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Depressionen politisieren

Depressionen sind ein Nebenprodukt kapitalistischer Leistungsideologie und kein individuelles Schicksal.

14.01.20 > Gesundheit

Von David Doell
Illustration: Katja Grosskinsky

Depressionen sind nach wie vor eine wenig berücksichtigte gesellschaftliche Realität, die Leben zerstört. Depressive Erkrankungen sind in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Es wird geschätzt, dass mindestens die Hälfte aller Menschen, die sich suizidieren, an Depressionen leidet, nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe waren es 2015 etwa 5000 Personen.

Sexttext; Depression; Missy Magazine06/19
©Katja Grosskinsky

Trotz rund fünf Millionen Betroffener in Deutschland werden Depressionen jedoch meist als individuelles Schicksal angesehen. Was aber, wenn Depressionen stattdessen eher Ausdruck einer spezifischen Ausbeutung und Subjektivierung im westlichen Spätkapitalismus sind, die nicht naturgegeben ist? Müssten wir dann nicht vielmehr einen kollektiven Kampf gegen Depressionen und ihre Bedingungen führen? Doch was ist eine Depression überhaupt? Es gibt vielfältige Ausprägungen von depressiven Erkrankungen, sowohl was die Dauer einer depressiven Episode als auch deren Intensität und Symptome

anbelangt. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) gibt drei Hauptsymptome an: Stimmungseinengung bis zu einem Gefühl der Gefühllosigkeit, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Als weitere Symptome gelten: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Minderwertigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder -handlungen, Schlafstörungen und verminderter Appetit.

Wir* möchten mit dieser Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern nur einen kleinen Überblick auf das teilweise undurchdringliche Labyrinth des depressiven Lebens geben. Für uns dauert eine schwere depressive Episode in etwa sechs bis acht Monate, in denen alle diese Symptome auftreten. Wir haben zum Teil bereits morgens Suizidgedanken, ein Gefühl von Körpererschöpfung und Entfremdung. Jeder Schritt kann unglaublich viel Kraft kosten un…


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