verein Pro Femina, der die Seite betreibt, gibt sich als neutrale Beratungsstelle aus. Nur mit dem Vorwissen, dass die Risiken eines Schwangerschaftsabbruchs, vor denen die Seite warnt, frei erfunden sind,…

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