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Die Analogie zwischen „Ostdeutschen“ und „Migrant*innen of Color“ verkennt die Lebensrealitäten von Menschen.

22.11.19 >

Von Katja Musafiri

Wenn ich mich in meine Kindheit in Ostdeutschland zurückversetze, sehe ich vieles grau. Ich spüre Isolation, Ausgrenzung, Anfeindungen und Gespött. Und ich höre ständig das N-Wort. Natürlich. In den 1980er-Jahren, da war das eben so. Wenn ich auf der Straße mal wieder mit dem N-Wort beschimpft wurde, sagten selbst die besten Freund*innen Dinge wie: „Sie weiß selbst, dass sie eine N. ist. Das muss man ihr jetzt nicht noch unter die Nase reiben.“ Sie sagten das zu meiner Verteidigung. Um mich zu schützen.

Rassismus ist, solange ich zurückdenken kann, tief verwurzelt in Ostdeutschland. Als

Jungpioniere hatten wir zwar das Gebot „Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und aller Länder“ zu halten. Dafür standen wir stramm im Fahnenappell, wobei das alberne Käppi auf meinem großen Lockenkopf natürlich jedes Mal für Belustigung sorgte – doch die Realität sah anders aus.

Wenn ich heute mit ostdeutschen Freund*innen über die Vergangenheit spreche, ist für viele ihre ostdeutsche Identität ein großes Thema. Der Schock, aber auch die Trauer über den „Zerfall der DDR“ sitzt in manchen Familien tief. Und ein Großteil meiner Generation hat zumindest ein leises Gefühl von Abgehängtsein oder den Eindruck, aufgrund der politischen und sozialen Umbrucherfahrung mehr leisten zu müssen, um gleichauf mit den „anderen Deutschen“ zu sein. Für mich hat dieses Gefühl jedoch nicht erst mit dem Mauerfall eingesetzt. Dieser bedeutete erst einmal „Verheißung“ – das Tor zu einer anderen Welt hatte sich geöffnet. Nicht nur die schier unendlich scheinenden Konsummöglichkeiten übten auf mich,…


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