„Ich wachse da immer noch rein“

Deborah Moses Sanks, Katja Kinder und Peggy Piesche im Gespräch über queeres Altern.

21.10.19 > Sex & Beziehung

Interview: Hengameh Yaghoobifarah
Transkription und Übersetzung: Marie Serah Ebcinoglu

Identifiziert ihr euch als alt?
Peggy Piesche: Ich identifiziere mich als älter. Meine Berliner Community ist intergenerational, ich fühle mich der Kategorie eher zugehörig als noch vor fünf Jahren. Ich bin 51.
Deborah Moses Sanks: Ich fühle mich auch älter. Ich bin fast siebzig Jahre alt.

Als ihr jünger wart, sagen wir in euren Zwanzigern, habt ihr da über queeres Altern nachgedacht?
DMS: Ich hatte mein Coming-out erst später, in meinen Vierzigern. In meinen Zwanzigern habe ich gar nicht über das Altern nachgedacht. Ich dachte, ich habe so viel Zeit. Ich habe gearbeitet, hatte eine Tochter und wollte meinen Abschluss machen, war also gut beschäftigt. Ich dachte nie, dass ich älter werde – ich dachte, nur meine Tochter wird älter, aber das hat nichts mit mir zu tun. Ich war trotzdem auf Partys und so.

Licia Fertz © Emanuele Usai

PP: Ich war schon immer eine alte Seele. Ich bin in einem weißen Umfeld aufgewachsen. Als ich zum Verein Adefra (Schwarze Frauen in Deutschland) kam und ältere Schwestern kennenlernte, bekam ich plötzlich eine Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen

könnte. Altern war dann etwas Schönes. Ich bin mit meiner Mutter, meiner Oma und meinen Tanten aufgewachsen, die allesamt diese Angst vor dem Altern hatten. Ich glaube, das ist so ein Ding unter heterosexuellen Frauen. Ab dreißig gilt man als alt.

Deborah, kennst du viele Gleichaltrige?
DMS: In Deutschland bin ich unter meinen Peers altersmäßig ein bisschen einsam.
PP: Ich habe eine Freund*innengruppe, in der wir alle gleichaltrig sind. Meine Wahlfamilie. Wenn wir in intergenerationalen Räumen sind, ist es schön, gemeinsam darüber lachen zu können, dass wir nicht auf dem Boden sitzen wollen, weil wir nicht mehr so leicht aufstehen können. Mit diesen Freund*innen organisiere ich mein Leben, wir unterstützen uns, teilen Ressourcen. Außer Deborah hat keine von uns Kinder.

Sprecht ihr über Themen wie Pflege ohne Kleinfamilie in der Wahlfamilie?
PP: Definitiv. Gerade darüber sprechen wir: Was sind unsere nächsten Schritte? Wo wollen wir in…

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

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