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„Die Scham treibt uns an“

Ein Erfahrungsaustausch über das „Imposter-Sydrom“, das Gefühl, immer fehl am Platz zu sein.

18.03.20 > Beruf

Interview: Anna Mayrhauser und Bahar Sheikh
Transkript: Sarah Kailuweit
Foto: Stefanie Kulisch, Juliette Moarbes

Das Gefühl, fehl am Platz zu sein, kennen viele Menschen. Wo liegen die Gründe für das sogenannte Imposter-Syndrom? Die Autorinnen und Journalistinnen Daniela Dröscher,
Dilek Güngör und Caren Miesenberger im Erfahrungsaustausch.

Daniela, du bist Schriftstellerin und hast in deinem Buch „Zeige deine Klasse“ über die Scham des Klassen- bzw. Milieuwechsels geschrieben. Wenn du darin deine eigenen ersten Unierfahrungen thematisierst, sprichst du auch über das sogenannte Imposter-Syndrom, das Gefühl also, eine Hochstaplerin zu sein und eigentlich gar nicht an diesen Ort zu gehören. Was sind die Gründe für diese Emotion?
Daniela Dröscher: Dieses Gefühl hatte keine Sprache, es war vor allem etwas Körperliches. Ich habe mit jeder Faser den Abstand zwischen dem akademischen Kosmos und meiner Herkunftswelt gespürt. Obwohl ich kein Arbeiterkind bin. Ich komme aus einer klassisch westdeutschen Mittelschichtsfamilie. Meine Eltern hatten die ersten „sauberen“ Anstellungsberufe in der Familie. Geld war nie ein Problem, Bildung war vorgesehen und trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass alle anderen an der Uni Akademikereltern haben. Die Art und Weise, wie gesprochen wurde, schüchterte mich ein – ich habe mich nicht zugehörig gefühlt.

©Stefanie Kulisch & Juliette Moarbes

 

Caren, du arbeitest als Social-Media-Redakteurin bei einem großen öffentlich-rechtlichen Sender und hast immer wieder in deiner politischen Arbeit deinen Weg in den Journalismus als Arbeiter*innenkind thematisiert.
Caren Miesenberger: Meinen Weg als Journalistin wäre ich gar nicht gegangen, wenn es nicht Einzelpersonen gegeben hätte, die nicht viel von diesem exklusiven Ausbildungssystem halten. Es hilft, darüber zu sprechen, sich mit anderen Leuten zu connecten, die ähnliche, aber auch ganz andere Ausgrenzungserfahrungen gemacht haben. Ich habe Ausgrenzungen als Arbeiterkind und Sexismus erlebt, aber ich bin cis, weiß, christlich sozialisiert, Deutsche.

Dilek, auch du bist Schriftstellerin und hast dich in deinem Roman „Ich bin Özlem“ mit Rassismus und dem sozialen Aufstieg als Gastarbeiter*innenkind auseinandergesetzt. In einem Artikel auf „Zeit Online“ schreibst du über das Imposter-Syndrom: „Das Gefühl, nicht mithalten zu können, packt mich immer dann, wenn ich unter meinesgleichen bin: Journalisten, Schriftsteller, Akademiker.“ Was hast du im Laufe deiner Beschäftigung mit dem Imposter-Syndrom gelernt?
Dilek Güngör: Ich habe gemerkt, dass es immer da ist und dass ich alles, was ich nicht verstehe, darauf zurückführe. Da ist immer diese Scham und ich denke: „Ich bin so doof, die anderen können das schon.“ Man ist immer auf Aufholjagd. Man kommt nie an. Und wenn man da ist, dann jagt man auf der nächsten Stufe weiter. Ich glaube, die Scham treibt uns an.

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