Radikales Kuscheln

In „Queer Eye“ stellen Schwule das Leben der Kandidat*innen auf den Kopf. Ist das politisches Reality-TV?

06.11.19 > Film & Serien

Von Olja Alvir

Style, Körperpflege, Innenarchitektur und Kultur: Das sind die Fachgebiete der „Fab Five“, fünf erfolgreicher schwuler Personen, die das Leben ihrer Kandidat*innen runderneuern. Dabei ist die Sendung selbst ein Remake: In den Nullerjahren lief sie bereits unter dem Titel „Queer Eye For The Straight Guy“.

Am Anfang hielt sich die neue Version von „Queer Eye“ noch eng an das ursprüngliche Konzept: Fünf exaltierte Schwule helfen schüchternen Heteromännern. Doch nun zeigt „Queer Eye“ auch schwule und trans Männer, weibliche und lesbische Kandidat*innen. Menschen, die weniger eine Rasur, sondern eher professionelle Unterstützung mit ihrem Kleinunternehmen oder Therapie wegen eines kürzlich erlittenen Verlusts brauchen. Bei all dem bleibt das Setting, die tief republikanischen „Red States“ Kansas und Missouri, immer klar. „Queer Eye“ schreckt nicht davor zurück, traumatisierende Rassismus-Erlebnisse zu thematisieren und Homophobie die in Lachfalten gezogene Stirn zu zeigen.

Dennoch verbreitet „Queer Eye“, wie fast jede Reality- oder Makeover-Show, falsche Vorstellungen darüber, was es bedeutet, das eigene Leben zu verändern. Eine zerrüttete Familie kommt nicht plötzlich wieder zusammen, weil das Haus jetzt mehr der aktuellen Ikea-Ästhetik entspricht. Die Show lässt es leider genau so aussehen und verkauft die Illusion, dass jedes Problem mit ein paar kleinen Tricks und den richtigen Produkten innerhalb von wenigen Tagen gelöst werden kann. Revolutionär hingegen ist die Tatsache, dass die „Fab Five“ eine neue Körperpolitik einführen – so- wohl untereinander als auch ihren Kandidat*innen gegenüber: radikales Kuscheln. Sie halten demonstrativ Händchen, schon beim ersten Kennenlernen insistieren sie auf (Gruppen-)Umarmungen. Während die männlichen Kandidaten dabei am Anfang sehr zurückhaltend wirken, scheinen sie später regelrecht zu klammern.

Es ist beinah kathartisch, positive Interaktionen zwischen Männern im TV zu sehen. Endlich ein anderes Bild von Männerfreundscha…

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