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Now and Then: Françoise Cactus über Nico

Für die Stereo-Total-Musikerin ist Sängerin Nico nicht nur geheimnisvoll, sondern auch tough!

31.07.19 > Musik

Von Françoise Cactus

Die Sängerin und Musikerin Nico war eine wirklich originelle Künstlerin. Sie liegt auf dem schönen „Selbstmörderfriedhof “ in Berlin begraben mitten im Grunewald-Forst, obgleich sie keinen Selbstmord beging, sondern 1988 auf Ibiza durch einen Sonnenstich gestorben ist.

Nicos bürgerlicher Name lautete Christa Päffgen. Ja, Nicos Eltern stammen aus der Kölner Päffgen-Brauereidynastie. Sie war Fotomodell, später Musikerin und Schauspielerin, sie

galt als sogenannte „nordische Schönheit“. Sehr groß, blond, mit hervorstechenden Wangenknochen. Sie hatte etwas sehr Kühles an sich. Etwas Geheimnisvolles. Ihre erste Single hieß „I’m Not Sayin’ (That I Love You)“, ein Sixties-Yéyé-Song. Nico war eine von Andy Warhols Musen, dennoch ganz anders als die anderen „Superstars“ aus der Factory. Ihr Stil: klassisch, männlich, unnahbar. Und: Sie hatte ein Kind! Ari. Alain Delon hat ihn niemals anerkannt, was amüsant ist, denn heute sieht Ari genau wie Papa Delon aus.

© Paul Cabine

Von Andy Warhol stammte auch die Idee, Nico in Lou Reeds Band The Velvet Underground auftreten zu lassen, denn Lou Reed hatte nicht genug Charme oder Sex-Appeal auf der Bühne. Der Typ war ziemlich egozentrisch und davon irritiert, dass eine junge, schöne Frau seinen Platz auf der Bühne einnehmen sollte. Obgleich Reed den Deal mit Andy Warhol akzeptiert hatte (Andy würde The Velvet Underground nur mit Nico unterstützen), boykottierte er sie nonstop.

Nico hatte unzählige Affären, auch mit Jim Morrison, doch sie scheinen sie nicht aus der Ruhe gebracht zu haben. Souveräne Depression war ihr Lebensstil, und sie hätte nie aus Liebeskummer losgeheult. Nach The Velvet Underground begann Nicos Solokarriere. Ihre Stimme ist einmalig tief, langsam und schön gruselig. Ich habe eine Live- Platte von ihr, auf der sie Sinatras „New York, New York“ begleitet von ihrer Orgel interpretiert. Scheinbar tritt sie in einem kleinen Club auf, in dem nur wenige Zuschauer*innen anwesend sind, die sie auch noch verspotten und sehr spärlich klatschen. Doch ihre Art, „New York, New York“ zu interpretieren, ist so düster und rührend, New York City wird sofort zur Selbstmordstadt.

© Imago images / Photoshot/ Starstock
NICO – German Pop Singer – former lead vocalist with The Velvets and The Velvet Underground – Date: 04.05.1965.

Ihre eigenen Kompositionen sind kompromisslos und schlicht wunderbar. Diese Musikerin hat nicht vor, irgendwem zu gefallen. Sie lebt in ihrer eigenen Welt und lässt uns hineinhören. Auch wenn sie spricht, ist ihre Stimme unglaublich tief und ihr Redefluss extreeem langsaaam. Dabei fehlt es ihr nicht an Humor: „Ich wollte schooon immer wie Bob Dylan klingen.“

Françoise Cactus, eigentlich Van Hove, ist eine französische Autorin, Musikerin und Zeichnerin, die in Berlin lebt. Sie singt und spielt bei Stereo Total, deren Album „Ah! Quel Cinéma!“ gerade erschienen ist. Sie häkelte die lebensgroße Puppe Wollita, die in der Klatschpresse zum Skandal wurde.

Nico, gebürtig Christa Päffgen, war Model, Schauspielerin und wurde durch ihr Wirken auf dem 1967er-Album „The Velvet Underground & Nico“ bekannt. Im selben Jahr erschien ihr erstes Solo- album „Chelsea Girl“. 2018 lief der Film „Nico, 1988“ in den Kinos.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 04/19.

 

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