Nach dem Rausch

Keine Macker-Sitcom: „BoJack Horseman“ überzeugt durch ehrlichen Umgang mit Themen wie Depressionen und Sucht.

18.03.20 > Film & Serien

Vn Klara Martens

Jedes Jahr, pünktlich zur Winterbluessaison, erwärmt eine neue Staffel der Animationsserie „BoJack Horseman“ mein Herz. Der Einstieg fiel mir zugegeben schwer, scheint es sich auf den ersten Blick um eine prollig-lustige Sitcom über einen pferdgewordenen Charlie Sheen zu handeln.

Missy Magazine 02/20, Serie BoJack Horseman,
© Netflix

Hauptfigur BoJack Horseman ist nämlich ein ehemaliger Serienstar in der Midlife-Crisis, der eine katastrophale Beziehung mit seiner Managerin Princess Carolyn führt und sich, quasi im Ruhestand, ausgiebigen Al- koholexzessen hingibt. Auf den ersten Blick scheint der Witz der Serie vor allem darauf aufzubauen, dass BoJack sich seinen weiblichen Mitmenschen gegenüber scheiße ver-

hält. Was „BoJack Horseman“ dann doch sehr schnell von „Two And A Half Men“ unterscheidet, ist, dass irgendwann niemand mehr lacht. Und dass nach dem Rausch, den Fehltritten und Verletzungen nicht alles mit einem emotionalen Monolog und ein bis zwei sarkastischen Witzen wieder ins Lot gebracht werden kann. Stattdessen geht die Serie, vor allem in den jüngeren Staffeln, erstaunlich feinfühlig und vielschichtig auf Themen wie Depressionen, Trauma und Sucht ein und sucht dabei nach möglichen Ursachen, indem sie bis zu BoJacks Großelterngeneration zurückblickt. Hoch anzurechnen ist der Serie ebenfalls, dass sie Asexualität thematisiert und BoJacks Mitbewohner Todd, dem liebenswertesten Charakter der Serie, viel Raum für sein Coming-out gibt.

Zeichentrickserien beruhen oft auf der Statik ihrer Charaktere. „BoJack Horseman“ hingegen lässt Raum für Veränderung. Zum Glück, denn die aufgezeigten Abgründe sind tief. BoJacks Drogenprobleme und die damit einhergehenden Abstürze wären sicherlich zu überzogen …

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