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Sexismus dekodieren

In „Say My Name, Say My Name“ von Olivia Hyunsin Kim sind Künstliche Intelligenzen die Hauptakteur*innen.

11.09.19 > Theater

Interview: Vina Yun

In deiner Performance hinterfragst du die geschlechtliche Konstruktion von KI (Künstliche Intelligenz). Wo verortest du die Schnittstelle zwischen herrschenden Geschlechterpolitiken und Neuen Technologien?
Als ich in Japan unterwegs war, habe ich gesehen, dass die dortigen Care-Roboter und KIs genderneutrale Namen tragen. Oft sind es humanoide Roboter mit einer kindlichen Gestalt, sodass man nicht auf das Geschlecht schließen kann. Das war ein Aha-Moment für mich. Bis dahin kannte ich nur Siri von Apple und Cortana von Microsoft oder Sophia von Hanson Robotics, die alle weiblich markiert sind und einen westlichen Namen tragen. Auch die meisten Navigeräte haben eine weibliche Stimme. Die Care-Arbeiterin oder digitale Sekretärin ist also fast immer weiblich, während KIs in der Medizin oder im juristischen

Bereich männlich gedacht werden – eine geschlechtliche Arbeitsteilung wie vor fünfzig Jahren. Wissenschaftlerinnen wie Joanna Bryson haben außerdem gezeigt, dass KIs wie Siri rassistisch aufgebaut sind. Siri ist nicht objektiv, weil Daten nicht objektiv sind – denn dahinter stehen mehrheitlich heterosexuelle, männliche, weiße Programmierer.

©Peter van Heesen

In den 1980ern wurden Gegenutopien von feministischen Theoretikerinnen wie Donna Haraway entworfen, die Cyborgs als hybride Wesen beschrieb, die sich dichotomen Identitäten entziehen und damit die bestehende Gesellschaftsordnung destabilisieren. Als das Internet für viele zugänglich wurde, wurden ähnliche Befreiungsfantasien gewäl…

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