Seitennavigation Katze Welt
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Die Gegenwart ist düster

Der Klimawandel ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Nicht alle Menschen sind gleichermaßen betroffen.

06.08.19 > Welt

Von Juliane Schumacher

Im April 2019 blockierten Tausende Protestierende in London Kreuzungen und Brücken, die Polizei nahm über tausend Aktivist*innen fest. Aufgerufen zu den Blockaden hatte die Bewegung Extinction Rebellion, um vor der Klimakrise zu warnen, die „die Menschheit und das Leben auf der Erde“ bedrohe. „Menschliche Aktivitäten verursachen irreparable Schäden“, heißt es in der Erklärung der Bewegung und in Bezugnahme auf die schwedische Aktivistin Greta Thunberg: „Unser Haus brennt. Wir müssen handeln, solange wir noch können.“

©Katrin Koenning

Klimawissenschaftler*innen weisen seit Ende der 1980er­Jahre darauf hin, dass die Erdoberfläche wärmer wird, heute liegt die durchschnittliche Temperatur 1,1 Grad höher als vor 140 Jahren. Bis 2100 wird die Temperaturerhöhung laut Prognosen bei 1,8 bis vier Grad liegen – mit weitreichenden Folgen für die Lebewesen auf der Erde. Eine Krise, keine

Frage. Für rasches Handeln zu protestieren: absolut notwendig. Aber ist es tatsächlich „die Menschheit“, die den Klimawandel verursacht? Wessen Haus brennt? Und wer ist das „Wir“, das da handeln soll? Fakt ist: Es sind nicht alle gleichermaßen vom Klimawandel betroffen. Und es tragen nicht alle gleichermaßen zum Klimawandel bei. Die Rede von der „Menschheitsaufgabe“ verdeckt die Ungleichheit, die den Klimawandel durchzieht. Die Erderwärmung ist zwar von Menschen verursacht – aber nicht von allen. In Deutschland stieß ein Mensch im Jahr 2016 im Durchschnitt 8,9 Tonnen CO2 aus, in den USA 15, in Indien 1,6; Länder wie Äthiopien liegen mit 0,1 Tonnen weit darunter. Von dem zusätzlichen CO2, das sich in der Atmosphäre anreichert, stammt der größte Teil aus fossilen Brennstoffen, aus Kohle, Öl und Gas. Die haben in den letzten 150 Jahren vor allem die Länder Europas und Nordamerikas genutzt – sie verdanken diesen Energieträgern einen Teil ihres Wohlstands. Seit Beginn der internationalen Klimapolitik in d…

Missy jetzt als Print-Abo bestellen. 6 Hefte nur 30 Euro.

Beitragsnavigation