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K wie Kritik

Das „Glossar des Undisziplinierten Gestaltens“ verbindet feministische Herstory und intersektionale Kritik.

18.02.20 > Kunst

Interview: Ulla Heinrich

Lasst mich raten, die Herstory des Grafikdesigns wurde noch nicht geschrieben?
Anja Kaiser: Der Kanon, der im Grafikdesign gelehrt wird, ist westlich, weiß und männlich dominiert. Es gab in den 1980er- und 1990er-Jahren durchaus Frauen, die darauf hingewiesen haben. Wie so oft in der feministischen Geschichte ging diese Kritik wieder verloren. Das 2012 erschienene Buch „Frauen und Grafik-Design / Women in Graphic Design 1890– 2012“ war für mich persönlich sehr wichtig.
Rebecca Stephany: Ich musste mich im Studium selbst bemühen, Grafikdesigner*innen aus dem 20. Jahrhundert zu finden. Nun kommen wir in eine Phase, in der klar ist, dass in einem Buch über Gestaltungsgeschichte auch ein Kapitel über Frauen enthalten sein muss. Aber es kann nicht unser Ziel sein, in Extrakapiteln ausgestellt zu werden. Ich habe noch kein Buch zu Gestaltung gesehen, in dem die westlich zentrierte und männlich dominierte Geschichtsschreibung ganz selbstverständlich aufgebrochen wurde. Ich bin optimistisch, dass sich das in Zukunft ändern wird.

Kultur 4: K wie Kritik
©Anja Kaiser und Rebecca Stephany

Wie ist die Idee zum Glossar entstanden?
AK: Wir wurden dazu eingeladen, in einem Talk über unsere Arbeit zu sprechen, und haben uns dafür entschieden, unsere feministischen Anknüpfungs- und Kritikpunkte

auszuarbeiten, anstatt lediglich unsere Projekte vorzustellen. Dem vorangegangen war ein intensiver Austausch darüber, wie man über all die Fallstricke zu sprechen lernt, denen wir als Gestalter*innen begegnen.
RS: So wollten wir offenlegen, was normalerweise in solchen Vorträgen nur als Ergebnis sichtbar wird. Damit dekonstruieren wir die Vorstellung von einer kreativen – meist männlichen – Person, einem Genie, dem die Ideen einfach zufallen. Wir zeigen, von welchen Bedingungen unsere Arbeit beeinflusst und abhängig ist.

Welche bestärkenden feministischen Vorbilder habt ihr in das Glossar aufgenommen?
RS: Beispielsweise die Amerikanerin Sheila Levrant de Bretteville, die bei unserem Symposium die Einführungskeynote halten wird. Sie hat bereits 1974 als 33-Jährige einen wichtigen Text zu Feminismus und Grafikdesign geschrieben. Sie ist Aktivistin, hat eine Grafikwerkstatt für Frauen gegründet und war 1990 die erste Professorin auf Lebenszeit an der Yale School of A…

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