Meine heisse, be_hinderte Community

Was haben soziale Gerechtigkeit und Porno miteinander zu tun? Die Filmemacherin Loree Erickson im Gespräch.

Interview: Ulla Heinrich

Loree, mit deiner Arbeit schaffst du neue Perspektiven auf die Verbindung von Queerness, Be_hinderung und sozialer Gerechtigkeit. Was war zuerst da, dein Porno oder dein Doktortitel?
Meine Forschung und Arbeit gehen immer von meiner gelebten Erfahrung aus. Als Erstes habe ich ein Grundstudium in Geschlechterforschung absolviert. Das war das erste Mal, dass ich einen Zugang zu Sprache und Werkzeugen für die Analyse von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten bekommen habe, von denen ich auch selbst betroffen bin: Sexismus, Homofeindlichkeit und Diskriminierung von Menschen mit Be_hinderung. In dieser Zeit habe ich mich außerdem stark in der Disability-Justice- Bewegung engagiert.

©Nadine Redlich

Ich fing an, über Unterdrückung und Widerstand nachzudenken und darüber, wie welche Körper in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Ich habe in den 1990er-Jahren studiert, das heißt, wir haben zwar radikale feministische Theorie gelesen, aber die war weder sehr sexpositiv noch queerfreundlich. Deshalb habe ich mich lange Zeit wie eine schlechte Feministin gefühlt, denn ich wollte mich mit Identität und Sex als emanzipatorischen Mitteln

beschäftigen. Meine Arbeit ist immer auch eine Reaktion auf die fehlende Repräsentation von Körpern wie meinem eigenen. Ich erkundete die fantastische Welt des queeren und feministischen Pornos und fand nichts, wo ich mich oder meine heiße, queere und be_hinderte Community reflektiert fand.

Wie politisch ist unser Begehren?
Eine wirksame Methode, um Menschen gesellschaftlich zu marginalisieren, ist es, sie dazu zu bringen, sich selbst als nicht liebens- und begehrenswert wahrzunehmen, sie dazu zu bringen, ihren Wert als Teil der Gemeinschaft aktiv infrage zu stellen. Wenn wir Begehren als soziale Konstruktion verstehen, haben wir auch die Chance, diese zu dekonstruieren.

2006 entstand dein Film „want“, den du als Queercrip Porn bezeichnest. Was hat dich dazu veranlasst, einen Porno zu machen?
Queercrip Porn ist eine Form, unsere Geschichten zu erzählen, unser Wissen weiterzugeben und diskriminierenden Normen etwas entgegenzusetzen. Pornos machen …

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

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