Gegen den Blues

Filme für kalte Wintertage – von Missy rezensiert.

03.12.19 > Film & Serien

Ordinary Time
Von Ana Maria Michel

Marta sitzt auf der Rückbank des Autos und kann die Augen nicht von ihrer Tochter neben ihr abwenden. Clara ist gerade geboren, sie sind auf dem Weg nach Hause. Ein kleines Wunder liegt da in der Babyschale. Bald wird Martas Partner Pedro die Tür zu ihrer Wohnung in Lissabon aufschließen, Clara wird zu Hause sein. „Ordinary Time“ heißt der Film von Susana Nobre über die ersten Wochen dieser kleinen Familie und tatsächlich passiert nichts Außergewöhnliches. Marta, Pedro und Clara sind alle drei sie selbst, aber auch Figuren in diesem ersten fiktionalen Werk von Nobre. Die portugiesische Regisseurin hat zuvor Dokumentarfilme gedreht, das merkt man „Ordinary Time“ an. Die Kamera ist stets dabei, wenn die drei im Bett liegen, wenn Marta das Baby stillt oder noch mit den

Putzhandschuhen an den Händen auf der Couch schläft. Auch das Problem, sich die Sorge um das Kind gerecht aufzuteilen, ist ein Thema. Unterbrochen wird das Leben zu dritt von Besuchen von Freund*innen und Familienmitgliedern oder einem Ausflug aufs Land. Die Gespräche, die dann gezeigt werden, sind interessant, wirken aber teils unnatürlich. Man wird so daran erinnert, dass es sich hier nicht um einen Dokumentarfilm handelt. Die Stärke von „Ordinary Time“ liegt in seiner meditativen Ruhe, die Nobres Drehbuch möglich macht. Auch deshalb können die kleinen Momente, aus denen das Glück nur so hervorsprudelt, so intensiv wirken.  

Ordinary Time PT 2018. Regie: Susana Nobre. Mit: Marta Lança, Clara Castanheira, Pedro Castanheira u. a., 64 Min., Start: 05.12.

 

Dicktatorship
Von Anna Opel

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