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Die Wunde

Eine Sportverletzung hat unserer Autorin gezeigt, wie Klasse und Gesundheit zusammenhängen.

10.02.20 > Gesundheit

Von Julia Wasenmüller
Illustration: ZorZor

Soziale Herkunft stelle ich mir wie eine Matratze vor. Sie kann dicker oder dünner sein und Menschen fallen dementsprechend härter oder weicher. Vor zwei Jahren bin ich beim Bouldern gestürzt und habe mir, obwohl abgefedert durch Sportmatten, das Fußgelenk dreifach gebrochen. Ich hatte keine Ahnung vom Bouldern und noch weniger vom Landen, hatte es aber trotzdem irgendwie nach oben geschafft. Ein guter Einstieg für einen Text über Klassismus. Denn dass nach sechs Wochen Gips nicht alles wieder ganz war, sondern ich mich über acht Monate im Rollstuhl und auf Krücken durch orthopädische Praxen

schleppte und mehrmals operiert werden musste, hat mit meiner sozialen Matratze zu tun.

©ZorZor

Ich wurde operiert, meine Knochen mit Titanplatten verschraubt und ich durfte wieder gehen. Den Rollstuhl besorgte ein Freund über Ebay-Kleinanzeigen. Vermutlich hätte man ihn bei der Krankenkasse beantragen können, aber ich war Anfang zwanzig und hatte keine Ahnung davon, was mir zusteht. Niemand nahm sich die Zeit, mit mir darüber zu sprechen. Zur Nachbehandlung googelte ich die nächstgelegene orthopädische Praxis. Ich kam nicht auf die Idee, nach Empfehlungen für eine „gute“ Praxis zu fragen. Die Wunde heilte schlecht, nach mehreren Wochen war sie immer noch offen. Ich machte mir Vorwürfe: Hätte ich in ein anderes Krankenhaus gehen soll…


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