Wahlgroßfamilie

Die Künstlerin Nuray Demir hat keine Sehnsucht nach dem Kleinfamilienglück und lebt in einer großen WG.

16.09.19 > Sex & Beziehung

Protokoll: Hengameh Yaghoobifarah
Illustration: Viktoria Cichoń

Familie besteht für mich aus Menschen, denen ich total vertraue oder neben denen ich einfach so sein kann, wie ich bin. Meine Herkunftsfamilie ist mir gleichzeitig auch wichtig, in meiner WG kommen meine biologische und meine selbst gewählte Familie zusammen. Wir sind sieben Erwachsene zwischen 27 und 45 sowie zwei Kinder, die allerdings beide im Wechselmodell betreut werden. Wenn die Kinder gleichzeitig hier sind, haben sie ein eher geschwisterliches Verhältnis zueinander.

©Viktoria Cichoń

Die meisten Leute kannte ich vor dem Zusammenleben nicht, aber es haben sich

mittlerweile sehr gute Beziehungen entwickelt. Außerdem leben hier mein Bruder und mein Kind. Als alleinerziehende Mutter würde ich auf keinen Fall alleine mit meinem Kind leben, und mir ist es sehr wichtig, dass mein Kind nicht das einzige in der WG ist oder als klassisches Einzelkind aufwächst. Ich selbst wurde in einer Großfamilie sozialisiert. Wir waren zu siebt.

Mit 14 hätte ich nicht gedacht, dass ich später als Erwachsene wieder mit meinem kleinen Bruder leben wollen würde. Ich weiß nicht, ob ich alleine mit ihm wohnen wollen würde, aber in dieser Konstellation funktioniert es sehr gut. Er ist eine sehr wichtige Bezugsperson für meinen Sohn geworden. Das Interessante dabei ist aber, dass mein Kind sich die Bezugspersonen selbst auswählt. Er hat unterschiedliche Beziehungen mit den Mitbewohner*innen – so wie es bei mir als Erwachsene auch ist. Mit einer meiner Mitbewohner*innen hat mein Sohn auch einen festen Tag in der Woche, an dem sie sich verabreden und Dinge unternehmen. Dabei geht es nicht nur um e…

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