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Gegen das Tabu

Wie lernen junge Ärzt*innen, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen? Alicia Baier im Gespräch.

10.07.19 > Gesundheit

Interview: Anna Mayrhauser

Alicia, du hast gerade dein Medizinstudium abgeschlossen. Wie bist du mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch während deiner Ausbildungszeit in Berührung gekommen?
Als ich im achten Semester war, habe ich auf einem feministischen Kongress die niederländische Aktivistin und Medizinerin Rebecca Gomperts bei einem Podium zum Thema Abtreibung erlebt. Da habe ich erst erfahren, dass Abtreibung in Deutschland im Strafgesetzbuch steht. Das wusste ich vorher gar nicht, so wie viele Medizinstudierende.

2015 hast du die Gruppe Medical Students for ChoiceBerlin mitbegründet, einen Teil der weltweit existierenden und1993 in den USA gegründeten Organisation Medical Students for Choice. Du kritisierst, dass der Schwangerschaftsabbruch im Medizinstudium nicht gelehrt wird.
Es ist auffällig, dass Abtreibung im Studium nicht vorkommt, vor allem, wenn man vergleicht, dass ähnlich häufige Eingriffe wie etwa Blinddarm- und Mandelentfernungen

sehr wohl thematisiert werden. Im Studium sollte man eigentlich die Eingriffe in der Theorie lernen: Welche unterschiedlichen Methoden gibt es? Wie läuft der Eingriff ab? Welche Komplikationen können auftreten? Während meines Studiums war der Schwangerschaftsabbruch hingegen nur in einem Seminar zu Pränataldiagnostik kurz Thema –und zwar in den letzten zehn Minuten der Veranstaltung. Häufig fiel er aus Zeitmangel ganz unter den Tisch. Darüber hinaus entsteht hier ein falsches Bild des Schwangerschaftsabbruchs. Etwa 95 Prozent der Abbrüche passieren sehr früh, weil die Schwangerschaft generell nicht gewollt ist. Spätabtreibungen aus medizinischer Indikation machen jedoch nur etwa vier bis fünf Prozent der Eingriffe aus.

©Julia Kluge

Die Gruppe Medical Stud…


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