Opfer, Täterin, so vieles mehr

In ihrer Autobiografie erzählt Schwesta Ewa von ihrer Kindheit, Sexarbeit und wie sie zum Rap kam.

Von Bahar Sheikh

Mein Ruf ist der Beweis, dass diese Scheiße echt ist / Ich steh zu meinen Taten, das ist mein Geständnis“, rappte Schwesta Ewa schon auf ihrem letzten Album „Aywa“, auf dem sie offen von ihren Verbrechen erzählt. Etwas von einem Geständnis hat auch ihre kürzlich erschienene Autobiografie „Enthüllungen“. Dass Schwesta Ewa als einzige deutsche Rapperin so oft in den Schlagzeilen landet, liegt bei der Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Ewa Malanda heißt, nicht nur an der Musik, sondern auch am Lebenslauf: Sie war zuerst Sexarbeiterin, dann Zuhälterin und Rapperin. Bekannt wurde sie, als sie u. a. wegen Menschenhandels vor Gericht stand und schließlich wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung zu rund zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Mittlerweile ist sie Mutter geworden und wartet auf den Haftvollzug.

In „Enthüllungen“ beschreibt Schwesta Ewa, wie sie als Kind aus Polen fliehen musste. Wochenlang schläft sie mit ihrer Mutter in Kiel in einem Park und lernt von ihr,

Lebensmittel zu klauen. Als die beiden einen Platz im Frauenhaus bekommen, wird nicht alles besser: Sie wird von den anderen Kindern dort rassistisch beleidigt und schikaniert. Auch ihre Mutter ist dem Rassismus der anderen Frauen ausgesetzt. Nach der Zeit im Frauenhaus erwartet die kleine Ewa auch keine rosige Kindheit. Ihre Mutter schlägt sie, von einem erwachsenen Bekannten wird sie vergewaltigt. Diese Szenen schildert sie mal nüchtern, mal eindringlich, hält allerdings nie inne, um sie zu reflektieren. Der Text ist, obwohl er einfach zu lesen ist, wegen des Inhalts schwer zu verdauen.

Schwesta Ewa © Ondro

Die Familie zieht in eine Kieler Hochhaussiedlung, in der Ewa sich wohlfühlt, weil sie von anderen migrantischen Kindern umgeben ist: Sie gründen eine Gang und klauen sich ihre Existenz zusammen. Doch …

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